Endzeit

Dezember, krank, was soll man da anderes machen als Listen. Hier also mein diesjähriger Jahresabschlusssampler, der nur mit Hängen und Würgen genau auf eine CD passt:

1. Aidan Moffatt & The Best-Ofs – Lover‘s Song
2. Julian Casablancas – 11th Dimension
3. Phoenix – 1901
4. Passion Pit – Little Secrets
5. Owl City – Fireflies
6. Jay-Z feat. Alicia Keys – Empire State of Mind
7. K.I.Z. – Das System
8. Eminem – Medicine Ball
9. Sunset Rubdown – You Go On Ahead (Trumpet Trumpet II)
10. We Were Promised Jetpacks – Short Bursts
11. The Maccabees – No Kind Words
12. Eels – The Look You Give That Guy
13. Death Cab For Cutie – Meet Me On The Equinox
14. Selig – Wir werden uns wiedersehen
15. Future Of The Left – Arming Eritrea
16. Kasabian – Underdog
17. Foo Fighters – Wheels
18. Converge – Dark Horse
19. The National – So Far Around The Bend
20. Loney Dear – I Was Only Going Out

Von jetzt an täglich jeweils der Sampler zu jedem Jahr des wegschlummernden Jahrzehnts.

Das Jahrzehnt in Stichpunkten: 2002

Als Mensch, dessen Schicksal ist, im Jahr 1984 geboren zu sein, war 2002 als Entscheidungsjahr in der DNA festgelegt. Volljährigkeit, Führerschein, Bartwuchs.

Seit dem Herbst 2001 war ich in der Fahrschule von Lothar Pahl angemeldet, deren Homepage exakt so hässlich ist wie der Fahrlehrer nett – obwohl wir erst in den letzten beiden Fahrstunden nach langen Schweigefahrten zwei Themen fanden, die uns einten: Fußball und Schlagzeug. Bis dahin hatte ich die theoretische Prüfung zwei Mal gemacht, einmal desaströs, einmal mit der höchsten erlaubten Fehlermenge. Nach der zweiten praktischen Prüfung¹ hatte ich den Führerschein und plötzlich mit dem Punto meiner Mutter und dem Twingo meiner Schwester zwei Autos zur Verfügung. Die erste Fahrt ging mit meiner Schwester ins linksrheinische Niemandsland, die zweite mit ein paar Freunden nach Ulft, um Gras zu kaufen.

Im August fuhr ich mit Malte wieder nach Ulft, und wieder kauften wir Gras. Der Weg zurück führte nicht nach Wesel, sondern nach Weeze, zum Bizarre Festival. Wir schwitzten Rotz und Wasser, als wir mit Maltes Schoß voll Gras an den Polizisten vorbeifuhren, die uns freundlich auf den Festivalparkplatz winkten. Später kam Nils nach auf sein erstes Festival, dessen Karte wir ihm zum Geburtstag geschenkt hatten. So kamen wir zu dritt in den Genuss des auch der Rückschau noch unfassbar guten Line-Ups. Mal nur die Highlights: The Chemical Brothers, Jimmy Eat World, DJ Shadow, Phantom Planet, The Get Up Kids, Turbonegro, Tocotronic, Hot Water Music, Slut, Dover, New End Original. Ich könnte jetzt jeden einzelnen Auftritt hervorheben, denn sie waren alle toll. Vom Jimmy Eat World-Auftritt schwärmen aber damals Anwesende noch heute, die Get Up Kids damals gesehen zu haben erwärmt mein Herz noch immer.

Im direkten Anschluss an das Festival fuhren wir zum Zelten nach Westkapelle². Eine Woche verbrachten wir dort auf dem Campingplatz, gingen mal baden, stritten uns unter Freunden bis aufs Blut über die zu kochenden Essen, die Aufteilung der Aufräumdienste und die Belegung der Zelte, spielten “One” in der Johnny Cash-Variante auf der mitgebrachten Gitarre und lernten ein junges Pärchen aus Wuppertal kennen, dessen Namen ich leider vergessen habe – sonst hätte ich sie schon längst in einschlägigen sozialen Netzwerken gestalkt.

