Trans Germany

Diese Woche ist anstrengend, und es wird noch schlimmer. Ab morgen melde ich mich bis mindestens Sonntag ab, werde in der Zeit von Bonn nach Wesel, Wesel nach Bonn, Bonn nach Leipzig, Leipzig nach Bremen, Bremen nach Wesel, Wesel nach Bonn fahren, alles mit dem Auto. Dazwischen liegt dann eine Wohnungseinrichtung und eine Hochzeit, nicht meine. Und Sonntag abend dann: Lernen für eine (Probe-)Klausur am Montag, arbeiten an einem Referat für Dienstag.

Für euch noch ein Video, ratet mal von welcher Band:

Politically Invisible

Mag sein, dass das schon mal irgendwo thematisiert wurde, aber wer ist eigentlich der im Weißen versteckte Typ in den Mediadaten von Politically Incorrect?

Screenshot

Aliens-in-Duisburg-Blair-Witch 2.0

Mag sein, dass ich mich jetzt promotechnisch in etwas hereinziehen lasse, das ich gar nicht unterstützen will. Allerdings hat mir die Recherche zuviel Freude gemacht, um davon abzulassen.

Über das gulli:board wurde ich aufmerksam auf die sogenannten Eylandt-Briefe und den dazugehörigen Film, dessen Trailer man bei YouTube ansehen kann.

Eine ganz kurze Zusammenfassung: Ein Anwalt namens William Singer aus New York bekommt Briefe seiner Tante Josefine Eylandt in die Hände, in denen diese behauptet, nach der Bombardierung Duisburgs im zweiten Weltkrieg drei Gestalten die “nicht von unserer Welt stammen”über 60 Jahre in ihrem Keller versteckt zu haben, die dann für den großen Stromausfall in weiten Teilen Europas 2006 verantwortlich gewesen sein sollen.

Ganz ehrlich: Allein diese, bis jetzt bekannte, Handlung und der Trailer lassen schon keine andere Vermutung zu, als dass sich hier auch mal deutsche Filmemacher an virales Web-Marketing a la Lost, Heroes und Cloverfield herangewagt haben. Aber jetzt war ich schon einmal dran, also konnte ich auch weitersuchen.

Also: Grundsätzlich gibt es fünf Internetquellen zum “Fall Eylandt”, wie ich das jetzt einfach mal nennen möchte.

eylandt.de: Die offizielle Seite zum Film
eylandt.info: Eine Weiterleitung auf die Amazon-Seite des Buches zum Fall von Werner Szymczak
karsten-vuellings.de: Die Seite eines Duisburger Lokalreporters und FDP-Ortspolitikers, der sich mit dem Fall beschäftigt
frederickfordfoundation.org: Abschrift der drei Briefe von Josefine Eylandt
eylandtbriefe.blog.de: Blog einer Charlotte Niedermayer aus Kempen zum Thema

Auf der offiziellen Seite des Films ist der Trailer zu sehen, zudem gibt es ein faktenmäßig ziemlich knapp gehaltenes Produktionstagebuch, in dem aber eine “Bloggerin” erwähnt wird, ziemlich sicher jene Charlotte Niedermayer, zu der ich später kommen werde.

Kernstück des Falls sind die drei Briefe, in denen Josefine Eylandt an ihren Cousin Artur Singer schreibt und ihm gesteht, diese Gestalten in ihren Keller gebracht zu haben. Einer unglücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass a) die Briefe nicht vollständig erhalten sind, weil das Haus in dem sie lagerten abbrannte und b) die Veröffentlichung der Originale und auch des Inhalts des letzten Briefes von 1994 angeblich von einem New Yorker Gericht verboten wurde. Jedenfalls lagern die Abschriften auf dem Server der Frederick Ford-Foundation, die, so es der Zufall will, auf ihrer Hauptseite nur einen mageren Verweis auf “Reconstruction” zeigt – zudem gibt es zur Frederick-Ford-Foundation bei Google ganze fünf Treffer, die alle mit dem Eylandt-Fall zu tun haben – irgendwie unrealistisch.

Kommen wir nun zu Karsten Vüllings. Der ist offenbar eine ganz echte Person, ein Duisburger Lokalpolitiker und Redakteur der “Heimatzeitung Echo West“. Dieser berichtet in drei kurzen Beiträgen über den Fall Eylandt und seine Mitarbeit an dem Film.

