Zug
Ich renne, mit einem Rucksack auf dem Rücken und einer Tasche in der Hand. Um mich herum rennen die Menschen, mit Koffern, Laptops, in Anzügen und mit Dreadlocks. Alle rennen. Wir sind am Frankfurter Kopfbahnhof weit hinten ausgestiegen und müssen auf das gegenüberliegende Gleis. 5 Meter links von uns steht der ICE, der in einer Minute losfahren soll und der letzte ist, der heute nach Leipzig fährt. Wir rennen, die Lunge tut uns weh von der kalten Bahnhofsluft die wir tief inhalieren, die dahin strömt, wo vorher nur wohltemperierte Zweitklassenluft mit Pastellfarben hinkam. Wir rennen weiter, denn in die erste Zughälfte des ICE dürfen wir nicht einsteigen, die fährt nur bis Erfurt. Eine Schaffnerin ruft uns etwas hinterher von Beeilung, gleich losfahren. Jetzt in Ruhe umdrehen und das Maschinengewehr auspacken.
Der Zug ist voll, was in meinem Kulturkreis bedeutet: In jeder Zweierreihe sitzt schon ein Fahrgast. Ich habe reserviert, der Typ neben mir leider auch. Er riecht nach dem Schweiß mehrerer Bauarbeiter im Konjunkturhoch und hört auf seinem iPod nano afghanische Volksmusik – was kann ich da mit Led Zeppelin schon entgegensetzen. Gegenüber sind zwei Lufthansa-Stewardessen zugestiegen, die überraschend hässlich sind. Sie packen ihr Hühnerbrustformfleisch auf Reis mit Curry-Ananas-Sauce sorgfältig aus und genießen so etwas wie ein transatlantisches Resteessen auf dem Gleis der Tatsachen. Sie reden darüber dass eine ihrer Kolleginnen jetzt mit einem der Piloten zusammen ist und sie vielleicht sogar zusammenziehen wollen und sie jetzt immer im Business Class-Bereich arbeitet. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann.
Die Toilette riecht nach Rauch, Gase nehmen den ihnen zur Verfügung stehenden Raum vollständig ein. In den Neunzigern konnte man Zugfenster noch öffnen, das wurde abgeschafft zugunsten von Klimaanlagen, vielleicht wurde ein unschuldiges Kind bei voller Fahrt enthauptet oder zumindest das Risiko bestand. Die Raucher streuen ihre Asche in das Waschbecken oder in die Vorrichtung für das Klopapier, die Abschaffung der Abteile betrifft die Gänze des fahrenden Volkes.
Als ich zurück an meinen Platz gehe, sehe ich dass der Mann hinter mir, der im feinen Anzug, auf seinem Laptop ein Bewerbungsanschreiben tippt. Vielleicht hofft er, nicht mehr so viel pendeln zu müssen, seine Reservierung zeigt Frankfurt-Leipzig an. Vielleicht wird er aber auch entlassen – eine Marketingmanagerstelle weniger schadet Deutschlands Bruttoinlandsprodukt um wieviel Prozent?
In Leipzig angekommen, ein weiterer Kopfbahnhof, halb 1 Uhr nachts. Drei Jugendliche, unscheinbar, nicht besonders provokant angezogen, sitzen auf einem Säulenfuß. Ein Wachmann geht bedächtig vorbei. Einer der Jugendlichen lehnt sich zurück und berührt die Säule. Der Wachmann reißt seinen Oberkörper herum, die Beine folgen, die Brust bebt, die Augen sind geweitet. Cholerische Anfälle in einem der hallintensivsten Räume Deutschlands haben eine ganz eigene Dramatik, ein Pathos das zum Verzweifelten neigt.