Im Januar 2002 erreichte ich den Tiefpunkt meiner schulischen Laufbahn, als ich auf dem Halbjahreszeugnis meine beste Note in Sport hatte – 9 Punkte bekam ich da. Es wären nur 8 gewesen, wäre da nicht im Fußball-Prüfungsspiel mein bis heute einzigartiger, nie wieder erreichter und spielentscheidender Hackentrick gewesen, der sogar meinen rechtskonservativen Sportlehrer³ tief beeindruckte. Ich schrieb meine in diesem Jahr vom Land eingeführte Facharbeit in Sozialwissenschaften über die außenpolitische Programmatik der PDS und bekam dafür eine Gnaden-4.

Musikalisch war 2002 nicht schlecht, in der Rückschau aber eher das Jahr des Übergangs vom überragenden 2001 zum fantastischen 2003.

Mein Video des Jahres, weil es das Video des Jahres ist:

¹ die so lächerlich war, dass ich es mal niederschreiben muss: Meine Mitfahrerin und ich waren nervös, als wir auf den Prüfer warteten. Dann fuhr ein Porsche auf den Parkplatz, unser Witz “Das isser bestimmt” stellte sich als die Wahrheit heraus, der ungefähr 30-jährige Sympath setzte sich hinten ins Auto, entschuldigte sich für die Verspätung, erzählte er sei die Ferienvertretung aus Oberhausen und würde sich in Wesel nicht auskennen – “Also Herr Pahl, machen sie mal den Weg”. Nach 5 Minuten Stadtfahrt, einmal seitlich einparken und 10 Minuten über die völlig leere Autobahn auf einen Rastplatz fahren hatte ich den Führerschein.

² noch so ein Ding, das offenbar ziemlich üblich war in unserer Generation in unserer Gegend. Herr Heinser war öfter, und auch 2002, im Urlaub in Domburg, was ziemlich genau 4 Kilometer entfernt ist.

³ Von ihm dürfte irgendwann nochmal an dieser Stelle die Rede sein, wenn ich mich mal wieder auskotzen muss.

Das Jahrzehnt in Stichpunkten: 2001

Wie immer hänge ich hinterher. Ich versuche trotzdem, das hier zu einem geeigneten Abschluss zu bringen, irgendwann im Dezember, dann mit 2009

Das Jahr 2001 begann damit, dass wir eine DSL-Leitung bekamen, mit unvorstellbaren 768 Kbps Downspeed und 128 Kbps Upspeed – das hieß 96 Kilobyte Download pro Sekunde. Meine Güte, was jetzt alles möglich war. Meiner Mutter versprach ich, dass die Legung der DSL-Leitung direkt zu meinem im Keller befindlichen Computer nur vorläufig sei – bis zu meinem Auszug im Jahr 2003 blieb es bei diesem Provisorium. Zu diesem Zeitpunkt begann der stetige Abstieg von Napster – die Software wurde von ihren Nachahmern überholt. Ich benutzte schon länger einen alternativen Client, der die Napster-Server nutze, aber Vorteile wie die Wiederaufnahme abgebrochener Downloads unterstützte. Außerdem konnte ich mir den Server, auf dem ich tauschte, selbst aussuchen, so dass ich immer auf punk.napster.com ging und dort im deutschen Chat rumhing, während ich hauptsächlich Lieder von WIZO herunterlud.