Bei Vüllings wie auch auf der offiziellen Filmhomepage wird, eher beiläufig, unter dem Eindruck, dass es sich um nichts dem Filmprojekt Zugehöriges handeln würde, das Buch “Die Briefe der Josefine Eylandt” von Werner Szymczak erwähnt. Dieses ist im BOD-Verlag erschienen, also ein Book on demand, das immer dann nachgedruckt wird, wenn es bestellt wurde. Laut Selbstbeschreibung ist der Autor ein in Santa Monica lebender “Autor und Geschichtsforscher” und ein “ausgewiesener Kenner des 2. Weltkriegs”. Blöd nur: Von dem Herrn gibt es in der Deutschen Nationalbibliothek nur ein einziges Buch, und das ist besagte Eylandt-Untersuchung. Zudem fungiert als Herausgeber (und als Eigner der Domain eylandt.info) der Produzent des Films, Michael Driesch.

Die ausführlichste Quelle ist der Blog von Charlotte Niedermayer aus Kempen, überflüssig zu erwähnen, dass telefonbuch.de niemanden dieses Namens in Kempen kennt. Doch es wird noch merkwürdiger:
In einem ausführlichen Beitrag schreibt “CharlieN” alles, was sie bisher herausgefunden haben möchte, aus einem scheinbar unparteiischen Standpunkt heraus – sie will recherchiert haben. Und doch kann man Punkt für Punkt anhand der Fakten zerfleddern.

Auch der im Trailer zu dem Film erwähnte Luftangriff auf Duisburg am 14. Oktober 1944 hat stattgefunden.

Ja, hat er. Aber was soll das beweisen?

Auch der erwähnte Stromausfall am 4. November 2006 ist wahr

Ja natürlich. Wir waren doch alle dabei. Aber auch hier: Was soll das beweisen? Ein Kommentar aus dem Onlineangebot der Zeit bezweifelt die offiziellen Gründe, will aber weniger auf Aliens oder was auch immer heraus, sondern eher in Richtung eines mangelhaften Netzaufbaus.

Einen Anwalt namens William Singer gibt es in New York ebenfalls, und zwar bei der Anwaltskanzlei Stark & Stark.

Nein. Es gibt einen Bill Singer bei Stark&Stark. Kein William würde sich auf der offiziellen Seite seiner Anwaltskanzlei “Bill” nennen lassen.

Eine amerikanische Kommilitonin von mir, Jane Bostman, mit der ich mich über die Briefe unterhalten habe, sagte mir, dass sie meine, sich erinnern zu können, vor einigen Jahren in einer Zeitung in Hoboken (das liegt direkt neben Manhattan, dort wohnt sie) etwas über eine verschwundene ältere Deutsche gelesen hat – sie kann sich aber nicht mehr erinnern, ob die Frau Josefine Eylandt hieß. Sie ist ab März wieder zuhause und will dann dort im Archiv mal nachschauen. Ich bin gespannt. UPDATE (25.3.08): Es gibt einen, allerdings aus dem Jahr 1995, in der tatsächlich eine Meldung über das Verschwinden von Josefine Eylandt zu finden ist. Ein kleiner, einspaltiger Bericht, den Jane netterweise hier als scan online gestellt hat!

Natürlich findet sich kein fallfremder Googletreffer zu einer Jane Bostman. Natürlich führt der Link zu dem Scan auf eine 404-Fehlerseite der Boston University. Und wie realistisch ist es, dass jemand sich nach 13 Jahren an einen kleinen Artikel über eine vermisste alte Dame erinnert?

Den dort benannten Verantwortlichen Doug Canterfield findet man im örtlichen Telefonbuch.

Nein. Es gibt keinen Doug Canterfield in den amerikanischen White Pages.

Und warum sollte der Produzent einer Fakedokumentation sagen, dass es ein Fake ist, wenn das ganze blairwitschmäßig vermarktet werden soll??

Ja, warum wohl??

Dazu möchte Frau Niedermayer demnächst mal nach Duisburg fahren, um herauszufinden, wo Frau Eylandt ihren Friseursalon hatte. Allerdings kann sie das erst, wenn sie beruflich nach Düsseldorf fährt und dann sowieso in der Nähe ist. Merkwürdig: Sie wohnt laut Eigenprofil in Kempen. Ich habe das hier mal von OpenStreetMap genommen:

Ein Link zu einer angeblichen Homepage des angeblichen Autors Werner Szymczak führt – natürlich – wieder ins Nichts, über die Fotos der Eylandt-Briefe kann ich dann irgendwie auch nur noch lachen.