Nachts sind Großstädte anders, zumindest dort, wo es keine Kneipen, Kinos, Amüsierbetriebe gibt. Geräte erwachen, deren Hoffnung, gehört zu werden, am Tage schon längst abgestorben ist. Aber nachts kommen sie heraus, die Rollplakatwände, die Stempelmaschinen, die Freizeichen der herunterhängenden Telefonzellenhörer und artikulieren sich in ihren Geräuschen ohne Rücksicht darauf, dass nur die wenigen sie hören, die jetzt unterwegs sind, und die schnell ins Warme wollen, in ihre Wohnungen, in den letzten Zug, der vor dem Morgengrauen noch in Richtung Flughafen fährt.
Der Schlag ins Leere
Disclaimer: Achtung, ein junger aber sehr alter Mann kotzt sich aus. Nicht dass ich euch nicht gewarnt hätte.
Die Privatbilder der StudiVZ-Kalenderstudentinnen zeigen mir wieder deutlich, warum ich so viele Studenten hasse.
Das Studium ist wohl die einzige Zeit des Lebens, in der man weitgehend ohne Druck von Autoritäten leben kann – man steht nicht unter ständiger Beobachtung der Eltern und hat in vielen Fällen keinen augenbrauenhochziehenden Chef, dem man im Büro entgegenkommen muss. Und doch sieht jede einzelne dieser in etwa mit mir gleichaltrigen Damen schon so aus wie in 10 Jahren, und sie sind beileibe kein Einzelfall.
Nicht viel anders sieht es bei den Männern aus. Natürlich ist das Klischeedenken, aber ich persönlich traue keinem der zwölf Kandidaten ein geisteswissenschaftliches Studium zu, irgendetwas “Brotloses”. Keiner von denen wird wohl jemals etwas von dem Licht erfahren, dass einem aufgeht wenn man die Konsequenz der kulturwissenschaftlichen Ansätze zuende durchgedacht hat. Stattdessen werden sie einen Porsche Cayenne fahren und Menschen vor Gericht vertreten, die nicht verstehen warum sie an einen Staat den sie nicht brauchen so viel Geld bezahlen sollen.
Allerdings sieht es bei den Studenten, die ich im Hauptgebäude der Universität, das fast ausschließlich geisteswissenschaftlich besetzt ist, treffe, nicht viel anders aus. Wohin ich sehe: Idioten die Geschichte und Germanistik studieren weil das halt ihre Leistungskurse waren und es sicherlich einfacher ist als Biologie und Mathematik und weniger aufwendig als Maschinenbau und Medizintechnik – ganz abgesehen davon dass ein Numerus Clausus da auch rücksichtslos aussortiert (wer will eigentlich einen Zahn von jemandem gezogen bekommen der das nur macht weil er ein gutes Abi hatte und Papa das Studium finanzieren konnte?).
Und diese Idioten verstopfen (neben den Opas, die sich Seniorenstudenten nennen dürfen und für ein Drittel meines Semesterbeitrags wertvolle Plätze belegen) die Uni, die Bibliotheken, die Hörsäle, die Seminare. Und am Schlimmsten: Sie ruinieren unseren Ruf. Die Pharmaziekommilitonen meiner Freundin sind schier fassungslos wenn sie von meinen 16-24 Semesterwochenstunden hören, sie können nicht glauben dass ich freitags keine Uni habe und glauben, da machen wir Urlaub. Natürlich kommt auch mir das vor, aber Sinn der Sache ist es nicht – ich bin auch schon ein paar Mal in Bibliotheken eingeschlafen oder fast eingeschlossen worden. Der Großteil meiner Studienkollegen nicht. Ich habe im dritten Bachelorsemester Leute in Seminaren neben mir sitzen, die mich fragen wo im Institut der Kopierer steht, die nicht wissen wie das einschlägigste Standardnachschlagewerk der Alten Geschichte heißt, die den Unterschied zwischen einem Professor und einem Doktoranden nicht kennen.
Es gibt Leute, denen in einer Vorlesung für Germanisten “Ansichten eines Clowns” empfohlen wird und die mich flüsternd fragen, wie denn der Autor heißt, Leute die Bismarck für einen deutschen Kaiser halten, die für Klausuren über das Dritte Reich mit Büchern zur Serie von Guido Knopp lernen.
Ich will euch nicht bei mir haben. Ich will studieren.
