Buffer Underrun

Da versucht man sich an ernsteren und besser fundierten Themen, um seinen ramponierten Ruf wiederherzustellen und recherchiert im antisemitischen postkommunistischen Milieu rund um Väter von Freundinnen und wird mal wieder von der Wirklichkeit überholt:

Wie Spiegel Online mitteilt, versuchen derzeit diverse malaysische Gruppen, zu verhindern, dass auf der geplanten Marketingtour des FC Chelsea Trainer Avram Grant und Innenverteidiger Tal Ben Haim ins Land gelassen werden, weil sie Israelis sind. Das alleine ist ja schon wieder eine Bezeugung größter Beklopptheit, viel schlimmer finde ich aber eigentlich den kleinen Nebensatz

Malaysias Heimat-Minister hatte im Fall der beiden eine Ausnahme gemacht, üblicherweise werden Israelis nicht in das mehrheitlich muslimische Land gelassen.

Malaysia => Shitlist.

Musikdarwinismus

Eigentlich wurde bei Nerdcore schon alles wichtige zum offenen Brief der Künstler an Frau Merkel gesagt, aber eins noch: Olli Schulz hat mal gesagt, er fände gut am ganze Downloaden, dass irgendwann nur noch die Musik machen, denen das wirklich wichtig ist, und die auch bereit sind, für etwas weniger Geld dem nachzugehen, was ihre Passion ist. Dementsprechend meine spontane Liste von Unterzeichnern, denen ich wünsche, mit etwas anderem als “geistigem Eigentum” ihr Geld zu verdienen:

2raumwohnung, Fatih Akin, BAP, Detlev Buck, Yvonne Catterfeld, Roger Cicero, Culcha Candela, Samy Deluxe, Joy Denalane, Helmut Dietl, DJ Ötzi, Bernd Eichinger, EL*KE, Herbert Grönemeyer, Max Herre, Höhner, Christoph John, Juli, Udo Jürgens, Alexander Klaws, Mickie Krause, Joachim Król, Dieter Thomas Kuhn, LaFee, Udo Lindenberg, Peter Lohmann, Annett Louisan, Peter Maffay, Marquess, Reinhard Mey, MIA., Michael Mittermeyer, Monrose, Oomph!, Reamonn, Revolverheld, Rosenstolz, Jennifer Rostock, Sasha, Schiller, Jörg Schlönvoigt, Barbara Schöneberger, Atze Schröder, Til Schweiger, Scooter, Seeed, Ralph Siegel, Söhne Mannheims, Tokio Hotel, Sönke Wortmann

Wirklich traurig war ich nur darüber, dass Christoph Biermann das unterzeichnet hat, zeigt er doch mit seinen gleichbleibend hochklassigen Onlineartikeln, wie es richtig geht. Ansonsten ist das da oben eine Liste von Bands, Schauspielern und sonstigem Zeug, das sich “Künstler” nennt, mit denen ich in den seltensten Fällen zu tun habe – in Zukunft werde ich sie vollständig meiden. Ist doch kindisch, Kinners. Nebenbei sind das in Sachen Musik zwei Gruppen von Bands: Die einen sind seit Jahren erfolgreich und sollten ihre Schäfchen im Trockenen haben, die anderen sind derart irrelevant, dass sie für P2P geradezu prädestiniert sind – sogar VIVA-Teenies haben genug Verstand um zu merken, dass ihre Marquess-CD in zwei Jahren keinen mehr interessiert. Oder die von Alexander Klaws. Oder Lafee. Oder Culcha Candela. Oder Monrose.

Update: Es geht nicht um Christoph Biermann, den superben Fußballjournalisten, sondern um Christoph Biemann, das Grünpullimodel der Sendung mit der Maus. Der ist mir egal. Immerhin.

Ist ihnen die Frage unangenehm?

