Gefunden.
Felix Ehring hat für Spiegel Online einen Artikel über seine Studienzeit verfasst, den man dort für lesenswert genug hielt, um ihn groß am Anfang der Seite zu platzieren. Es mag alles wahr sein, was Ehring dort schreibt, immerhin ist es ein Erfahrungsbericht seiner Zeit an der Universität Hamburg (die er im Artikel gewissenhaft verschweigt), aber er gibt halt auch nicht die ganze Wahrheit wieder. Und auch wenn ich oft über mein Studium, die Uni, die Bürokratie motze, gefällt es mir hier doch. Und viel läuft richtig.
Von den sieben Kommilitonen, die ich in der Orientierungseinheit kennen lernte, habe ich bald niemanden mehr auf dem Campus gesehen.
Ein Vorteil, möglicherweise, ist tatsächlich die Umstellung auf Bachelor/Master. Die Leute, die ich bei den Orientierungsveranstaltungen kennenlernte, waren alle noch später in meinen Seminaren, saßen mit mir in Vorlesungen, hatten zur selben Zeit Mittagspause in der Mensa wie ich. Nachteil: Kontakt mit älteren Semestern fällt ziemlich flach. Aber das muss auch nicht unbedingt schlimm sein.
Ebenso unvergessen sind die Sprechstunden bei Dozenten. Viel zu oft stand ich zur Sprechstundenzeit vor einer verschlossenen Bürotür.
Ich weiß nicht, wie das andere handhaben, und auch bei meiner Schwester habe ich erlebt, wie sie stundenlang wartete, um ihr Hausarbeitsthema abnicken zu lassen, aber bei mir lief es bislang immer so: eMail an den Dozenten mit Grund der Besprechung, Antwort mit Terminvorschlag, Bestätigung, okay. Keine Wartezeit, dafür ein aufgeräumter Dozent der unter Umständen sogar mal Kaffee anbietet.
Überhaupt, die Bürokratie an der Uni: Bei uns ist sie auch furchtbar, und das gleich am Anfang. Nur so aus dem Kopf: Von Mitte September bis Mitte Oktober zum Studienstart muss ein Neustudent folgendes in den Uniämtern in Bonn hinter sich bringen: Einschreibung Haupt/Nebenfach, Anmeldung Bibliothek, Anmeldung in beiden Fachinstituten, Kauf Mensakarte, Kauf Kopierkarte, Bewerbung um Lehrveranstaltungsteilnahme, Anmeldung der zugelassenen Lehrveranstaltungen, Anmeldung zu den Prüfungen in den Lehrveranstaltungen, Anmeldung zur Bachelorprüfung.
Wobei sich auch das schon entspannt hat nach den Erfahrungen mit uns als erstem Jahrgang, zumal jetzt schon viel elektronisch läuft – in unserem ersten Semester lief das alles noch über Papier, und wenn man sich im magischen Dreieck Bonns zwischen Hauptgebäude, historischem Seminar und Prüfungsamt auskennt weiß man, dass hier schon einige Kilometer abgelaufen wurden.
Aber das ist alles am Anfang. Und danach geht fast alles beei den üblichen Unigängen oder gar von zuhause aus. Der einzige wirkliche, reelle Kontakt mit Bürokraten (wertungsfrei) geschieht bei der Anmeldung der Bachelorarbeit, so what.
Ansonsten kann man sich auch an einer “Massenuni” (Bonn hat ca 30.000 Studenten) seines Studiums freuen: Es gibt umfangreiche Bibliotheken, namhafte Dozenten, viele freiwillige Angebote, speziell hier ein traumhaftes Unigelände und eine Liste mit früheren Absolventen, die sogar kritische entfernte Verwandte noch zu beeindrucken vermag. Das ist doch was.
Semesterferienende
Uns Studenten wird ja immer nachgesagt, wir hätten zuviel Ferien. Mag durchaus sein. Der Eindruck, wir hätten da drei Monate lang nichts zu tun ist aber definitiv falsch. Rechne ich mal hoch, hatte ich vielleicht 10 Tage wirklich frei. Der Rest der Zeit splitterte auf in Bewerbungsgespräche (eins erfolgreich), Hausarbeit schreiben (sehr erfolgreich), Arbeit für Campus Web (interessant), Spülmaschine reparieren (Desaster), neue Spülmaschine aussuchen (noch kein Ergebnis), Klausuren schreiben (okay), mit Unibürokratie klarkommen (furchtbar) und zwei Mal zum Fußball gehen (0 Punkte). Jetzt ist Ostern, und ich fahre das erste Mal in den Heimaturlaub nach Wesel, für vier Tage. Und danach geht das Semester wieder los. Ich möchte gar nicht meckern, eigentlich freue ich mich auch, dass ich wieder einen geregelten Tagesablauf habe.