Bahn Süß.
Ich habe langsam die Schnauze voll – 80% meiner Besucher scheinen Antisemiten zu sein. Nachdem schon die Begriffe Contergan und Jude in Kombination hunderte Besucher auf meine Seite lockten, scheint nun die Bahn das neue Hassobjekt der deutschen Antisemiterie zu sein: Allein in den letzten drei Tagen kamen über fünfzig User in diesen Blog, die nach “Suckale Jude”, “Suckale jüdisch” etc pp gegooglet hatten.
Meine lieben Antisemiten: Ich will euch hier nicht.
Schlaraffenland
Besonders viel weiß ich nicht mehr aus diesem mysteriösen Jahr 1998, als ich das erste Mal von zuhause aus im Internet surfte, mit einem ALDI-Modem das lustige Geräusche machte und über AOL – die waren damals die Billigsten. Eine der ersten Seiten die ich ansteuerte war jedenfalls der Erinnerung nach die “Backstage Pass”-Unterseite von The Smoking Gun, ein kleines aber feines Archiv authentischer Bühnen-Rider, also der Briefe und Faxe, die ein Tourmanager im Namen seiner Band so an die örtlichen Konzertveranstalter sendet. Ein Großteil dieser Texte ist langweiliger technischer Kram, wo welches Becken des Schlagzeugs steht, welche Versicherungen vorzuweisen sind, wer haftet wenn der Künstler unerwartet einen Hollywoodfilm dreht (bei Johnny Cash der örtliche Veranstalter). Aber es gibt noch die spannende Ecke, die die unsere Gelüste befriedigt, unseren Neid füttert, unsere Wünsche aufschwemmt: Die Angaben über Aufenthaltsräume, Getränke und das Essen des Künstlers. Und da wird es teilweise wirklich lustig.
So liebt es 50 Cent anscheinend ähnlich wie in seinen Videos, indem er eine Menge an Menschen mit sich herumkarrt – ein Dinner für 75 Personen (exklusiv örtlicher Crew und dem Promoter) ist obligatorisch, Gangsta Rap funktioniert im Big Business hauptsächlich im Sinne der Übertretung geltender Einfuhrbestimmungen – eine Box kubanischer Zigarren muss halt sein.
Geschmackssicher und nachdrücklich zeigen sich Coldplay abseits ihrer Musik,
48 COLD strong Continental Lagers (BECKS or equivalent, NOT Stella & NOT U.S. BEER)
während bei den Black Eyed Peas mehr auf Masse denn auf Auswahl geachtet wird:
2 lbs assorted nuts
Nichts mit Essen, dafür viel mit dem Leben on the road (und besonders viel mit der Bevorratung für den Tourneezeitraum und nicht nur den Vorkonzertaufenthalt in der Halle) zu tun haben Blink 182,
1 Pack of Polaroid Standard film
1 Pack of Polaroid CAPTIVA Film
1 KODAK Color Disposable Camera
Gnarls Barkley,
1 Pack of Magnum Condoms
und natürlich Moby:
10 pairs of white cotton crew socks and 10 cotton boxer shorts
Eine gepflegte Schizophrenie haben sich Bush zugelegt, wenn sie zunächst für ihren Massageraum fordern
One box of Panax Ginsang Extract, two lbs. of organic Carrots, two large bunches of celery, two large Red Beets, one large bunch of fresh Parsley, one large package of pinach
um dann in ihrem Dressing Room doch wieder den Rockstar rauszukehren
Two cases of Beer iced, four bottles of very good quality red wine, one litre bottle of Jack Daniels Whiskey, One litre bottle of Jose Cuvero Gold Tequila with salt and fresh lemon and lime wedges
Das Klischee der unmündigen und verwöhnten Popgöre scheint Ashlee Simpson zu gefallen, erwartet sie doch in ihrem Badezimmer
1 Toothbrush with Toothpaste.
Auch nicht dem Catering zuzuordnende Wünsche gibt es. Korn jedenfalls lassen sich folgendes zusichern:
Artist shall at short notice, have access to a “Rock Friendly” lawyer, medical doctor, dentist, masseuse and/or chiropractor as required by Artist.
