Kurz gemeldet

http://www.stereogum.com/archives/mp3/new-weakerthans-night-windows.html

Unglaublich wie eine Band mich aus der gesamten Lethargie eines Tages reißen kann und den Euphoriestau aus Richtung Magen-Darm-Trakt löst. Ein Furz der Liebe.

Wieder was gelernt (1)

Im WDR soeben von einem Kunstsachverständigen einen schönen Ausdruck dafür gelernt, dass ein Bild nach ästhetischen und allgemein qualitativen Maßstäben gar nichts taugt und somit auch nicht verkaufbar ist: “Dieses Stück hat eher anekdotischen Wert”. Sehr schön.

Auf dem Klo entdeckt (2)

Die ziemlich famose Kolume des ziemlich famosen Harry Rowohlt namens “Pooh’s Corner”, in dieser Woche auf Seite 45 des ZEIT-Feuilletons und sich mit den Dramen eines belletristischen Übersetzers beschäftigend – das Thema der Logikfehler von Originalautoren die durch Übersetzer entdeckt werden fasziniert mich auf eine merkwürdige Art und Weise. Umso schöner wie hier mit dem “Ami” umgesprungen wird, “der je in South Dakota Creative Writing belegt hat” und in die unmögliche Zeit des 9. Jahrhunderts Kartoffeln und Mais nach Europa verpflanzt, die Gezeiten in die Ostsee teleportiert und Kameraden vor Tagen gegessenes Fleisch aus dem Magen löffeln lässt. Lesenswert, bloß: Welches Buch mag das sein, das er unübersetzt zurück an den Verlag schickte?

Tour de Schmonz

Man sollte es so sehen: Diese Tour de France war die unterhaltsamste seit 1997 – auch Leute die sonst bei “Sprint anfahren” eher an Unfälle mit Umzugswagen denken haben dieses Mal das Geschehen rund um den Radsport verfolgt. Und die Herausnahme von Rasmussen, das Ertappen Winokurows, der Rausschmiss des Astana-Teams waren unterhaltsamer als so manche Auffahrt nach Alpe d’Huez.

Ein bisschen enttäuscht war ich von so mancher Inkonsequenz – dass kein einziger Fahrer den angekündigten Boykott vor dem Zielstrich der letzten Etappe durchgezogen hat, dass Rolf Aldag jetzt doch vollwertiger sportlicher Leiter war, Sat 1. Aber so ist das wohl wenn es nur ums Geld geht (oh mein Gott!)

Auf dem Klo entdeckt (1)

In der manchmal enervierenden, aber irgendwie doch sehr schnell liebgewonnenen Rubrik “Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt” im ZeitLeben Magazin in dieser Woche ein Gespräch mit Schmidt über sein Urlaubsdomizil am Brahmsee, schön schließend:

Dass Ferien sind, merken wir immer daran dass Sie in weißen Hosen in die Redaktion kommen. Ist das ihre Brahmseehose?

Da sind lauter weiße Hosen, um mir selber zu suggerieren, dass ich im Urlaub bin.

Menschen, Mimosen.

np: Gorillaz – Clint Eastwood

Es gibt Menschen, deren Charakterzüge ich gerne eines Tages bei meinen Kindern wiederfinden würde. T. ist so ein Beispiel. T. ist ein junger Student den ich kürzlich kennenlernen durfte. Er ist jung, er interessiert sich für Kunst und Klaus Kinski und wenn er betrunken ist streitet er vehement für die Sache, die er als die Seine entdeckt hat. Er lacht über Witze und Anekdoten der anderen so dass man ihm seine Begeisterung abnimmt, er trinkt gerne und viel. Er kommt wie ich aus der Provinz und ist begeistert wenn man seine Heimatstadt vom Namen oder dem Fußballverein her kennt.

Er ist so ein Mensch, den die meisten Menschen mögen die man selbst mag. Kein Womanizer, kein ultracooler Typ, aber einer der eigentlich unverzichtbar ist. Vielleicht ist er das Defensive Mittelfeld der Freundeskreissoziologie. Die Anderen, die Maschinenbauer, wollen einen 10er im Nachwuchs, die Langweiligen den Stürmer.

leben aus lebenskonzentrat

Es ist Freitag abend, ich sitze zuhause während die Angetraute mit Freundinnen beim Live-Karaoke zuguckt, wtf.

Ich höre den Track Sommerloch des geschätzten Kollegen Schütz. Hören!

Zeit, die Woche ausklingen zu lassen. Am Montag habe ich meine Modulprüfung Mittelalter in den Sand gesetzt und gleichzeitig erfahren dass von den 40 Leuten die das Geschichte Hauptfach begonnen haben zum Semesterende 12 Leute abbrechen werden.

