Gedanken zum EM-Finale 1996
Das EM-Finale läuft gerade in voller Länge auf EinsFestival, gleich wird Oliver Bierhoff das 2:1 schießen. Aber: Wie schön ist es, dass Bela Rethy nebenbei erwähnt, dass Fortuna Düsseldorf am tschechischen Jungspund Pavel Nedved interessiert ist? Und wie geil ist es, dass René Schneider mit 52 Bundesliga- und einem Länderspiel Europameister, Champions League- und Weltpokalsieger ist?
Till you pass out
Man denkt sich nichts, surft morgens heiter durch das Internet, und dann kommt Tobi an und verschafft einem einen frischen Suchtfaktor. Ich kann nicht mehr anders. Es läuft seit einer Stunde durchgehend. Für euch:
3Oh!3 – Holler till you pass out:
“Es brennt!”, schrie der Clown

Jedes Mal, wenn ich dieses Plakat sehe, frage ich mich, ob die Dinosaurier das überhaupt geglaubt hätten.
Englisch für Mediokre
Schöner als die BBC kann man es nicht ausdrücken:
Who’s the guilty dutch bench warmer?
Anlass:
Splitter (7)
Bin ich eigentlich der einzige, der bei solchen Meldungen und den dazugehörenden Bildern immer wieder an die ähnlich lautenden Meldungen mit Osama bin Laden denkt? Und bin ich der einzige, der sich zumindest vorstellen kann dass von beiden riesige Archive mit Kurzvideonachrichten bestehen, die auch im Falle eines Ablebens ein Weiterleben vorgaukeln können, inklusive “Man sagt ich wäre tot”-Dementis?
Englische Seifenblasen
Man kann viel über Woody Allen sagen, aber nicht dass er ein proletarischer Filmemacher ist. Umso weniger nachvollziehbar ist, warum er mit seinem nun in Deutschland angelaufenen Film “Cassandra’s Dream” genau in dieses Milieu englischer Arbeiterklasse abtauchte.
Oberflächlich geht es um zwei Brüder, gespielt von Colin Farrell und Ewan McGregor, die von ihrem Onkel beauftragt werden, einen ihm missliebigen Mitarbeiter umzubringen. So weit, so gut. Das Problem: Woody Allen hat in letzter Zeit sehr viele Filme gemacht, mit Match Point sogar einen sehr sehr ähnlichen. Und: Cassandras Dream dauert 108 Minuten, was mindestens 20 zu viel sind – eigentlich hätte man die Story auch gut in einem Kurzfilm unterbringen können.
Interessant am Film sind eigentlich nur zwei Dinge: McGregors wahnsinnig gute Leistung in diesem Film und en Detail, wie sich Woody Allen Arbeiterklasse vorstellt – Nicht nur die auf die Rente zugehenden Eltern haben Tapeten aus den 70ern, auch die Jungs in ihren Häusern, wo jeder immer raucht, Whiskey trinkt und Codein aus dubiosen Quellen kauft, wo Hände ständig Schwielen haben und ein Hemd ohne Ölfleck nicht getragen werden kann. Man merkt vielen Einstellungen an, dass Allen eine unterhaltsame Milieustudie vortragen wollte, letzten Endes verharrt er aber im Klischee.
Zudem braucht der Film lang. Sehr lang. Man könnte ihn in fünf klassische Akte unterteilen, und jeder dieser Akte ist zu lang. Verharrt in längst ausgespielten, abgefilmten Szenen, baut Füllmaterial ein, schweift ab und verwirrt. Dazu kommt die völlig aus- und aufgereizte Rolle der Schauspielerin Angela, gespielt von Hayley Atwell, der man in jeder Faser anmerkt, dass eigentlich Scarlett Johansson für die Rolle vorgesehen war, mit vollen Lippen, viel Brust und dieser unnachahmlichen Distanz, die sie derzeit für Hollywood so überhypet macht.
Der Film hat weder Atmosphäre noch Witz – der einzige echte Moment emotionaler Rührung ist die schon fast slapstickhafte Minute gegen Mitte des Films, in der in jeder einzelnen Einstellung von oben das Mikrofon ins Bild ragt. Reichen tut das nicht – wenn Allen jedoch weiterhin solche Filme macht, sollte er sich überlegen, dieses Stilmittel in sein dauerhaftes Repertoire aufzunehmen.