Im Sommer 2001 besuchte ich das Bizarre-Festival in Weeze, was nicht nur onomatopoetisch nahe bei Wesel liegt. Dort war ich mit Pascal, es sollte unser letztes gemeinsames Festival sein – unsere Geschmäcker drifteten schon dort weit auseinander. War er hauptsächlich wegen den Guano Apes und den Ärzten da, ging es mir um andere Bands. Die erst in jenem Jahr von mir entdeckten Stone Temple Pilots kamen „endlich“ auf Tour, dazu kamen die Foo Fighters, JJ72, Ash, die Backyard Babies und Snapcase. Weezer sagten ihren Auftritt schon frühzeitig ab, wodurch die Enttäuschung nicht so groß war, wie später, als sie ihre Clubtour abbrachen.
Als ich am Bizarre-Samstag zum Visions-Stand ging, um mir meinen T-Mobile-Hut von den Emil Bulls signieren zu lassen5, sah ich dort einen Zettel, auf dem mit Edding geschrieben stand: „ERSTER LIVEGIG VON NEW END ORIGINAL, DER NEUEN BAND VON JONAH MATRANGA (EX-FAR)“ auf der Talent Stage, einem kleineren Hangar auf dem Gelände, das zuvor ein britischer Armeeflughafen gewesen war. Ich hatte bis dahin weder von Jonah Matranga, noch von Far auch nur gehört, aber da schrieb jemand durchgehend in Großbuchstaben, das dürfte gut sein – zumal es genau zwischen den Queens Of The Stone Age und den Stone Temple Pilots lag und somit nur mit New Model Army kollidierte. Das Konzert sollte eines der besten meines Lebens werden, obwohl kein Schwein die Lieder kannte. Jonah trug ein T-Shirt auf dem „I never wanna say my best days are behind me“ stand und das man auch kaufen konnte – an diesem Abend leider nur in Größe M, die mir sicher nicht gepasst hätte. Aber das Album „Thriller“ gab es zu kaufen. Ein Jahr später brachte ich es wieder mit zum Bizarre, um es mir von der Band signieren zu lassen.

2001 ging es auch daran, Leistungskurse für den Rest der Oberstufe zu wählen. Dadurch, dass unsere Stufe mit 68 Schülern recht klein war, war die Auswahl eine Katastrophe. Zur Wahl standen letztendlich Deutsch, Englisch, Französisch, Sport, Biologie, Pädagogik, Mathematik und Physik, wobei letzterer Kurs lediglich ein dreistündiger Aufbaukurs auf den zweistündigen Physik-Grundkurs darstellte. Zu Englisch wollte ich wegen des Lehrers1 unbedingt, drum musste ich in den Deutsch-Kurs.

Im Juli fuhr ich das erste Mal nach Holland, um mir dort Dinge zu kaufen, die es in Deutschland nicht gibt. Vorher war ich immer von eher zwielichtigen Typen aus höheren Stufen versorgt worden, die unsere völlige Ahnungslosigkeit ausnutzten und Halsabschneiderpreise verlangten. Statt einfach in einen der zahlreichen Grenzorte fuhren wie nach Arnheim, sahen uns die Stadt an und trauten uns kaum in die zwielichtigen Coffee Shops

Unvermeidlicherweise meine schon zu oft geäußerte Geschichte zum 11. September – ich kam von der Schule nach Hause, aß zu Mittag, setzte mich vor den Fernseher und sah im Sat1-Videotext die Nachricht „Kleinflugzeug fliegt in World Trade Center“. Ausgehend von einer schon abgeschwungenen Begeisterung für Flugzeuge und den MS Flight Simulator ging ich nach oben2 und surfte news.yahoo.com an – dort gab es aber keinerlei Infos. Also CNN an und so gerade noch live gesehen3, wie das zweite Flugzeug in den Turm rauschte. Kurze Zeit später wurde diese Aufnahme wiederholt und die Kommentatorin schrie „Oh my god, a third plane!“. Das hat sich bei mir eingebrannt. Um halb 4 musste ich zur Theater-AG4. Unser Lehrer war in der Schule gewesen, hatte nichts mitgekriegt und sagte, als wir ihm von den Ereignissen erzählten „Ach ehrlich? Naja, so schlimm wird’s schon nicht sein“. An die AG-Sitzung habe ich keine Erinnerungen mehr, nur daran, dass mich meine Mutter mit den Worten „Die Türme sind weg“ empfing.
2001 war musikalisch ein außergewöhnlich gutes Jahr, vielleicht eines der besten für mich überhaupt:

Song des Jahres: Fantomas – Godfather

Kurze Popkulturbeobachtungen

Roger Cicero ist ja eh ein Fall für sich und ein zuverlässiges Kriterium, um soeben kennengelernte Menschen schnell als freundschaftsuntauglich zu kategorisieren. Wenn man aber nun SWR4 im Auto als einzigen Radiosender in der schwiegerelterlichen Pampa empfängt und Cicero einem den Swing-Mario Barth macht, ist man froh um elektrische Fensterheber – mit Kurbeln hätte man die ganze Kotze hinterher von der Innenscheibe abkratzen müssen.