Mein Fazit: Michael Driesch und co haben sich Mühe gegeben, ein stimmiges Bild ins Netz zu setzen, aber noch eine Menge Anfängerfehler gemacht. Immerhin habe ich mich jetzt zwei Stunden mit dem Film beschäftigt, keine Lust ihn mir jemals anzugucken, aber immerhin bei der Recherche etwas Spaß gehabt.

Baustelle

Immer wieder spannend, Wordpress zu bearbeiten, ohne den Funken einer Ahnung von PHP und nur rudimentäre Kenntnisse in HTML zu haben – deswegen ist das hier alles noch provisorisch. Es soll klar und schlicht bleiben, aber ein paar Dinge müssen noch geändert werden – hat jemand ein schöneres Twitter-Plugin? Die Schrift ist mir zu groß, und im Quellcode finde ich keine Style-Angaben.

Zur Freiheit der Meinungsäußerung (2)

Nachdem Lukas alles nochmal schön zusammengefasst hat und der entsprechende Thread im FC-Brett zum jetztigen Zeitpunkt schon 14 Seiten hat, hat sich der Express dem Thema angenommen und eine Reaktion von Christoph Daum bekommen:

Grundsätzlich bin ich ein toleranter und liberaler Mensch. Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Einige, die gleichgeschlechtliche Beziehungen leben.
Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden. Deswegen arbeite ich auch aktiv bei der Organisation Power-Child.

Das besänftigt die, die schon vorher klammheimliche Zustimmung signalisierten – macht die Sache aber nicht besser. Daum vermengt hier Homosexualität und Pädophilie auf eine Art und Weise, dass es für mich unerträglich ist. So nicht, Christoph.

Nachtrag: Die Daum-Verteidigungslinie in Foren und Blogs scheint zu sein, auf die Meinungsfreiheit im Grundgesetz zu verweisen. Die kennt aber Einschränkungen, zum Beispiel im Recht der persönlichen Ehre. Ich möchte den sehen, der sich nicht als ehrgekränkt bezeichnet, wenn er ohne Anlass in die Pädophilie-Ecke gesteckt wird.

Nachtrag 2: Wenn jetzt Stern online titelt “Daum macht gegen Schwule mobil“, finde ich das allerdings schon wieder reichlich dämlich und der Sache nicht angemessen.

Zur Freiheit der Meinungsäußerung

Kaum ist der Trainerkrimi vorbei, gibt es neue Unruhe beim 1. FC Köln. Bei Queer.de ist unter Bezugnahme auf fussball-kultur.org zu lesen, wie sich in einer am 28. Mai auszustrahlenden DSF-Doku zum Thema “Fußball und Homosexualität” Trainer Christoph Daum äußert:

„Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegen treten, dass gerade die, die sich um diese Kinder kümmern, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen. Und ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.“

So weit, so schlimm. Daum sieht von Homosexuellen ausgehend eine Gefahr für die Jugend – rückt also den Schwulen per se in die pädophile Ecke. Ich bin gespannt, was da demnächst noch an Dementi, Relativierungen und Rücktrittsforderungen kommt.

Was mich aber ebenso erschüttert sind die Reaktionen im offiziellen Vereinsforum – dort wird der der Fußballagitation nun sicher unverdächtigen Queer-Seite unterstellt, Unruhe in den Verein bringen zu wollen, es wird von normaler Meinungsäußerung geredet, davon dass Toleranz auch die Toleranz gegenüber den Andersdenkenden ist, und ab und an platzt richtige Homophobie heraus.

So schreibt “fcfan44″, 60 Postings:

warum versuchen hier einige schmutz auf CD zu werfen.
der mann ist wegen seiner geschichte geläutert und verdient nicht von einigen lederhosen verunglimpft zu werden.

ich mag übrigens auch keine tucken!

Palmeser, 324 Beiträge:

Ich glaube es geht ,darum,dass Schwule ihre Sexualität in der Öffentlichkeit zeigen.
Würden die Heteros einen CSD machen ,was wäre da los.Alle würden sich empören.Hier geht es sich um den Verfall der Werte und das verkörpern Homos über den Ausdruck der Sexualität.
Steht auf jeden Fall in einer Liga mit Drogen und Gewalt.Und hat auch nix mit Diskrinination zu tun ,worauf Homos gerne aufspringen.

