Aus den Augen, aus dem Sinn

Die versammelten Berichterstatter freuten sich am vergangenen Samstag, dass Christoph Daum zurück in der Bundesliga ist – als hätte er nicht auch in Liga 2 schon genug weithin sichtbaren Staub aufgewirbelt. Dazu kam mit Petit ein Spieler, der mit den Attributen “Toller Transfer” und “Portugiesischer Nationalspieler” aus dem Mund von Herrn Delling noch völlig unzureichend beschrieben wird. Dabei ging der sportliche Rest des letzten ersten Liganeulingsspieltages ziemlich unter.

Der 1. FC Köln begann mit dieser Aufstellung:
---------Radu-----Novakovic------
-----Broich---Antar---Brecko-----
--------------Petit--------------
--Womé--Mohamad---Geromel--Özat--
------------Mondragon------------

Aufgrund der überragenden Präsenz von Petit wich Daum von seinem Konzept der Doppelsechs ab und ließ Roda Antar etwas weiter nach vorne rücken, von wo er defensiv als Hindernis fungieren und offensiv die Angriffe einleiten sollte. Broich als Rechtsfuß auf dem linken Flügel sollte vor dem Strafraum offenbar nach innen ziehen und mit Fernschüssen für Gefahr sorgen, zumal bei Abprallern mit Novakovic ein begnadeter Knipser für den zweiten Ball zur Verfügung stand.

Doch es kam alles ganz anders. Wolfsburg war in der Anfangsphase noch mit sich selbst beschäftigt, zumal mit Grafite die erste Anspielstation in der Offensive wegen einer Sperre fehlte, am “Marcelinho-Ersatz” Misimovic lief das Spiel weitgehend vorbei. So konnte der FC teilweise ein recht ansehnliches Kurzpassspiel aufbauen, das aber meist in der recht gut funktionierenden Innenverteidigung der Wolfsburger endete. Nicht so in der zwanzigsten Minute: Eine Flanke vom agilen Ümit Özat war für den frei stehenden Neuzugang Radu etwas zu hoch, landete aber nicht im Toraus sondern trudelte an der Linie entlang, wo sich der Rumäne den Ball zum zweiten Mal holte und, wahrscheinlich selbst von der völligen Bewegungsfreiheit überrascht (der in der Halbzeitpause ausgewechselte Zaccardo stand über sein gesamtes Spiel völlig neben sich), in die Strafraummitte flankte. Dort konnte Novakovic dann fast ebenso freistehend einköpfen, was den Mythos, er sei ein typischer kopfballstarker Mittelstürmer weiter befeuern dürfte – dabei ist er ein einfach weit zu groß geratener Techniker, der immerhin mit seinen langen Beinen ziemlich schnell unterwegs ist.

Mit dem 1:0 stellte die Mannschaft dann aber ihre bis dahin energischen Offensivbemühungen fast vollends ein, während Wolfsburg keinerlei Mittel fand, bis in den Strafraum vorzudringen, weswegen ein viel zu hoch angesetzter Distanzschuss von Marcel Schäfer und ein wenig zwingender Kopfball von Dejagah die einzigen Möglichkeiten der Favoriten in der ersten Hälfte waren.

Zur zweiten Hälfte kamen dann der starke Riether für Zaccardo und für den rechts defensiv spielenden Hasebe der rechts außen bis zentral offensiv spielende Mahir Saglik, der vor der Saison auch in Verhandlungen mit dem FC stand. Mit zwei Spitzen spielte Wolfsburg deutlich besser und konnte auch schnell die FC-Abwehr überwinden: Mit seiner ersten Gelegenheit von linksaußen scheiterte Saglik noch im Eins gegen Eins an Mondragon, der zweite Versuch war dann drin. Eine lange Flanke von links an den rechten Strafraumrand fand Dejagah, der mit einer simplen Körpertäuschung Womé austanzte, welcher auf Riether passte, dessen Schuss Mondragon unglücklich genau auf den abstaubenden Gentner abwehrte. Ohne eine Diskussion lostreten zu wollen: Ein jüngerer Torwart als der 37-jährige Kolumbianer wäre vielleicht mittlerweile wieder oben gewesen und hätte den nicht sonderlich ausgebufften Schuss abgewehrt.

Hatte Womé bisher nur eine schlechte Partie abgegeben, wurde es jetzt problematisch. Für eine abstruse Tätlichkeitsschwalbe von Mahir Saglik, der einen Ellenbogenschlag vortäuschte, bekam der Neuzugang von Werder Bremen die gelbe Karte, und jetzt ging es bergab. Womé ließ sich vom Eingewechselten ein ums andere Mal düpieren, und die anderen Wolfsburger verstanden das als Aufforderung, es hauptsächlich über links zu versuchen, so auch Dejagah, der dem Kölner in lockerem Sprint einige Meter abnahm und das Tor nur knapp verfehlte. In dieser Zeit durfte Mondragon sich auf der Linie ein ums andere Mal auszeichnen, worauf er allerdings auch gerne verzichtet hätte.