Wie komm’ ich raus aus der Boutique – ohne Krieg?
Wie komm’ ich raus aus diesem Laden – ohne Schaden?
Wie komm’ ich raus aus der Boutique – ohne Krieg?
Wie komm’ ich bloß aus diesem Kaufhaus – ohne Zoff raus?

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Eine größere Zeitverschwendung ist der im öffentlich-rechtlichen Fernsehen angepriesene Kinofilm “Julie & Julia”. Nicht alleine die Tatsache, dass 126 Minuten (was heutzutage schon einen Überlängenzuschlag evoziert) mit so wenig Handlung angefüllt werden können: Die Verschränkung der Jahresgeschichte einer kochbuchnachkochenden Bloggerin mit der Köchin-der-Nation-Genese einer (allerdings glänzend) von Meryl Streep gespielten nervigen Botschafter-Tipppse hätte man so wunderbar inszenieren können, dass die lieb- und ideenlosen Übergänge beider Zeitebenen allenfalls dazu taugen, Resteeintopf draus zu machen.

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Wären subjektive Musikcharts John Lennon, wäre ich Mark David Chapman. Die von Jan angestoßene Idee einer Auflistung der Platten des nun tatsächlich schon endenden ersten Jahrzehnts des Jahrtausends hat mich in tiefe Verzweiflung gestürzt. Am Ende habe ich bislang 103 Platten. Und häte das nicht gereicht, bastle ich nun auch noch eine Samplerreihe mit 20 Songs pro Jahr. Man merkt: Die Woche Urlaub tut mir nicht gut. Ich brauche wieder was sinnvolles zu arbeiten.

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Gestern habe ich Teile der MTV Video Music Awards vom Wochenende gesehen. Eigentlich dachte ich immer, Kanye Wests nahezu regelmäßige Ausfälle auf Awardbühnen seien Teil eines inszenierten Images (zum Image im Hip Hop ein Lesetipp: Die derzeit in Prüfung befindliche Bachelorarbeit eines meiner Freunde in Bonn. Bei seinem Einverständnis demnächst hier), mittlerweile glaube ich aber, dass der Typ wirklich so jenseits von Gut, Böse oder sonstigen normalsterblichen Kategorien zu stehen gedenkt.

Dazu auch: So sehr ich einige Songs von Beyoncé auch schätze (”Crazy in Love” wäre auf dem entsprechenden Sampler zum Jahr 2002 [oder so]), ich würde niemals ein Konzert von ihr besuchen. Was sie da live aufbietet rollt mir regelmäßig den gesamten Fuß auf. Hardcore-Gymnastik mit strammen Schenkeln, in die Unkenntlichkeit verschandelten Ex-Hits undabstrusen Dance-Moves. Übrigens: Ganz schön clever  von Frau Knowles, erst Destiny’s Child aufzulösen und dann solo so erfolgreich zu werden, dass sie die beiden Ex-Bandkolleginnen als Backgroundsängerinnen engagiert.

Glühwürmchen

Wenige Lieder in meinem Leben haben mich beim Anfangshören so sehr begeistert, dass ich sie zweistellig mal oft direkt nacheinander gehört habe. Das erste war “Help” von den Beatles. Später noch “Guerilla Radio” von Rage Against The Machine, dann ganz besonders “Art Is Hard” von Cursive, das ich, Winamp-Logging sei Dank, 67 mal nacheinander hörte. Jetzt ist es mal wieder so weit. Es geht um “Fireflies” von Owl City. Das Lied habe ich letzte Woche bei Facebook gepostet, weil es für mich so unfassbar nach The Postal Service klang. Tut es immer noch, aber dahinter versteckt sich das Faktum, dass es sich um einen unglaublich guten Popsong handelt. Finde ich. Also bitte hören und den Rest abschalten.