Danach haben wir ziemlich viel getrunken. Erst im Bonner Loch, dann im Irish Pub, dann auf der Hofgartenwiese an der Uni, dann bei Tammo zuhause, dann im Biergarten der Harmonie. So geil habe ich mich lange nicht gefühlt. Wir haben uns Aphex Twin Videos angeguckt, wir haben uns Interviews mit Klaus Kinski angeguckt und gegen Mitternacht haben Tammo und ich uns gegenseitig als (Kunst-)faschisten beschimpft. Man war das gut.

Die restliche Woche habe ich mit unwichtigem Kram verbracht und dem vergeblichen Suchen nach Blogthemen. Sorry. Vielleicht wird es morgen besser. Da gibts Ligapokal und Tour-Einzelzeitfahren (bin mir übrigens sicher dass Rasmussen den Ruhetag nicht mehr in Frankreich verbringen wird).

Trendsetter

Da will man eigentlich nur mit einer Dozentin über eine Hausarbeit reden und dann hat sie auf ihrem Monitor den Firefox offen und dann sieht man: Man setzt Trends.

Und zwar in Großbritannien und bei Telepolis

charts-kritik: 9.7.2007

weil mein mitlieblingsblogger popkulturjunkie seine neueinsteigerkritiken dieses mal wohl vergessen hat habe ich mich selbst mal drangemacht. ich bin erschüttert.

YouTube-Playlist die eingebettet mein Layout schrottet

100: Eisregen – Eine erhalten
Erschreckend was aus radikaler Popmusik geworden ist. Diese Möchtegern-Knorkator waren mal indiziert, das Verfahren über Beschlagnahmung ist noch nicht beendet. Und dann kommt so eine humorbefreite Scheiße daher die dazu auch noch völlig unhörbar ist. Danke, nein. (0)

97: Klaus Badelt – He’s A Pirate
Dass sowas in die offiziellen Singlecharts einsteigt zeigt doch schon wie komplett degeneriert Massengeschmack heute ist – haben wir diese Midikacke nicht schon oft genug bei Galileo Mystery gehört? Offensichtlich nicht. Bin ich froh dass die Fluch der Karibik-Reihe zuende ist. (2)

92: Ken feat. Fatman Scoop – Talk 2 Me
Wer hat eigentlich beschlossen dass “2 statt to” und “U statt you” wieder geht? Prince ist doch auch völlig zu Recht damit auf die Schnauze gefallen. Jetzt jedenfalls darf der talent- und profilloseste aller Overground-Boys eine Solosingle machen, und das offenbar auch noch für das Label von Jamba. Ich mein hallo, wie geil scheiße kann etwas sein? (0)

88: Brunner & Brunner – Wir sind ein Feuerwerk
Leider nicht auffindbar

78: Selina – Dein Tag
Aber hallo, das hat gedauert. Aber klar war ja, dass Avril Lavigne für den deutschen Markt ein ebenso deutsches wie lahmes wie unattraktives Plagiatmenschlein hervorbringen musste. Beschissenes Lied, beschissener Text, beschissenes aus allen Poren triefendes Konzept. Gott, wie scheiße kann das eigentlich noch werden? (0)

69: Tocotronic – Kapitulation
Na endlich, Tocotronic retten die Neueinsteigercharts. Das Lied an sich finde ich für Tocotronic-Verhältnisse nicht so besonders, aber hey. Ich bin gespannt auf das Album. (7)

67: Fallout Boy – Thnks Fr Th Mmrs
Dieses Lied kenne ich schon aus dem Radio. Gegenüber der Vorgängersingle (This Ain’t A Scene…) fällt es zwar eindeutig ab, aber hey, diese Band ist schon ganz geil und den Erfolg gönne ich ihnen umso. Das Video ist auch noch großartig, also was sollte da noch schief gehen. Achja, und die Bridge ist wirklich toll. (8)

65: Mark Ronson – Stop Me
Der mit Abstand schlechteste Song des ansonsten schönen und ziemlich hippen Albums “Versions”. Aber das geht mal gar nicht, obwohl ich kein so hoffnungsloser Smiths-Devotee bin. (3)

64: Within Temptation – Frozen
Das erste Mal kam ich mit dieser Band in Berührung als sie beim Bizarre 2001 Sonntag mittags direkt vor New End Original spielten. Sie hatten eine riesige aufblasbare Rose auf der Bühne und die Sängerin musste sich beim Headbangen das Kleid festhalten so dass ihre Brüste nicht herausrutschen. Großer Humor war das. Dennoch hat es diese Band obskurerweise geschafft, eine ernsthafte Erfolgsbasis aufzubauen. Und die nutzen sie jetzt aus. Wenn AC/DC seit 30 Jahren einen Song immer und immer wieder neu schreiben, aufnehmen und spielen machen Within Temptation das seit 10 (?) Jahren mit einem halben. Respekt dafür. Das Lied ist natürlich trotzdem unfassbar scheiße. (1)