Mettbrötchen, 798 Beiträge:

Political Correctness ist auch eine Form von Faschismus.

Manager78, 2876 Beiträge:

Daum spricht das aus, was Millionen in Deutschland und weltweit Milliarden denken und fühlen.

Barmer Jong, 24 Beiträge:

Es kann ja nicht jeder ein Freund der Homosexualität sein. Ein Fan bin ich auch nicht gerade.

und nochmal:

Es ist doch wohl mein Recht zu sagen, dass ich mit Homosexualität nichts anfangen kann!?

Ein Anekdötchen:

An einer Ampel stehen 2 Schwule, eine Grundschulklasse samt Lehrerinnen, meine Freundin und ich. Die beiden hatten nichts anderes zu tun, als sich mit Zungenküsse zu liebkosen. Kann man das nicht zu Hause machen? Als die Lehrerin sagte, dass sie das nicht toll findet, dies vor den Kindern zu praktizieren, wurde sie von den beiden auch noch beschimpft. Zum Glück wurde es Grün.

Für Homosexualität kann man nichts, aber die Mehrheit der Männer finden es nunmal ekelhaft. Was man privat macht, geht mich nichts an und ist mir auch egal, auch bei Schwulen, aber in der Öffentlichkeit muss das nicht sein.

und nochmal:

Männer finden lesbische Frauen immer erotisch, wenn sie nicht zu burschikos sind. Ist zwar im Prinzip das gleiche, aber da Männer nunmal Männer sind und Homosexualität unter Männern nicht normal ist, assozieren Männer nunmal Abscheu. Ich hab noch nie nen Hetero sagen hören: Schwulenpornos sind geil. Bei Lesbenpornos ist die Sachlage anders

Ich würde das gerne abtun als Idioten. Aber das sind die Leute, mit denen ich vor fast zwei Wochen jubelnd über die Zülpicher Straße gezogen bin. Verdammt.

Humor

an sich ist ja so eine Sache – ich bekomme für meinen irgendwie auch gerne mal einen drauf. In meiner Selbsttherapie, mir das egal sein zu lassen folgt nun der nächste Schritt: Oben rechts finden sie von nun an zufällig ausgewählte Zitate der aus Funk und Fernsehen bekannten Rapmusikgruppe K.I.Z.

Sternstunden des Journalismus (1)

Christoph Daum hat für heute seine Entscheidung über den Verbleib beim 1. FC Köln angekündigt. Was ist da also für den Express am Naheliegendsten? Genau! Ein Liveticker von Daums Villa!

Das Problem: Es passiert so gut wie nichts. Deswegen gibt es Soon-to-be-legendary-Tickereinträge:

14:31 10:15 Uhr Daums Ehefrau Angelica bringt den wartenden Journalisten Kaffee und Hanuta

14:45 11:00 Uhr Eine genervte Nachbarin entfernt das Plakat des FC-Fan-Klubs “Wilde Horde” mit den Worten: “Meine Hecke geht kaputt.” und stopft das Plakat in die Mülltonne

14:47 14:40 Uhr Stille im Hahnwald

15:05 Ein weißer Golf fährt vor. Es ist der Zusteller eines Kölner Anzeigenblattes.

15:06 Er legt die neueste Ausgabe vor den Bronzelöwen an der Haustür.

15:48 Die Haushälterin verlässt die Villa erneut.

15:52 “Ich bin´s nur”, sagt Daums Ehefrau Angelica, steigt ins Auto und braust davon. Es war also nicht die Haushälterin.

16:24 Ein Schatten zeigt sich an der Zwischentür aus Milchglas…

16:24 …kommt jemand heraus?

16:25 Nein! Der Schatten verschwindet wieder.

16:30 Ehefrau Angelica kommt zurück und geht, Sonnenbrille tragend, wieder ins Haus.

16:42 Die zweite Kaffee-Lieferung für die Journalisten…

16:52 Grüße an das EXPRESS.DE-Forum!

17:08 Weiterhin tut sich nichts an der Tür. Das Warten geht weiter.

17:10 Der Daum-Thriller dauert jetzt schon siebeneinhalb Stunden.

Splitter (5)

Selten war ein CDU-Law and Order-Innenminister so ehrlich:

Die Empörung über die Hitler-Shirts hat inzwischen sogar die Landesregierung erreicht. “Hier mangelt es an politischer Bildung und Unkenntnis geschichtlicher Zusammenhänge”, sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU)

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