Die emanzipierte Emotionsfalle
Es gibt derzeit kaum jemanden, der mich so mit Fremdscham erfüllt wie Cathrin Gilbert (23), Sportjournalistin von Spiegel Online und derzeit in Tenoro und sonst überall, wo die deutsche Nationalmannschaft am Start ist.
Diese Frau ist von der Bild-Zeitung, wo sie schon zeigte, was sie von journalistischer Sorgfalt hält, zu SpOn gewechselt, und hat nun im Laufe der EM schon einiges an Grütze erzählt.
Da wäre zum einen der völlig punkt- und pointenlose Artikel über Lukas Podolski, in dem nicht einmal seine bei Bayern nun wirklich pomadigen Leistungen erwähnt werden – letzten Endes geht es dort nur darum, dass er nicht an Ribery und Toni vorbeikommt – obwohl er genauso viel Ablöse wie letzterer gekostet hat.
Dann erschien ein Artikel zum Thema Teambuilding, in dem Gilbert offenbart, wie sie sich guten Teamgeist vorstellt: Ein bisschen Bogenschießen und viel Konkurrenzkampf – dabei beweint sie das erste Mal die Nichtnominierung von Marko Marin und erzählt allen Ernstes, dass kein Spieler außer denen im offensiven Mittelfeld um seinen Stammplatz hätte fürchten müssen. Sie ist doch schon vor Ort, warum fragt sie nicht mal Löw-Dauerspieler Thomas Hitzlsperger, den bisher nicht zum Zug gekommenen Oliver Neuville, den so hochgelobten Arne Friedrich?
Was sie zum Thema “Nationalelf ohne Ballack” zu sagen hat – geschenkt. Keine einzige Erwähnung der dennoch guten deutschen Leistungen während der langen Verletzung des Kapitäns.
Und jetzt sieht Gilbert “Löw in der Angstfalle“. Ja, wenns weiter nichts ist. Heute mittag in der DFB-Pressekonferenz konnte man jedenfalls live miterleben, wie unsicher und ungezielt sie im Fußball der Großen herumstochert. Ob Löw nicht jetzt doch Marko Marin nachtrauere, der gestern bestimmt besser gespielt hätte als David Odonkor? Von allen Suggestivfragen dieses Tages, und es gab viele, war dies die bei weitem Irrelevanteste. Und was backt man sich dann daraus für die Onlineausgabe des Spiegels?
Aber wäre der Dribble-Künstler Marin nicht der richtige Mann gewesen, dem Spiel gegen Kroatien den geforderten Stempel aufzusetzen? “Wir müssen jetzt mit den 23 Spielern planen, die wir mitgenommen haben”, sagt Löw.
Löw hat noch einiges mehr zu diesem Thema, wie auch zu allen anderen Fragen, gesagt. Sehr viel Kluges. Das würde aber nicht zur Angstfalle passen.
Regelschmerzen
Mal ehrlich: Wenn diese Regel, die gestern zum 1:0 gegen Italien führte, nicht da wäre, dann hätte Otto Rehhagel doch längst einen spielfeldfreien Libero eingeführt, der hinter der Torauslinie wartet und, wenn doch mal ein Spieler in den Rücken der griechischen Abwehr kommt, aufs Feld sprintet und den Stürmer stellt. Wozu die Aufregung?
Hauptsache Klicks
Ich wage jetzt ein kleines Experiment: Bei Bild.de gibt es einen Artikel zum “Sex-Skandal um das schöne Topmodel“, ich hätte das ganze eher “Riesenwirbel um 15-Minuten-Bohne Gina-Lisa” genannt, aber gut. Jedenfalls gibt es da Sex- und Nacktfoto-Snippets aus einem angeblichen Einbruch bei ihrem Ex-Freund. Und jetzt sollte ich genug Stichworte haben. Mal sehen, wie demnächst meine Suchmaschinenstatistiken aussehen.
EM-Splitter (1)
Lieber Johannes B.,
in den letzten beiden Tagen hast du mehrfach betont, gar nicht über die “geschmacklose Hetze” der Polen reden zu wollen, aber du hast es trotzdem getan. Zu viele Worte wurden darauf verschwendet, das Wichtigste hast du aber vergessen: Ausgangspunkt dieser Posse war das polnische Axel-Springer-Blatt FAKT, aufgenommen wurde der Spielball gerne vom Axel-Springer-Blatt BILD. Aber wer weiß, vielleicht hätte dein ZDF eine solche Anmerkung nicht so gut gefunden.