Die besten Songs aller Zeiten

Was für ein Blödsinn. Aber ein schöner, klickbarer Blödsinn, deswegen steht er derzeit überall: “Live Forever” von Oasis wurde von den Hörern dreier Radiosender (XFM, KROQ und noch einer aus Australien) zum besten Song aller Zeiten gewählt. Und dann gehen sofort die Diskussionen los. Und als Beitrag dazu: Meine 10 besten Songs aller Zeiten. Das wird schwer genug. Und ich klammere die ganze Musikgeschichte aus und vergebe nur einen Song pro Band (sonst könnten meiner Meinung nach gut 5 Songs direkt von den Beatles stammen). Keine Reihenfolge, ich bin doch nicht bescheuert. Und alles tagesformabhängig. Vielleicht morgen schon ganz anders. Die originale Liste gibt es übrigens hier.

Constantines – Lizaveta

Leider nur in einer Live-Version auf YouTube. Die ist allerdings auch großartig. Kein anderer Song auf der Welt weckt in mir so sehr das Bedürfnis, mir eine gute Videokamera zu schnappen und ein Video dazu zu drehen. Ohne Schnitt, schwarz-weiß, grobkörnig, aus Egoperspektive, nachts, mit Kneipe, Zigarette etc. Wäre schön, wenn ich sowas könnte.

The Beatles – Strawberry Fields Forever

Typisches Beispiel für alle Gründe, warum die Beatles besser eine unvisuelle Band geblieben wären. Jeder Film, jeder Konzertausschnitt, nahezu jedes Foto verärgern mich. Zumal der Kontrast zur Musik so unfassbar groß ist.
Strawberry Fields Forever jedenfalls habe ich erst so richtig schätzen gelernt, als ich es im musikwissenschaftlichen Hörsaal gehört habe. Da steht die beste Musikanlage, die ich kenne. Und meine Dozenten pflegen, die Lautstärke schon hochzuregeln. Und dann zieht einem das Cello in der Bridge komplett die Schuhe aus. Und der zwangsweise runtergepitchte Refrain (die Anekdote lässt sich ca. überall nachlesen) tut sein übriges.

Oasis – Acquiesce

Schon wieder nur eine Liveversion, aber eine für Oasis-Verhältnisse außergewöhnlich gute. Acquiesce ist ursprünglich nur als B-Seite erschienen und trotzdem der beste Oasis-Song überhaupt. Trotz Live Forever, Champagne Supernova, Supersonic und Don’t Look Back In Anger. Und der Refrain klingt jetzt, im Nachhinein, umso trauriger.

Slayer – Raining Blood

Kein Video, was ist denn eigentlich los hier? Naja. Raining Blood ist das härteste in diesen Top 10 und gehört da auch so rein, obwohl es nicht dazu passt. Das erste “coole” Riff, das ich auf der Gitarre spielen konnte. Das erste Stück fürs Schlagzeug, an dem ich grandios und nachhaltig gescheitert bin. Und das erste Mal, dass meine Mutter nicht mehr nachvollziehen konnte, was ich an “meiner” Musik mag.

Bright Eyes – Lua

Mit Conor Obersts letztem Output konnte ich immer weniger anfangen. Vielleicht, weil er nicht mehr solche Knaller raushaut. Oder weil ich alt werde. Lua ist jedenfalls eines der simpelsten und schönsten Lieder, die ich überhaupt kenne. Knappe vier Akkorde und Ende. Und der Text erst.

New Order – True Faith

Wie geil ist denn das Video? Habe ich noch nie gesehen. Wahrscheinlich bester Popsong überhaupt. Was man hinter schrecklichen Synth-Beats und den Klamotten oft vergisst, ist dass die Achtziger songtechnisch ganz schön toll waren. Und wenn nicht grade ein Schmusesänger, Klingeltöne oder Sample-Rapper da was ausgraben neige ich dazu, dieses Jahrzehnt einfach zu verdammen. Ein Fehler.

Radiohead – Paranoid Android

Stellvertretend für viele Radiohead-Songs. Talk Show Host zum Beispiel. Oder National Anthem. Weil ich eine Zustimmungshure bin also der größte Konsenssong. Aber diese Bridge! Das Ende! Alles ab Minute 5:00!
Ich habe das Video jetzt übrigens zwei mal durchgesehen um zu merken, warum es bei YouTube “not suitable for minors” ist: Es dürfte um die beiden barbusigen Meerjungfrauen und den Verstümmelten bei 5:40 gehen. Himmel hilf.

mclusky – Without MSG I Am Nothing

Jetzt grade habe ich das erste Mal nachgeguckt, was “MSG” ist. Ein Geschmacksverstärker. Ich kann nicht garantieren, dass der gemeint ist. Passen würde es aber. Eine der besten Bands dieses Jahrzehnts, und hier hier Vermächtnis. “mclusky do Dallas” war das bessere Album, Without MSG… ist der beste Song.