Man stelle sich nur vor, Jonathan Davis müsste von einem “Rock unfriendly”-Chiropraktiker wieder hingebogen werden..
Wichtig wiederum war Johnny Cash ein spezielles Bühnenelement:
An American Flag on a pole stand (typical size 3′ by 5′) is required on stage in full view of the audience throughout the show.
Meine Lieblingsband im Rider-Kontext bleiben aber die Foo Fighters – zuerst verlangen sie eine eigene Garderobe für sich (”except Supergrass, Oasis or maybe Led Zeppelin”), dann jedoch offenbaren sie noch schüchtern einen kleine, in den USA aber sicherlich nicht ganz unkomplizierten Catering-Wunsch:
4 Kinder Eggs (ask a European friend for help.)
Smokin Suckale Wit Logic
Ich muss es jetzt leider mal los werden: Die Deutsche Bahn hat, grob gesprochen, den Arsch auf. Wenn sie in Zusammenhang mit Arbeitsniederlegungen von “Erpressung” spricht, hat sie eine der Grundregeln des Marktes nicht verstanden, beziehungsweise: Sie legt den Markt so aus, dass er nur ihr nützt.
Ungefähr seit ich politisch denken kann ist es so, dass die schlechte wirtschaftliche Lage, das Überangebot an Arbeitskraft und die Lobbykraft der Wirtschaft dazu geführt haben, dass Arbeitnehmer in der Defensive waren. Dass wir jetzt sehen, dass sich die Verhandlungspositionen auch einmal ändern können, ist eigentlich ziemlich beruhigend. Dass die Bahn ständig von dem riesigen volkswirtschaftlichen Schaden spricht und versucht, die Lokführer so als gewissenlos darzustellen geht meiner Ansicht nach ziemlich nach hinten los, denn: Wenn Lokführer Tag für Tag für Milliarden an volkswirtschaftlichen Transaktionen maßgeblich beteiligt sind, dann sollten sie dafür auch so entlohnt werden, dass sie irgendwann eine Familie gründen können.
Dazu kommt die völlig fatale Außendarstellung der Bahn; anstatt einen smarten Pressesprecher dahinzustellen kommt Tag für Tag Personalvorstand Margret Suckale (51) vor die Mikrofone, die im Jahr 2005 (hochgerechnet vom Gesamtgehalt des Vorstands) um die 1,8 Millionen Euro verdient hat. Wer soll das eigentlich noch verstehen? Ich tue es nicht, ein Großteil der Deutschen offenbar auch nicht – dass das kein Linksruck sondern etwas viel schlimmeres ist, arbeitet Heiko Geue vom Bundesfinanzministerium auf Seite 10 der aktuellen ZEIT-Ausgabe gut heraus. Die gibt es nur leider noch nicht online. Soviel dazu. Musste raus.
Talent imitiert, Genie covert
Ich muss es leider zugeben: Ich habe ein ganz besonderes Faible für Coverversionen aller Art – ob auf Alben, selbstgemacht oder bei Konzerten. Wenn ich einen Song kenne und von einer anderen Band interpretiert (und nicht nur nachgespielt!) höre, kann ich nicht anders als genau hinhören. Daher jetzt eine Auswahl von 10 meiner Lieblingscoverversionen. Die Kriterien waren: Jeder Interpret nur einmal, jeder Originalkomponist nur einmal, nur Studioversionen und nur Songs, die es auch im Original schon zu gewisser Bekanntheit gebracht haben – sonst ist das ja irgendwie langweilig. In Klammern immer die Originalinterpreten/komponisten.
the postal service – against all odds (phil collins)
the postal service haben es ja in der indieszene zu einigem ruhm gebracht – umso unverständlicher, warum diese coverversion eines der schlimmsten schmachtfetzen aller zeiten so unbekannt ist – dabei ist sie einfach und rundherum großartig.