So. Völlig irrelevanter Content hier. Yay.
Fernsehtipp
Kurz und kurzfristig: Heute bei Menschen bei Maischberger zum Thema “Glaube statt Gier: Kommt die religiöse Wende?” zu Gast: Mein besonderer Freund Nathanael Liminski, den ich jetzt allerdings auch recht lange nicht mehr in der Uni gesehen habe. Ich gucke mir das jedenfalls an.
Basis. Basisgrütze II.
Kleiner Nachtrag zum vorherigen Eintrag: Heute wurde einem meiner Kommilitonen (hasse das Wort) die Teilnahme an einer Klausur verweigert, weil das System ihn nicht als ordnungsgemäß angemeldet führte. Warum, weiß keiner.
Basis. Basisgrütze
Wir in Bonn haben ein tolles Onlinesystem, Basis genannt. Mit diesem System soll und muss alles möglich sein. Wir melden uns dort für Lehrveranstaltungen an, die wir vorher im dort laufenden Vorlesungsverzeichnis ausgesucht haben, belegen Seminare, melden uns für Prüfungen an und ab und erfahren dort unsere Noten, die dort verbucht werden und für Bachelor/Master-Leute quasi die Scheine ersetzen.
Man ahnt es: Theoretisch ist das so.
Praktisch ist es kein Wunder, dass es im Impressum heißt:
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Das System ist für den absoluten Idealfall designt. Also den Studenten, der all seine Klausuren im ersten Versuch besteht, niemals sein Fach wechselt und immer per eMail erreichbar ist. Das dürften ungefähr 10% der Studenten in Bonn sein. Der Rest hat Probleme.
Das fängt mit einem Freund von mir an, der zum 5. Semester sein Hauptfach wechseln musste – da das System so etwas nicht vorsieht, steht nun auch im Nebenfach das Fachsemester “1″ im Studentenausweis – was wiederum bedeutet, dass er sich nicht für seine Seminare im Nebenfach bewerben konnte, weil die ja für das 5. Fachsemester vorgesehen waren. Ein anderer Bekannter wechselte ebenfach das Hauptfach, wurde aber mit der selben Begründung für ebenjenes Hauptfach direkt ins 5. Semester eingestuft, so dass er dort seine Einführungsveranstaltungen nicht belegen konnte.
Eigentlich ja kein Problem, sollte man meinen, geht man halt zum Dozenten und klärt das persönlich. Jedoch: Wer nicht digital in den Veranstaltungen verbucht ist, kann auch die Prüfungen nicht verbucht bekommen und ist damit für das Prüfungsamt nie in diesen Veranstaltungen gewesen. Um also doch geregelt studieren zu können, muss man eine Ochsentour durch Ämter, Dekanate und Dozentensprechzimmer absolvieren.
Dazu kommt, dass das System unglaublich kompliziert ist, nicht nur für Studenten, sondern auch und gerade für Dozenten, also zum Teil schon emeritierte Professoren. Die müssen schriftlich TAN-Listen beantragen, um Studenten für Lehrveranstaltungen und Klausuren freizuschalten und deren Noten einzutragen. Die müssen sich drei Kennziffern für Veranstaltungen merken (Modul => Lehrveranstaltung => Prüfung), und diese telefonisch weitergeben – die Fehlerquote ist wahnsinnig hoch. So dürfte ich mich am Ende dieses Semesters in einem Modul für eine Prüfung in Seminar A (Dozentin X) oder B (Dozentin Y) entscheiden, anmelden kann ich mich aber nur für die Prüfung in Seminar A – bei Dozentin Y. Verstehen tut das keiner, Dozenten verlangen regelmäßig nach Screenshots, weil sie gar nicht wissen, wie das System von Studentenseite aussieht.
In den Anmeldungen zu Lehrveranstaltungen tauchen teilweise haarsträubende und studienzeitverlängernde Bugs auf – so passierte es in diesem Semester einigen Geschichtsstudenten, dass sie nun, kurz vor Semesterende, merkten, dass sie vom Basis-Portal aus einer Pflichtvorlesung einfach herausgeworfen worden waren. Nur sehr viel unbürokratische Hilfe und einige Überstunden der Verantwortlichen dürften das nun ausbügeln.