Led Zeppelin – Dazed And Confused

Mir geht langsam der Erzählstoff aus. Weiß doch jeder, dass das toll ist. So!

Pink Floyd – Wish You Were Here

Das unschlimmste auf YouTube zu findende Video. Rest nur live, Hinterzimmercoverversionen und Windows Movie Maker-Debüts. Schrecklich. Man hat mir mal gesagt, dieses Lied wäre unter Pink Floyd-Fans verhasst. Kitschig und so. Mittlerweile wurde mir mitgeteilt, dem wäre gar nicht so. Umso besser.

Festival 2.0

An diesem Wochenende findet im englischen Donington das Download Festival statt. Das hat für mich nur deswegen Relevanz, weil es einen Livestream zahlreicher Konzerte anbietet. Gestern gab es unter anderem Billy Talent, Limp Bizkit, Korn und die wiedervereinigten Faith No More zu sehen, heute zunächst Hatebreed und dann Down, die beide selbst am Monitor noch großartig waren. Später am Abend gibt es noch den Auftritt von Slipknot, morgen ist dann offenbar Rentnertag mit Dream Theater, Whitesnake und Def Leppard.

Ich habe wirklich lange gegooglet und diverse Wikipedia-Sprachausgaben konsultiert, aber keine wirklich relevanten Informationen über das Download Festival herausgefunden. In meinem rudimentären Halbwissen meine ich mich zu erinnern, dass das Konzept mal war, recht kurzfristig nach dem Konzert Mitschnitte zu verkaufen. Das scheint nicht (mehr) so zu sein, sonst hätte ich jetzt schon meine Kreditkarte rausgesucht, um das Down-Konzert zu erwerben.

Trotzdem macht das Download Festival einiges richtig.¹  Das fängt beim ungewöhnlich stabil funktionierenden und qualitativ hochwertigen Stream an, den man ohne vorherige Registrierung oder so ein Gedöns nutzen kann.Die FAQ-Seite ist mehr als umfangreich und gut sortiert, es gibt ein Download-Radio, das über das Wochenende auf dem Festival-Gelände sendet und clevere Geschäftsideen wie die Möglichkeit, per SMS Botschaften auf die Bühnenleinwände zu schicken.

Am Besten finde ich aber das Forum. Bei Hurricane und Southside kann es schonmal vorkommen, dass ein ominöser Marc von FKP Scorpio vorbeiguckt und erzählt, dass bald neue Bandbestätigungen kommen. Ansonsten ist man dort unter sich und manche User suchen mit rührender Mühe einschlägige Tourseiten nach möglichen und einseitig bestätigten Bands ab.

Beim Download Festival gibt es echte Interaktion. Es gibt Blogs der Macher (also der Veranstalter und Booker), es gibt regelmäßige Forenposts und: Es gibt Fragen der Macher an die User, die über ein pures “Wird dieses Festival das beste aller Zeiten?” hinausgehen. Offenbar ist man wirklich interessiert an der Meinung der einfachen Festivalgänger was das Gelände, die Bühnen, die Lautstärke und das Essen angeht. Das Größte an Mitwirkung, was ich bislang auf deutschen Festivals miterleben durfte, waren die einschlägigen Onlinevotings, mit denen eine Nachwuchsband freitags um 12 auf der Main Stage vor 20 Leuten spielen durfte. Was bedeutete: Die Band, die die meisten Freunde motivieren konnte, gewann.

Ich weiß nicht ob es am fortschreitenden Alter meinerseits und somit auch meiner Freunde liegt, aber es gibt meiner Erfahrung nach immer mehr Unzufriedenheit ob der Line-Ups von Festivals. Vielleicht auch wegen der abstrus gestiegenen Kosten igeln sich die Veranstalter umso mehr ein, was man in Haldern sehen kann – da blockte man letztes Jahr jegliche Kritik ab und bestätigte den zugkräftigen Headliner Maximo Park erst, als alle Tickets weg waren.