johnny cash – personal jesus (depeche mode)
anstelle von personal jesus könnten hier hunderte andere songs stehen. hurt (nine inch nails) natürlich. und one von u2. und und und. personal jesus also nur exemplarisch für einen mann, der sich wie kein zweiter songs zueigen machen konnte.
ben folds – bitches ain’t shit (dr. dre)
das original ist old school hip hop und ein klassiker. das cover hebt den song in eine völlig andere dimension, gibt ihm einen anderen blickwinkel und ist dabei noch catchy as fuck. so geht covern.
tocotronic – sailor man (turbonegro)
turbonegro covern eigentlich nur schülerbands die die band erst kennen seit sie bei jackass läuft. und ein paar wohlwollende ausnahmen auf dem alpha motherfuckers-tribute, hier sei auch auf bela b. feat. jasmin wagner verwiesen – tocotronic machen aber am meisten richtig. wie eigentlich immer. hier leider live, die studioversion gibt es hier
dandy warhols – hell’s bells (ac/dc)
ein paar meiner freunde sind oder waren in der nicht so fernen jugend fanatische ac/dc-fans – ich wurde immer für indierock und emocore verlacht. einigen konnten wir uns auf diese coverversion die meiner erinnerung nach eine b-seite auf der “bohemian like you”-single war.
mark ronson – oh my god (kaiser chiefs)
eigentlich darf man den kerl nicht gut finden, denn wenn ein album derzeit vanity fair ist, dann ronsons “versions”. aber die versionen sind eben einfach viel zu gut. das hier, gesungen von lily allen, steht nur exemplarisch für die anderen tracks wie just (mit phantom planet/original radiohead), toxic (old dirty bastard/britney spears) und god put a smile upon your face (coldplay). auch schöner gastauftritt der kaiser chiefs im video.
fantomas – godfather (nino rota)
das album “directors cut” der band um mike patton und dave lombardo war bei erscheinen 2001, ich war zarte 17 jahre alt, eine schwere offenbarung für mich – so melodiös und hart, beklemmend und glamourös hatte für mich musik noch nie geklungen. der eindruck ist bis heute der selbe. eines der alben für die insel.
rooney – here today, gone tomorrow (ramones)
der beste beitrag auf dem “we’re a happy family” tribute-album für die ramones ist der der unbekanntesten band – the offspring, metallica und co scheiterten mit werktreuen nachspielungen, marilyn manson zitierte sich zu sehr selbst, die red hot chili peppers klangen gelangweilt. und dann kam eine damals noch völlig grünschnablige band vorbei und packte mehr herzschmerz in eine coverversion als udo jürgens in ein ganzes album. ihren jetztigen erfolg mit singlechartentrys gönne ich ihnen von ganzem herzen.
console – freiburg 3.0 (tocotronic)
offiziell ist das ein remix. aber mal ehrlich: ein originalsample (die gitarre am anfang), ansonsten alles neu. das ist kein remix mehr. und es ist total großartig. bier auf, fluppe an, tanzen.
kyuss – into the void (black sabbath)
black sabbath gelten als die gründerväter des hard rock. ich sage: black sabbath sind die gründerväter des stoner rock. kyuss wissen das auch und covern auf ihrer abschieds- und ablöse-splitsingle mit den queens of the stoneage ihre vorbilder langsam, rockend, groovend und noch einmal alles repräsentierend, was kyuss zu einer der gottverdammt größten bands des planeten machte.
bonus track: confessions of a futon-revolutionist (the weakerthans)
das fand ich in seiner absurdität so lustig, das musste noch dazu.