Der Anlass für das aktuelle Auskotzen ist aber der, dass sich bei mir wundersam die Module vervielfachen. Nicht, dass es meinen Schnitt verschlechtern würde, aber mein Modul im Lateinkurs habe ich NICHT drei Mal vollständig absolviert – das wäre immerhin der Leistungspunktumfang meines gesamten Nebenfaches – nein Stop, mehr als das, denn ein Modul im Nebenfach wird mir trotz auch im System bestandener Prüfung hartnäckig nicht verbucht.
Es ist furchtbar. Morgen wird das kommentierte Vorlesungsverzeichnis freigeschaltet, und dann geht es wieder rund.
Zeitreisen
Bei Google ist das Fotoarchiv von LIFE online verfügbar. Stöbern lohnt sich.
Und zwischendrin findet man dann auch Dinge wie meine Universität. Vor 60 Jahren. Uff.
Geschichte erleben
Man liest die Akte, sie sieht fast aus wie ein normales Schreiben von jedem Amt, etwas älter vielleicht, die Sprache, die Wörter, alles kennt man von heute. Und dann rechts unten ein kleiner Vermerk
Über den Josef S. ist wegen des Verdachts staatsfeindlich (sic) Betätigung die Postkontrolle über alle Briefsendungen bis zum 1. 3. 1941 notwendig.
Ach, Opa.
You are not your generation
Manchmal liegt alles so nah beieinander. Heute eine Gefühlsachterbahn. Frühaufstehenblues, dann im Supermarkt von einem Kleinkind angestrahlt werden und alles ist gut. Eine schlechte Note für ein für gut gehaltenes Projekt bekommen und dann Kensington Heights das erste Mal auf Vinyl hören. Bitte, kaufen.
Hochschulpolitikverdrossenheit
Sollte ich jemanden denken, der mal Spitzenpolitiker wird aus meiner Generation, dann würde ich Nathanael Liminski sagen. Der war vor ein paar Monaten bei Frau Maischberger zu Gast und begegnete den Sexualprovokationen von Lady Bitch Ray mit entschiedener Höflichkeit und gewisser Arroganz. Nebenberuflich studiert er Geschichte, Jura und Politik in Bonn und ist mir somit auch schon einige Male über den Weg gelaufen, hat das komische Jugendnetzwerk “Generation Benedikt” gegründet und ist, offenbar in Vollzeit beschäftigt, das achte von zehn Kindern des überzeugten und bekannten Katholiken Jürgen Liminski, der Mitglied von Opus Dei ist.
Da das noch nicht genug ist, sitzt Liminski für den RCDS im Hochschulparlament der Uni Bonn, und weil niemand Politiker werden darf, der nicht handfesten Blödsinn plappert, hat auch Liminski sich jetzt einen Fauxpas geleistet, der mich, ob seiner sonstigen Souveränität, doch ziemlich sprachlos gemacht hat. In einer Sitzung ging es nämlich um die von einem Mitarbeiter des AStA veruntreuten mehreren tausend Euro, und als Jonas Bens von der Linken feststellte, der AStA selbst sei Opfer dieser Straftat, ließ sich Liminski laut anderer Parlamentsmitglieder zu folgendem Zwischenruf hinreißen: “Jaja, lasst uns ein Opferdenkmal bauen, am besten in Berlin!”.
Dennoch: Hiermit sei auf ewig ins World Wide Web geschrieben: Herr Liminski wird mal ein bekannter Politiker. Und ich sitze dann in meiner Zweizimmerwohnung und kann sagen: Ich habe den schon scheiße gefunden, da habt ihr noch gedacht, schlimmer als Schäuble gehts nicht mehr.
Ramparts
Lange nichts passiert hier. 23 Tage, hossa. Also ein kurzer Überblick dessen, was ich gemacht habe
1.Das Semester medioker, das heißt: langweilig, abgeschlossen
2. Noten lesen gelernt, was man als Musikwissenschaftler im dritten Semester doch können sollte
3. Meine Kenntnisse über die Goldhagen-Debatte aufgefrischt und enorm erweitert
4. Sämtliche Bücher von Christoph Biermann (nochmal) gelesen (danke, liebe Unibibliothek!)
5. Die Oscar-Verleihung geguckt und um vier Uhr eingeschlafen.
6. Böll gelesen und mir einen Creative Writing-Ratgeber besorgt. Nur so aus Interesse.
Morgen geht es nach Essen zu dem, was man gemeinhin ein 48-Stunden-Besäufnis nennt. Mit den zwei besten Freunden das, was ich gemeinhin Nostalgie nenne, ins neue Jahrtausend zu transportieren und Adoleszenz-Narben zu vergleichen.
Bis dahin: Meine private U21-Weltauswahl. Obwohl ich 4-3-3 eigentlich nicht mag.