Aber gerade für kleine Festivals könnte das doch eine Möglichkeit sein, sich hervorzutun: Indem man transparent ist wo es nur geht und sich den Vorschlägen öffnet. Ich will nicht sagen, dass das bislang nicht so ist, aber es wird nicht kommuniziert. Gut möglich, dass die Halderner in ihrem Stammtisch mitlesen, die Immergutler im Forum rumgucken, aber es merkt doch keiner. Und wenn doch, gibt es einsilbige Kommentare. Diese Möglichkeit der Kommunikation auf gleicher Ebene ist doch das, was Twitter gerade so attraktiv macht (wo das Download Festival übrigens auch vertreten ist).

¹ Wir können gerne eine Qualitätsdebatte über das Line-Up starten, für mich sind da aber einige Schätze bei. Karma To Burn zum Beispiel.

Überraschungsfest der Rockmusik

Man sollte es kaum für möglich halten, aber ich schreibe mal etwas über die großartigen Constantines, das nicht vollständig lobhudelnd ist.

Die Constantines haben eine neue EP namens “Too slow for love” veröffentlicht, die man via iTunes und co kaufen kann.  Drauf sind sieben Songs:

1. Young Lions (Shine A Light)
2. Shower of Stones (Kensington Heights)
3. Conductor (Tournament of Hearts)
4. Our Age (Kensington Heights)
5. Strange Birds
6. Do What You Can Do (Kensington Heights)
7. I Will Not Sing A Hateful Song (Kensington Heights)

In Klammern jeweils das Album, auf dem dieser Song eigentlich vertreten ist. Strange Birds ist eine Coverversion von Jon Langford & The Sadies. Alle Songs sind zurückhaltender instrumentiert als in der Originalversion, ein bisschen als hätte man eine Unplugged-Session doch noch eingestöpselt. Der Song an sich steht deutlicher im Vordergrund als der Sound, das ist so ungefähr die Marschrichtung. Leider funktioniert das nur einmal so richtig: Bei der Akustikversion von “Our Age”, die auch völlig ohne die große Instrumentierung toll ist. Die restlichen Versionen fallen dagegen doch ab. Eine Ergänzung ist “Too slow for love”, aber grundsätzlich höre ich jeden einzelnen der Tracks lieber in der Originalversion. Schade drum.

That’s just love

Eine der dringendsten, aber fast nie laut gestellten Fragen der Popmusik, ist ja, warum die Sänger oft so traurig sind, obwohl sie so viel haben: Einen tollen Beruf, Groupies, oder ganz grundsätzlich: Jeden Tag genug zu essen. Conor Oberst ist so einer, der fast alles hat, aber trotzdem ehrlich, aufrichtig und großartig oft genug seine Trauer in Songs artikuliert.

Aidan Moffat ist da anders. Der ist einem größeren Kreis von Eingeweihten durch seine Zusammenarbeit mit Malcolm Middleton unter dem gemeinsamen Namen Arab Strap bekannt und erfuhr dort durchaus große Anerkennung. Die reicht ihm aber anscheinend nicht, also hat er noch eine Band. Die nennt sich Aidan Moffat & The Best-ofs und hat nun mit „How to get to heaven from Scotland” ein, man kann das ruhig so bezeichnen, Konzeptalbum über Liebe geschrieben. Und mit „Über Liebe“ ist hier nicht gemeint, verflossenen Romanzen nachzutrauern, Mädchen anzuschmachten die man nie bekommen wird oder so etwas. Nein, hier geht es um die gute, die schöne Liebe, die gut zum gerade beginnenden Frühling passt.

