Musik und ich

Die Musik und ich, wir sind nicht immer die besten Freunde. Ich habe meine Freunde immer dafür bewundert, nach einem Durchlauf eines Albums sagen zu können, ob sie es gut finden. Ich brauchte vier, fünf Durchläufe mindestens, damit bei mir einzelne Lieder hängenblieben. Vorher war und ist es für mich nur Geräusch angenehmer oder unangenehmer Art.

Dementsprechend war ich eigentlich immer prädestiniert für dir Vor-Napster-Welt. Ich hatte bis zu meinem Abitur ein Taschengeld von 35€ monatlich, zusammen mit Kneipengängen und sonstigem blieb mir da Geld für ein Album im Monat. Das ließ ich mir von Intro, Visions und dem EinsLive Kultkomplex (der nun Plan B heißt) empfehlen, ganz selten von Freunden. So kaufte ich mir “Rock” von Surrogat, “Hello Nasty” von den Beastie Boys und “Sky Valley” von Kyuss. Und weil ich sonst nichts hören konnte außer Radio, hörte ich diese Alben oft. So oft, dass ich “Gib mir alles”, “Body movin” und den Hidden Track direkt nach Whitewater bis heute in allen Ausformungen auswendig kenne.

Dann kam Napster, danach Audiogalaxy und Kazaa, und alles was danach passierte. Ich möchte gar nicht groß auf die moralischen und rechtlichen Dimensionen eingehen – jedenfalls ist es jetzt ungleich einfacher, an Musik zu kommen. Sei es, um die legalen Möglichkeiten zu erwähnen, über MySpace, sei es über YouTube. Und meine Freizeit hat sich verringert. Seitdem ist es für mich ungleich schwerer, mich für neue Musik zu begeistern. Einfach, weil ich bei der schieren Masse nicht dazu komme, alles ausreichend oft zu hören, um fundiert über Gutfinden und Nichtgutfinden zu entscheiden.

So kommt es, dass es mit den Jahren im Dezember immer schwieriger wurde, einen kompletten Jahressampler zusammenzukriegen (während es 2001-2003 eigentlich Doppel-CDs hätten sein müssen).

Und daraus erwächst, dass ich für manche Sachen wahnsinnig viel Zeit brauche. Das Album von Justice habe ich mit zwei Jahren Verspätung kennen und lieben gelernt. Den Übersong “Little Lion Man” von Mumford&Sons musste ich mir mit viel Motivation schön hören.

Deswegen bin ich mittlerweile dankbar über Empfehlungen von Freunden. Paul zum Beispiel schenkte mir das Album von Hundreds aus Berlin, das mich gestern abend umgeworfen hat. Die Arkells dagegen habe ich durch die “Könnte dir auch gefallen”-Funktion eines Torrent-Portals gefunden. Wenn ich recht überlege dürfte die letzte Platte, die ich mir aufgrund von Presseberichten gekauft habe, “An Episode of Sparrows” von den Paperbacks gewesen sein. Im Winter 2003.

Wie dem auch sei: Meine Empfehlungen der letzten Monate. Jetzt. Hier. Auf dass sich vielleicht jemand mit etwas davon anfreunden kann. Und ich auch mal ein Empfehler bin.

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