Geschichte erleben
Man liest die Akte, sie sieht fast aus wie ein normales Schreiben von jedem Amt, etwas älter vielleicht, die Sprache, die Wörter, alles kennt man von heute. Und dann rechts unten ein kleiner Vermerk
Über den Josef S. ist wegen des Verdachts staatsfeindlich (sic) Betätigung die Postkontrolle über alle Briefsendungen bis zum 1. 3. 1941 notwendig.
Ach, Opa.
Ad Placement Fail

Pro Cons
Kurze Meldung zwischen Büchern: Die Constantines (Hören! Sofort! Alle!) haben einen Freund namens Jeremy Jansen, der zufälligerweise ziemlich gut fotografiert und mit der Band auf Tour war. Einen Bildband gibt es davon, aber mindestens ebenso toll zu sehen ist sein Photoblog.
Kurz gemeckert (1)
Warum nicht eigentlich zumindest noch eine andere Person das lesen lassen, was man danach auf der Homepage eines großen Sportmagazins veröffentlicht?
Epp betonte, dass der Torwart sieben Knochenbrüche im Ober- und Unterkiefer erlitt und alle Zähne verlor.
[Wortspiel mit Weit]
Ich machs kurz: Es gibt Anzeichen für eine Wiedervereinigung von Far, unter dem Namen Hot Little Pony. Und wäre das nicht schon fantastisch genug, gibt es auf der offiziellen MySpace-Seite schon eine großartige Coverversion des Ginuwine-Hits “Pony:
Lesen: Oktober 2008 (1)
Franz-Josef Albersmeier (Hrsg.), Texte zur Theorie des Films, Reclam Verlag Stuttgart, 2003
Daniel Stemmrich, Die Siedlung als Programm, Olms Verlag Hildesheim/New York, 1981
Werner Goez, Kirchenreform und Investiturstreit 90-1122, Verlag W. Kohlhammer, 2000
Egon Boshof, Die Salier, Verlag W. Kohlhammer 2008
Man merkt, das Semester geht los
Gruppendynamik
Gestern habe ich den Sportteil wieder gestartet. Hauptsächlich geschuldet war das den Umständen, dass ich erstens hier bei hellojed. immer häufiger über Fußball bloggen wollte und zweitens die Jahresrechnung für die Domain kam. Zeit also, dass ich mir mal Gedanken machte, warum der erste Anlauf gescheitert ist.
Geplant war, eigentlich schon seit Sommer 2006, eine Seite über Fußball. Wo ich schon etwas Erfahrung mit Onlinemusikmagazinen hatte, dachte ich mir, dass so etwas auf die Beine zu stellen eigentlich ganz spannend sein könnte. Meinem Schweinehund geschuldet war es, dass die ganze Sause erst zum Saisonstart 2006/07 wirklich anfing. Damals scharte ich so um die zehn Leute aus meinem mehr oder weniger persönlichen Umfeld um mich, die “die Redaktion” bilden sollten. Ehrlich wie sie alle waren, traute sich im Vorfeld kaum einer zu mit einer echten Regelmäßigkeit zum Blog beizutragen, und so geriet schon die erste Rubrik “Wo landet mein Verein” mit einer Saisonvorschau zum Wettlauf mit der Zeit, möglichst vor den ersten Spielen der Clubs online zu gehen.
Dennoch ging alles seinen guten Gang. In den ersten Wochen hatten wir fast täglich Artikel, wenn auch meist von mir, online zu stellen, zwischendurch aber immer wieder ganz hervorragende Beiträge von Anderen, wohingegen sich einige schon nach dem ersten Beitrag wieder passiv verabschiedet hatten.
Ab Anfang November dann war ich alleine, und mir entglitt jegliche Motivation. Artikel stellten sich fast nur noch im Zweiwochentakt ein, was vielleicht auch mit dem damaligen sportlichen Abschneiden des 1. FC Köln zu tun hatte. Am 2. Februar gab es noch ein halbgares Bilderlink-Posting, und dann war Ende. Ich hatte keine Lust mehr, offensichtlich auch kein anderer so richtig, und ich hatte keine Lust mehr anderen Leuten hinterherzulaufen, die natürlich auch nicht sonderlich viel Zeit hatten.