Zum Radio1-Interview mit Sebastian Edathy haben andere genug geschrieben. Aber: Kaum einer den ich kannte konnte es hören, weil vernünftigerweise niemand den Real Player installiert hat. Also hier nochmal via YouTube:

Flachlandultras.

Am Hauptbahnhof ist nichts davon zu sehen, dass hier heute der größte Fußballverein der ehemaligen Bundeshauptstadt sein Topspiel veranstaltet. Warum auch, es geht tief hinab in die Oberliga Nordrhein, und es geht nicht gegen den Rivalen aus der nahegelegenen Großstadt, sondern nur gegen dessen zweite Mannschaft; die U23 des 1. FC Köln ist zu Gast beim Bonner SC, und ich bin dabei.

Der Eintrittspreis ist moderat, 7,50 für die Haupttribüne, vier Euro Ermäßigung für die Gegentribüne für Studenten, Rentner und Frauen. Ich habe keine Vergleichsmöglichkeiten für diese Liga, aber ich finde, es sind viele Polizisten am Sportpark Nord. Und viele, vor allem junge, Zuschauer. Die wenigen Alten sind ausnahmslos Bonner, die vielen Jungen zum großen Teil für den FC da. Am Einlass kommt mir Thomas Kessler entgegen – der ist aber nur zu Besuch, auf dem Platz steht er erst ab der Saison 2009/10, dann aber als Torwart der ersten Mannschaft, hoffentlich in der Bundesliga.

Um zur Gegentribüne zu kommen muss man an der Haupttribüne an freundlichen Ordnern vorbei, sich seinen Weg durch die Imbissschlange schlagen und einmal rund um den Platz herum laufen. Allmählich wird mir klar, warum man für diesen Platz nur 4 Euro bezahlen muss: Das gesamte Spiel über werde ich in die direkt über der Haupttribüne stehende Sonne blicken.

Ein paar Jungs, dem Vernehmen nach direkt von der Berufschule nebenan gekommen, machen einen auf Ultras. Sogar von denen gibt es anscheinend zweite Mannschaften. Immerhin sorgen sie für einige Schmunzler, und in Halbzeit 2 feuert einer von ihnen sogar ein Tischfeuerwerk ab. Zehn Minuten vor dem Anpfiff jedenfalls kommt ein Polizist, stellt sich neben mich und sagt in sein Funkgerät “Ich habe die Ultras gefunden”. Er wird sich den Rest des Spiels nicht mehr von diesem Platz wegbewegen.


Das Stadion, das Spiel, die Zuschauer pendeln unentwegt zwischen Champions League und Bundesjugendspielen. Es wird zu Robbie Williams auf den Platz marschiert und artig gewunken, es gibt Rihanna und Micky Krause aus den Lautsprechern und eine Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen Bonner Physiotherapeuten. Als ein farbiger Bonner Spieler an den Ball kommt, gibt es sogar Affenlaute. Es ist alles wie oben. Nur dass man es hier durch das gesamte Stadion hört. Profifußball 2.0: Wir spielen mit Profifußballanspruch, aber hier kann jeder Zuschauer taktische Tipps aufs Feld rufen.

Das Spiel ist furchtbar. Es gibt wahnsinnig wenige Szenen um die Strafräume herum und viel Klein-Klein im Mittelfeld. Oft ist man sich nicht sicher, ob das taktische Konzept jetzt die Verengung des Spielfeldes ist oder die Variante vom Pausenhof früher, wo sich alle im Pulk um den Ball kloppten.


Nach der ersten gelungenen Kombination geht der FC durch Lukas Nottbeck in Führung. Von da an passiert noch weniger.