41: Lucky Twice – Lucky
Schwedinnen also, sabbre. Und jetzt dürfen die auch noch das Titellied zu Gülcans verfilmter Hochzeit veröffentlichen. Das Problem: Gülcan ist doof, Gülcans Sendung ist langweilig, die Schwedinnen sind nicht hübsch und die Sounds sind vom Dance eJay 1994. Dabei ist die Refrainhookline sogar relativ niedlich. Aber wieso muss ich bei dieser Barock-Szene im Video nur an Mankells “Mittsommermord” denken? (2)

40: Mutya Buena – Real Girl
Die Ex von den Sugababes, das Sample von Lenny Kravitz. Da sind also die Hard Facts. Der Rest ist ein echt guter Popsong mit etwas altbackener Message, der vielleicht vor Veröffentlichung schon etwas zu lange im Radio lief. Trotzdem ein Lichtblick. (6)

35: Lumidee feat. Pitbull – Crazy
Lumidee hatte im Sommer 2003 mal einen ganz hübschen Hit mit Handclap-Samples als Beat. Jetzt rate mal was sie im Sommer 2007 für ihren Beat benutzt. Ja meine Güte, ist dir das nicht peinlich, Lümmelchen? Und wieso gehört es mittlerweile zum guten Ton sich einen Rapper dazuzuholen der zuverlässig jeglichen Flow und jegliche Logik eines Songs zerstört? Mann mann mann. (4)

32: Cascada – Miracle
Wenn ich mich betrinke, mir die Hände abhacke, meinen Hund auf eine Schreibmaschine setze und die Musik aus leeren Bierdosen auf meinen Anrufbeantworter aufnehme kommt dabei etwas heraus was sogar dann noch besser wäre als diese Vollgrütze wenn ich es auf Optik Records veröffentlichen würde. (-1)

29: Akon – Don’t Matter
Akon ist ja auch so ein Phänomen. Dümmer kann man nicht aussehen, eine unangenehmere Stimme kann man nicht haben. Dazu kann man wohl kaum offener seine Verachtung für die Hörer da draußen demonstrieren als durch diese schreckliche hochgepitchte Stimme. Junge, bitte lass dich überfahren oder so. (0)

20: David Bisbal – Silencio
Wow, heißer Typ singt auf Spanisch in Industriekulisse, war vorletzte Woche bei Wetten dass?, und macht komische Dinge mit Oberlippe und Becken. Voll süzz. Hau ab aus meinen Kopfhörern, Chico! (0)

18: Gwen Stefani – 4 In The Morning
Gwen verzeihe ich die “4 statt Four”. Video auch ziemlich gut (:D). Der Song ist typische Stefani-Massenware: Nett, aber nicht aufregend. Aber Pop bei dem ich nicht sofort aufs Klo muss ist so selten geworden, da freue ich mich doch über so etwas. Und auch da ist die Bridge wieder sehr geil. (6)

6: Enrique Igleasias – Do You Know? (Ping Pong Song)
Ich hoffe dass man hier nur sieht wie gut Promotion bei Wetten dass? wirkt. Würde tatsächlich Deutschland diesen Song auf Platz 6 kaufen weil Deutschland diesen Song mag hätte ich enorme Probleme in diesem Land zu bleiben. Ach menno! (0)

Le Tour

Den Prolog in London konnte ich gestern nicht sehen weil ich damit beschäftigt war, mir bei der Rheinkultur Fünfmarkstückgroße Blasen an den Füßen zu holen. Aber heute saß ich vor dem Fernseher, als zunächst noch 189 Fahrradfahrer von London aus nach Canterbury fuhren.

Und ich weiß auch, dass viele das dieses Jahr nicht mehr tun. Und eigentlich weiß ich nicht genau, warum das so ist.

Dass im Radsport gedopt wird, und das flächendeckend, war doch sicher schon vorher jedem klar, vielleicht fehlte nur der entscheidende letzte Beweis. Spätestens als Ullrich und Basso auf der Liste standen war ich persönlich mir aber sicher.

Und deswegen freue ich mich dieses Jahr auf die Tour de France. Halb ist es routinierte Resignation, halb kindischer Trotz; sollen sie halt dopen, Hauptsache Klöden hat besser gedopt als alle anderen! Und wenn wenige Kilometer vor Schluss die Ausreißer doch noch eingefangen werden, sich wieder drei Leute vor Zabel spannen und am Ende noch der verdammte McEwen gewinnt, wenn in den Bergen Favorit für Favorit die Tour vergessen kann weil er das Tempo nicht mehr mitgehen kann, dann ist mir egal wer sich bei welchem Arzt Eigenblut, Epo oder nur ne Tasse Kaffee injiziert hat – betrügen tun sie alle, die Chancengleichheit ist gewahrt, und die sind alle erwachsen. So wie sich ein Klöden, ein Winokurow, ein Leipheimer geben haben sie durchaus den Einblick in die Thematik.

Allez.

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