Das klingt jetzt einigermaßen verbittert, soll es aber gar nicht. Es war eine gute Erfahrung, so ein Scheitern mal mitgekriegt zu haben, und mit etwas zeitlichem Abstand kann man auch einige Gründe herausarbeiten
1. Ein Onlinemusikmagazin funktioniert aufgrund der Möglichkeit Gratis-CDs zu bekommen, auf Gästelisten zu landen seine Lieblingsbands zu interviewen. Wenn es schon kein Geld gibt, dann doch eine anders geartete Entlohnung. Mit einem Fußballblog ist das nicht zu machen, weil die Grenze zwischen Spitzenfußball (akkreditiert keine Blogs wegen begrenzter Reichweite und Relevanz) und niederklassigem Fußball (akkreditiert keine Blogs wegen nichtexistenter regionaler Relevanz und sowieso begrenztem Budget) ziemlich abrupt verläuft.
2. Ein Onlinemagazin nur mit Freunden zu organisieren funktioniert zumindest für mich nicht sonderlich gut, weil ich nicht fähig bin, auch mal laut dazwischenzuhauen, wenn es nicht läuft.
3. Ein meinungsbasiertes Blog funktioniert schwer, weil es keine “natürlichen” Deadlines wie Veröffentlichungsdaten gibt.
Was bleibt mir also übrig? Sportteil.net hat ein neues, simples Template bekommen, es gibt Beiträge, ein Impressum, eine Blogroll und Kategorien, und das war es. Keine Redaktion, kein Team, keine als Rubriken angekündigten Rubriken, sondern nur Beiträge, erstmal von mir, aber dann auch gerne von jedem, der sich bei mir meldet. Alles frei, keiner wird auf irgendetwas festgenagelt. Und dann würde ich mich freuen, wenn abseits von den ganzen deutschen Fußballblogs mit der Zeit etwas entstehen würde, in dem man sachlich diskutieren kann und wo es nicht nur um YouTube-Links zu den lustigsten Eigentoren geht oder wo man Montag mittags die Spieltagsergebnisse postet. Wir werden sehen, ich bin gespannt.
Deutschlandtour
Am Peenestrom, am Peenestrom,
da liegt ein Wrack aus Holz und Stein,
seit fünf mal hundert gleichen Jahrn,
die alte Stadt Lassan.
Wolf Biermann – Ballade von der alten Stadt Lassan
Ich kann jeden Menschen verstehen, der gerne Urlaub im Süden macht, irgendwann im Sommer, Juni, Juli, August, was die Sommerferien halt gerade hergebene. Ich war 2001 mal in Südfrankreich an der Atlantikküste, Ende Juli war das, als Carlo Giuliani in Genua erschossen wurde. Es war schön damals, ich habe nette Leute kennengelernt, aber soll ich mich an besondere Momente erinnern, fällt mir nur der eine ein, an dem nachts eine Fledermaus durch unser Strandfeuer flog und tot vor unseren Füßen landete.
Geht es dagegen um meine Reisen nach Olofström und Tälningen in Schweden, nach Bornholm und Langerhuse in Dänemark, dann bleiben mir echte Erinnerungen vorhanden. Ebenso war es in diesem Jahr in Lassan, da bin ich mir schon jetzt, einige Tage später, sicher.
Lassan liegt in Ostvorpommern, das genauso leer ist wie sein Name klingt. Es liegt am Peenebodden, das ist das Stückchen Wasser zwischen Festland und Usedom und ist eine alte Hafenstadt – Stadt, obwohl es nur 1384 Einwohner hat. Und zu allem Vorteil hat mein Onkel sich dort vor einigen Jahren ein altes Haus unweit vom Wasser gekauft und mit viel Herzblut renoviert, das wir nun unentgeltlich für eineinhalb Wochen nutzen konnten.