Kein Fußbreit den Pillen
Zugegeben, es hat etwas gedauert seit meinem letzten echten Beitrag. Ich gebe mir Mühe. Heute abend habe ich das erste Mal seit längerem wieder in meine Blogstatistiken geguckt, was ich eigentlich routinemäßig täglich tue, um etwaige Verlinkungen zu sehen und überhaupt das ganze Eitelkeitsklicksding mitzumachen. Aber jetzt bin ich doch etwas erschrocken. Die Statistik sagt:
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So zieht sich das hin – nehmen wir den einen Vanity Fair-Sucheintrag heraus, ergibt das schon ein in vielfacher Hinsicht erschreckendes Bild:
1. Antisemiten sind offenbar kreativ in ihrer Suchmaschinenabfrage – so viele Einfach-Begriffe pro Thema habe ich selten
2. Irgendetwas scheint der Contergan-Film in der ARD – unabsichtlich – ausgelöst zu haben.
3. Auch das im Innersten Antisemitische der Kategorisierung von Familiennamen als “Jüdisch” scheint ziemlich hoffähig zu sein.
Natürlich ist mein Blog weder der Nabel der (Netz-)Welt noch diese Statistik in irgendeinem Maße repräsentativ oder auswertungsfähig. Nehmen wir aber mal den Fall an, dass das Bild stimmt: In was für einem Land leben wir eigentlich?
Stellen wir uns einmal den typischen Gedankengang eines (wohl Kurzzeit-)Besuchers meines Blogs vor; in der ARD läuft mit einigem Getöse von Maischberger und Plasberg ein Film “nach einer wahren Begebenheit” über die furchtbaren Folgen des Medikaments Contergan, die Geschichte kennt wohl jeder. Besagter Besucher also sieht mehr oder minder skrupellose Pharmakonzernchefs, die über Leichen gehen würden und hört den Namen “Grünenthal”. Thal. Mit H. Das muss ja jüdisch sein. Doch was erwartet sich unser Besucher von der (ausbleibenden) Bestätigung dieser Information? Eigentlich gibt es nur eine mögliche Antwort: Futter für eine groß angelegte Verschwörungstheorie, nach der sich der Jude per 1946 (!) gegründetem Unternehmen am deutschen Volk rächen möchte und all die KZ-Wärter-Nachkommen zu Krüppeln macht. Zumindest fällt mir keine andere Möglichkeit ein.
Weiterhin charakteristisch für Antisemitismus ist das Bild der Fremdheit der Juden. Die Firma Grünenthal wurde im Rheinland gegründet, übrigens von einer Familie Wirtz, auch so ein typisch semitischer Name. Selbst wenn Herr Wirtz-Grünenthal Jude gewesen wäre, wäre er ganz offenbar Deutscher gewesen – immerhin gehört die Firma bis heute der Familie.
Es wäre für die Ewigrelativierer ein schönes “Faktum”, wäre tatsächlich ein Jude für den größten Arzneiskandal der Bundesrepublik verantwortlich – zusammen mit den Dresdner Feueropfern und den Masurenflüchtlingen käme man schon auf einen beträchtlichen Leidensquotienten, den man zusammen mit einer Schlussstrichdebatte und dem Vorwurf angeblicher Tabuisierung deutscher Leiden zu einem gut geölten Moral-Rollback nutzen könnte. Nix da, ihr Wichser.
Lesepflicht (1)
Nur kurz: Michel Friedman im Gespräch mit Horst Mahler für die Vanity Fair, ungekürzt, erster Teil.
Meine Lieblingsstellen:
M.F.
Wie wollen Sie das verhindern?H.M.
Indem man dem Juden, dem Plutokraten, den Wucher nimmt, indem man Kreditgewährung nicht mehr als private Kredite zulässt, sondern als eine wirt schaftspolitische Maßnahme staatlichen und kommunalen …M.F.
Aber Herr Ackermann ist doch kein Jude.H.M.
Wie bitte?M.F.
Sie haben es doch richtig verstanden.H.M.
Sie meinen Ackermann?M.F.
Herr Ackermann ist doch kein Jude.H.M.
Nein, nein. Nein, nein. Die Juden haben immer auch Nichtjuden zu ihrer Seite, dass sie immer sagen können: Das sind doch gar nicht die Juden, das sind doch die … Eine sehr schlaue Taktik.M.F.
Aber dann gehört die Deutsche Bank den Juden?H.M.
Nein, Moment, das habe ich ja nicht gesagt.
Hauptsächlich aber:
H.M.
Natürlich. Sie [unverständliche Passage].