Das Jahrzehnt in Stichpunkten: 2000

Ich hänge mich jetzt wie ein 2.0-Schmarotzer an Lukas Serie über das nun langsam ausfadende Jahrzehnt – die erste Folge war schon lesenswert, ich freue mich auf die Weiteren. Frappierend dabei ist, wie sehr sich solche Lebenserfahrungen ähneln, wenn nur bestimmte Parameter – Alter, Region, Umfeld – übereinstimmen. Trotzdem gibt es noch genug Unterschiede, die eine Erwähnung wert sind, zumal ich seinem Musikgeschmack zumindest in Richtung Pop (also, Pop. Nicht Pop!) so gar nicht folgen kann.

Tatsächlich weiß ich gar nicht mehr, wie ich in das Jahr 2000 hineingekommen bin. Ich werde es wie damals immer mit Pascal und Nils in meinem Kellerzimmer gefeiert haben, ständig wechselnde Peripherfreunde drumherum. Wir waren 15 Jahre alt und haben Bier getrunken und fühlten uns dabei ziemlich erwachsen. Traurig, wie wenig ich aus dieser Zeit noch weiß – so halbwegs kann ich aber rekonstruieren dass wir damals den Toten Hosen entwachsen waren und die Ärzte noch cool fanden. Damals begann allerdings die Spaltung unseres Musikgeschmacks, die bald auch auf unsere ständig umbenannte, nie wirklich existierende Band zurückfallen sollte. Später schrieb ich Songs die wie Weezers Pinkerton klingen sollten (es aber nur taten, wenn sie Plagiate waren), während Malte (Gitarre), Nils (Gitarre) und Pascal (Bass) eigentlich nur AC/DC covern wollten. Kaum zu glauben: Diese Kluft war das große Drama meines damaligen Lebens.

Schon 1999 hatte mein Musikleben einen radikalen Wandel genommen, der zeitlich genau mit meinem Umzug aus dem kleinen Zimmer neben dem Schlafzimmer meiner Mutter in den Keller zusammenfiel – am Tag bevor ich das Bett runtertrug, hörte ich den EinsLive Kultkomplex und dort “Guerilla Radio” von Rage Against The Machine. Aufgrund der etwas höheren Stimmlage dachte ich zunächst, das hätte irgendwas mit den Beastie Boys zu tun (Ich war 15! Also bitte). Ich kaufte die Single bei Elpi und wurde weggeblasen vor Großartigkeit. Nicht nur vom Titeltrack, sondern vor allem von den B-Seiten: Dem damas schon tollen Springsteen-Cover “The Ghost of Tom Joad”, dem bis heute famosen “No Shelter” (das ich deswegen nun höre) und einer Liveversion von “Freedom”.  So oft wie diese 4-Track-EP habe ich bis heute sicherlich keine zweite Platte gehört.

So ausgestattet und mit einem Einjahres-Abo des Ox bewaffnet ging es dann weiter. Ein kurzer Überblick über meinen MP3-Ordner (die Platten von damals sind alle selbst gerippt und mit rührenden Rechtschreibfehlern getaggt) spuckt unter anderem aus:

Wohlgemerkt, das sind nur Platten, die ich auch damals schon hörte. Natürlich gehörte dazu auch “Relationship of Command” von At The Drive-In, über das ich nun aber wirklich nichts mehr schreiben muss. Erst später hinzu kamen:

Im Weiteren wurde das Jahr 2000 davon geprägt, dass ich weiterhin das Schlagzeugspielen lernte, die Gitarre meiner Schwester klammheimlich aber interessanter fand. Ich besuchte die Oberstufe und durfte plötzlich Chemie und Physik abwählen, ich holte mir (rein zufälligerweise) meine erste schlagzeuginduzierte Sehnenscheidenentzündung pünktlich zur Bodenturnen-Episode im Sportunterricht ab, mein Notenschnitt ging weiter in den Keller. Ich verliebte mich mal wieder (und sicher eher im zweistelligen Male) ebenso unsterblich wie unglücklich, ich spielte Half-Life und fand Counter-Strike langweilig, ich bekam ein neues Fahrrad und bemerkte nicht, dass 2000 eigentlich ziemlich lahm war. 2001 sollte da schon besser werden.

Kommentare

One Kommentar zu “Das Jahrzehnt in Stichpunkten: 2000”

  1. Tine am November 2nd, 2009 10:25 pm

    Du. Bist jetzt mit deinem Blog in meiner Lese-Liste.

    Herzlichen Glückwunsch. ^^

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