Festival 2.0

An diesem Wochenende findet im englischen Donington das Download Festival statt. Das hat für mich nur deswegen Relevanz, weil es einen Livestream zahlreicher Konzerte anbietet. Gestern gab es unter anderem Billy Talent, Limp Bizkit, Korn und die wiedervereinigten Faith No More zu sehen, heute zunächst Hatebreed und dann Down, die beide selbst am Monitor noch großartig waren. Später am Abend gibt es noch den Auftritt von Slipknot, morgen ist dann offenbar Rentnertag mit Dream Theater, Whitesnake und Def Leppard.

Ich habe wirklich lange gegooglet und diverse Wikipedia-Sprachausgaben konsultiert, aber keine wirklich relevanten Informationen über das Download Festival herausgefunden. In meinem rudimentären Halbwissen meine ich mich zu erinnern, dass das Konzept mal war, recht kurzfristig nach dem Konzert Mitschnitte zu verkaufen. Das scheint nicht (mehr) so zu sein, sonst hätte ich jetzt schon meine Kreditkarte rausgesucht, um das Down-Konzert zu erwerben.

Trotzdem macht das Download Festival einiges richtig.¹  Das fängt beim ungewöhnlich stabil funktionierenden und qualitativ hochwertigen Stream an, den man ohne vorherige Registrierung oder so ein Gedöns nutzen kann.Die FAQ-Seite ist mehr als umfangreich und gut sortiert, es gibt ein Download-Radio, das über das Wochenende auf dem Festival-Gelände sendet und clevere Geschäftsideen wie die Möglichkeit, per SMS Botschaften auf die Bühnenleinwände zu schicken.

Am Besten finde ich aber das Forum. Bei Hurricane und Southside kann es schonmal vorkommen, dass ein ominöser Marc von FKP Scorpio vorbeiguckt und erzählt, dass bald neue Bandbestätigungen kommen. Ansonsten ist man dort unter sich und manche User suchen mit rührender Mühe einschlägige Tourseiten nach möglichen und einseitig bestätigten Bands ab.

Beim Download Festival gibt es echte Interaktion. Es gibt Blogs der Macher (also der Veranstalter und Booker), es gibt regelmäßige Forenposts und: Es gibt Fragen der Macher an die User, die über ein pures “Wird dieses Festival das beste aller Zeiten?” hinausgehen. Offenbar ist man wirklich interessiert an der Meinung der einfachen Festivalgänger was das Gelände, die Bühnen, die Lautstärke und das Essen angeht. Das Größte an Mitwirkung, was ich bislang auf deutschen Festivals miterleben durfte, waren die einschlägigen Onlinevotings, mit denen eine Nachwuchsband freitags um 12 auf der Main Stage vor 20 Leuten spielen durfte. Was bedeutete: Die Band, die die meisten Freunde motivieren konnte, gewann.

Ich weiß nicht ob es am fortschreitenden Alter meinerseits und somit auch meiner Freunde liegt, aber es gibt meiner Erfahrung nach immer mehr Unzufriedenheit ob der Line-Ups von Festivals. Vielleicht auch wegen der abstrus gestiegenen Kosten igeln sich die Veranstalter umso mehr ein, was man in Haldern sehen kann – da blockte man letztes Jahr jegliche Kritik ab und bestätigte den zugkräftigen Headliner Maximo Park erst, als alle Tickets weg waren.

Aber gerade für kleine Festivals könnte das doch eine Möglichkeit sein, sich hervorzutun: Indem man transparent ist wo es nur geht und sich den Vorschlägen öffnet. Ich will nicht sagen, dass das bislang nicht so ist, aber es wird nicht kommuniziert. Gut möglich, dass die Halderner in ihrem Stammtisch mitlesen, die Immergutler im Forum rumgucken, aber es merkt doch keiner. Und wenn doch, gibt es einsilbige Kommentare. Diese Möglichkeit der Kommunikation auf gleicher Ebene ist doch das, was Twitter gerade so attraktiv macht (wo das Download Festival übrigens auch vertreten ist).

¹ Wir können gerne eine Qualitätsdebatte über das Line-Up starten, für mich sind da aber einige Schätze bei. Karma To Burn zum Beispiel.

Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker

Nein, dieses ganze “Die da oben tun nur so als ob wir eine Wahl hätten” ist absolut nicht meins. Wenn ich aber höre, dass in manchen Wahllokalen in Bonn nur Bleistifte zum Ankreuzen bereitliegen, und wenn ich untenstehendes Schild an meinem Wahllokal so schlampig aufgehängt sehe dass es zumindest missverständlich ist, dann ärgere ich mich einfach über die Sorglosigkeit der Beauftragten, die die Glaubwürdigkeit der Demokratie gewährleisten sollen.

wahl