10 Minuten vor Ende des Spiels wechsele ich meinen Standort und gehe Richtung Haupttribüne. Von dort sehe ich in der 86. Minute das 2:0 durch Marius Laux und damit die Entscheidung. Viel passiert nicht mehr. Die meisten Fans fahren mit dem Fahrrad oder dem Auto vondannen, der Rest passt in einen Bus, der mit Aufklebern umdekoriert wird. Ältere Damen krallen sich reflexhaft an ihre Handtaschen, die Jüngeren, die jetzt ihren Freitagabend begehen wollen, schmunzeln meist eher über “Deutsche Polizisten – Gärtner und Floristen”, “Der BSC trinkt Hansa Pils olé” und ähnliches. Lediglich die zwei Studentinnen, die ich schon mal in der Uni gesehen habe, sind sichtlich genervt. Dabei ist die Busfahrt, wie das gesamte Spiel davor, seltsam blutarm. Um 20:45 Uhr bin ich wieder zuhause. Es wird Zeit, dass wir wieder in die Bundesliga kommen.Die hier gezeigten Fotos größer und noch weitere in den kommenden Tagen in meinem Photoblog

antenne endenich: nur die beste abwechslung der 80er, 90er und vom megamix

Per Popkulturjunkie bin ich auf laut.fm, nicht zu verwechseln mit last.fm, aufmerksam geworden, das ähnlich funktioniert wie MuxTape: Man lädt MP3s hoch (oder nutzt die schon in der Datenbank vorhandene Musik), erstellt eine Playlist und hat schwups ein Internetradio. Der Vorteil gegenüber MuxTape: Hier weiß ich, dass laut.fm den Künstlern über die GEMA Geld zukommen lässt. Jedenfalls bin ich auch in den Genuss eines Anmeldungsschlüssels gekommen und probiere daran derzeit etwas herum – leider kann man sein Radio erst starten, wenn man mindestens eine Stunde Musik zusammen hat, deswegen ist hier auch viel Füllmaterial dabei – bald ändert sich das aber sicher. Insofern erstmal hier: hellojed fm

Kurzer Hinweis

Ich mache übrigens immer noch Fotos

Die Jugend von heute

Nur kurz, aber: In Sachen präziser Fahndungsfotos scheint Deutschland ganz weit vorne:

Hochschulpolitikverdrossenheit

Sollte ich jemanden denken, der mal Spitzenpolitiker wird aus meiner Generation, dann würde ich Nathanael Liminski sagen. Der war vor ein paar Monaten bei Frau Maischberger zu Gast und begegnete den Sexualprovokationen von Lady Bitch Ray mit entschiedener Höflichkeit und gewisser Arroganz. Nebenberuflich studiert er Geschichte, Jura und Politik in Bonn und ist mir somit auch schon einige Male über den Weg gelaufen, hat das komische Jugendnetzwerk “Generation Benedikt” gegründet und ist, offenbar in Vollzeit beschäftigt, das achte von zehn Kindern des überzeugten und bekannten Katholiken Jürgen Liminski, der Mitglied von Opus Dei ist.

Da das noch nicht genug ist, sitzt Liminski für den RCDS im Hochschulparlament der Uni Bonn, und weil niemand Politiker werden darf, der nicht handfesten Blödsinn plappert, hat auch Liminski sich jetzt einen Fauxpas geleistet, der mich, ob seiner sonstigen Souveränität, doch ziemlich sprachlos gemacht hat. In einer Sitzung ging es nämlich um die von einem Mitarbeiter des AStA veruntreuten mehreren tausend Euro, und als Jonas Bens von der Linken feststellte, der AStA selbst sei Opfer dieser Straftat, ließ sich Liminski laut anderer Parlamentsmitglieder zu folgendem Zwischenruf hinreißen: “Jaja, lasst uns ein Opferdenkmal bauen, am besten in Berlin!”.

Dennoch: Hiermit sei auf ewig ins World Wide Web geschrieben: Herr Liminski wird mal ein bekannter Politiker. Und ich sitze dann in meiner Zweizimmerwohnung und kann sagen: Ich habe den schon scheiße gefunden, da habt ihr noch gedacht, schlimmer als Schäuble gehts nicht mehr.