Das beginnt ganz programmatisch mit dem Opener „Lover’s Song“, der musikalisch in die Irre führt, beginnt er doch A Capella und wird bis zum Ende nur von einer etwas verirrten Gitarre und einer omnipräsenten Beat Box begleitet. Womit wir es hier zu tun haben? Dennoch mit glasklarem Folk Pop. Den gibt es für die restlichen 35 Minuten und 12 Sekunden zu hören mit einer derart wechselnden Instrumentierung, dass es eine wahre Freude ist, an die schon rein quantitativ vielleicht gerade noch „Lifted“ des oben erwähnten Conor Oberst bzw. seiner Bright Eyes herankommt. Akkordeon, Bongo-Trommeln, Banjo, und so weiter.

Es ist schwierig, fröhliche Liebeslieder zu schreiben, die nicht völlig kitschig wirken. Die Magnetic Fields mussten das mit dem Konzeptalbum „69 Lovesongs“ schon im Jahr 2000 erfahren, Aidan Moffat war sich dessen wohl bewusst. Und er hat es geschafft, sämtliche Peinlichkeiten zu vermeiden und trotzdem ehrliche, ergreifende Texte zu verfassen. Derjenige, der bei „You punched me in the ear / So I threw you on the bed / I threw a grapefruit at your head and I have never loved you more” keinerlei Gefühlsregung zeigt, der sollte mal zum Arzt gehen.

“How to get to Heaven from Scotland” ist ein kleines Meisterwerk geworden. Klein, weil es sich in Understatement übt, nicht die große Bühne sucht, sondern wirkt, als hätte da jemand eine sehr, sehr schöne Zeit mit vielen seiner Freunde verbracht, die zudem auch noch alle Instrumente beherrschen und ein paar der schönsten Background-Chöre der jüngeren Folkgeschichte zustandebringen. Davon darf sich auch Conor Oberst, ungeachtet all seiner Verdienste, zwei fingerdicke Scheiben abschneiden.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei campus-web.de erschienen.

List und Tücke

Eigentlich eine Überraschung, dass ich zwei CDs mit Lieblingsliedern von 2008 vollgekriegt habe, denn eigentlich war das ein bemerkenswert musikloses Jahr für mich – ein Trend, den ich jetzt umzukehren versuche. Jedenfalls erstmal die Tracklist:

1. 3OH!3 – Holler Til You Pass Out (4:10)
2. The Verve – Love Is Noise (5:29)
3. Tomte – Der letzte große Wal (3:57)
4. The Gaslight Anthem – The ‘59 Sound (3:09)
5. Biffy Clyro – Mountains (3:22)
6. Foals – Electric Bloom (4:55)
7. Constantines – Our Age (3:39)
8. Fleet Foxes – White Winter Hymnal (2:27)
9. Scarlett Johansson – Falling Down (4:55)
10. Coldplay – Lost! (3:55)
11. Peter Fox – Alles neu (4:20)
12. We Are Scientists – Chick Lit (3:53)
13. Weezer – Pork And Beans (3:08)
14. MGMT – Electric Feel (3:43)
15. Luetzenkirchen – 3 Tage Wach (5:22)
16. Mr. Oizo – Positif (2:51)
17. Sebastian – Ross Ross Ross (3:22)

1. Kaiser chiefs – never miss a beat (3:08)
2. Raconteurs – Salute Your Solution (2:59)
3. Nick Cave And The Bad Seeds – Dig, Lazarus, Dig!!! (4:11)
4. The Ting Tings – Great DJ (3:24)
5. Oasis – Bag It Up (4:40)
6. Fall Out Boy – I Don’t Care (3:37)
7. Sport – Vergiss die Weltformel (5:13)
8. Rancid – Ben Zanotto (2:02)
9. HADOUKEN! – Crank It Up (3:00)
10. Death Cab For Cutie – I Will Possess Your Heart (8:25)
11. polarkreis 18 – Allein Allein (4:02)
12. Metallica – That Was Just Your Life (7:08)
13. Wolf Parade – California Dreamer (6:02)
14. Get Well Soon – Born Slippy (Nuxx) (4:53)

Es hat sich schon jetzt wieder etwas daran geändert, Santogold hätte ich gerne drin, aber der Sampler ist jetzt zu. Und irgendwann setze ich mich mal an das Mammutprojekt, von jedem Jahr seit 1995 einen Doppelsampler zu machen, auf CD 1 meine Lieblingslieder des Jahres damals und auf CD 2 meine Lieblingslieder des Jahres von heute. Puh.

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