Lassan besteht zum großen Teil aus zwei Straßen, die zum Hafen führen, und an denen sich vor hundert und mehr Jahren kleine, bunte Häuser angesiedelt haben, die beschlossen haben zu bleiben und das Auge zu erfreuen. Dazu gibt es einen kleinen Marktplatz, auf den ungefähr acht Autos passen, und an dessen beiden Enden jeweils Edeka-Supermärkte zu finden sind. In Lassan fühlt man sich in seine Kindheit zurückversetzt – ärgert man sich zuhause noch, wenn man nach 22 Uhr für ein Bier zur teuren Tankstelle gehen muss, sitzt man hier nach 18 Uhr völlig auf dem Trockenen, ganz zu schweigen von der zweieinhalbstündigen Mittagspause der Supermärkte.
Touristisch, man mag es kaum sagen, hat Lassan nichts zu bieten. Klar, es gibt die alte Mühle, in Teilen aus dem 13. Jahrhundert, es gibt die zahlreichen fein verzierten und denkmalgeschützten Haustüren und die alte Kirche, aber ganz ehrlich: Sehen muss man das nicht. Man kann sich auch einfach an den Hafen setzen, den Booten, Fischen und Schwänen zugucken, man kann mit dem Auto durch die Gegend fahren und sich an der schlichten Schönheit am Straßenrand erfreuen, man kann durch noch kleinere Randdörfer schlendern und von Anwohnern frische Eier zu konkurrenzlosen Preisen kaufen. Überhaupt, die Menschen. Von weitem sehen sie mürrisch aus, halten Blickkontakt, wirken so, wie vielleicht die meisten Deutschen auf Amerikaner wirken. Grüßt man aber oder fragt sie um Rat oder Weg, blühen sie auf, sprechen einen zauberhaften Akzent zwischen Hanseatischem und Preußisch, mit einem so charmant unaufdringlich rollenden R, wie es nur möglich ist. Und sie helfen immer, wenn sie können. Das führt in manchen Fällen wie dem des in der Wohnung unter uns wohnenden über achtzigjährigen Ehepaars zu einer Art Wettlauf – für gepflückte Äpfel von uns gab es Sekt von ihnen, für von uns gebackenen Apfelkuchen gab es am Abreisetag ebensolchen.
Wie schon gesagt, es ist nicht weit nach Usedom – knappe 30 Kilometer sind es bis zum nächsten Seebad in Zinnowitz. Auch Mitte September ist die Ostsee noch nicht unbebadebar, zudem gibt es auf den Dünen die weltbesten Quarkkeulchen für 3€ pro 10 Stück. Wen es zu gefälschten Markenklamotten zieht, der fährt nach Swinemünde und kauft dort billig ein – kontrolliert werden von Zöllnern fast ausschließlich Rentner. Ohne Auto sollte man nicht nach Lassan kommen, der Bus fährt ungefähr vier Mal am Tag durch den Ort, wendet am Hafen und verschwindet wieder. Wer aber etwas Zeit mitbringt, bekommt umso mehr Ruhe und, mittlerweile fast vergessen, Muße von Lassan. Es ist auch nicht weit bis zum wirklich schönen Greifswald (ca 30 Minuten) und zum noch schöneren Stralsund (ca 1 Stunde). Ersparen kann man sich Rügen, selten bin ich so enttäuscht worden wie von dieser inselgewordenen Kitschsammlung.
Seit zwei Wochen bin ich wieder in Bonn. Langsam beginnen die Erinnerungen zu schwinden, aber das gute Gefühl bleibt, wieder dorthin zu wollen. Vielleicht schon nächstes Jahr.
In Lassan gibt es viele Zimmer- und Ferienwohnungsvermietungen. Eine empfehlenswerte Anlaufstelle ist die Ackerbürgerei.