In der 78. Minute passte Dejagah mal wieder von links einen Lupfer auf den rechtzeitig startenden Misimovic, während Womé einfach stehenblieb, Misimovic lief in den Strafraum, Mondragon spekulierte auf einen Querpass und der neue Zehner schob einfach ein – so kann man auch als Torhüter mal richtig blöd aussehen.

Blieb nur noch die mit allen medialen Ehren bedachte Tätlichkeit des überforderten Linksverteidigers, der Dejagah seinen Ellenbogen mitten ins Gesicht streckte und ohne ersichtlichen Grund von einer roten Karte verschont blieb, die sicher im Laufe der Woche noch nachgereicht wird. So immerhin bleibt Daum die Verlegenheit erspart, einen seiner wenigen namhaften Spieler direkt mal auf die Bank zu setzen. Es ist zu hören, dass Brecko, mal wieder ein Rechtsfuß, seine Rolle übernehmen wird, die Position im rechten offensiven Mittelfeld wird dann wohl Nemanja Vucicevic übernehmen, der gegen den Ruf zu kämpfen hat, ein Vorbereitungsweltmeister zu sein, der in der Saison dann völlig abtaucht.

Dennoch gab es einiges Positives zu vermelden – Petit ist die erhoffte, stark präsente Verstärkung auf der Sechs, Radu versprüht ziemlichen Elan, ohne auch nur ein Fünkchen eingespielt zu sein, und Geromel könnte für die erste Liga das sein, was Mohamad letzte Saison war: Der beste Innenverteidiger seit langer, langer Zeit, ein Lichtblick und Ruhepol der Abwehr – und das mit nur 22 Jahren. Wolfsburg durfte man ohnehin getrost als Nullpunktespiel einrechnen, wichtig wird es am Sonntag gegen Frankfurt, danach in Karlsruhe und später gegen Cottbus. Dass dazwischen Bayern und Schalke liegen, geschenkt. Sieht man sich die Fanreaktionen in den Foren an, bemerkt man einen bemerkenswerten und wohltuenden Realismus, der sich überlegt, wo man wohl die 40 Punkte kriegen könnte. Ich allerdings rechne mit weniger Nötigem zum Klassenerhalt, erst Recht durch die Einführung der Relegationsspiele. Zweifelhaft allerdings bleibt die Offensivleistung, Roda Antar tauchte zumeist völlig ab, Broich rannte sich ein ums andere Mal auf der linken Seite fest, dort erinnert er an den frühen Philipp Lahm, viel zu offensichtlich ist in Zweikämpfen, dass er nie bis zur Grundlinie geht. Vielleicht sollte man dort doch mal einen Linksfuß einsetzen, auch wenn Adil Chihi am Samstag hauptsächlich durch seine indiskutable Frisur auffiel. Aber Sonntag geht es weiter, und dann bin ich zuversichtlich.

Nachlese Bayernspiel

Eine Krankheit der letzten Jahre scheint zu sein, Testspiele davor und danach systematisch kleinzureden – mal abgesehen von den Ticketeinnahmen, wozu sollen die denn gut sein, wenn man daraus nichts ablesen kann? Man konnte nämlich einiges sehen.

Vorneweg: Das Spiel war ziemlich mies. Beide Mannschaften taten sich in Sachen Laufbereitschaft nicht sonderlich hervor, und gerade bei den Bayern hatte ich fast durchgehend den Eindruck, wenig Konkurrenzkampf zu verspüren – Spieler wie van Bommel, Lahm und Lucio spulten etwas ab, was man kaum noch Pflichtprogramm nennen konnte – stark waren nur der unauffällig aber souverän spielende Ottl, der ziemlich frei wirkende Kroos und Hamit Altintop, der seine Position in der Nationalmannschaft offenbar auch beim FC Bayern dahingehend interpretiert, mal ins Zentrum zu ziehen und da die Bälle zu verteilen.

Der 1. FC Köln startete mit einem modernen 4-2-3-1, und das weniger aus taktischer Überzeugung und mehr aus der Erkenntnis heraus, bei einem dauerverletzten Ishiaku nur einen echten zentralen Stürmer zu haben. Die Aufstellung:
-----------Novakovic------------
--Ehret------Antar------Brecko--
---------Matip--Pezzoni---------
--Womé--Geromel--Mohamad--Özat--
-----------Mondragon------------

Dieses Prinzip ging insofern auf, dass man somit sage und schreibe neun Feldspieler aufbot, die offiziell als Abwehrspieler deklariert sind. Bei Ballbesitz Bayern hatte man mit Womé und Ehret auf links und Brecko und Ümit rechts jeweils gleich zwei Außenverteidiger, dazu konnte Roda Antar, vor einem Jahr als defensiver Mittelfeldspieler geholt und jetzt eher auf der 10 vorgesehen, im Zentrum aushelfen – Milivoje Novakovic durfte dann in Nähe der Mittellinie auf die aus dem letzten Jahr so vertrauten hohen Steilpässe warten, was Uli Hoeneß offenbar nicht so lustig fand.

So dümpelte das Spiel, abgesehen von einigen Zufallschancen wie dem abgefälschten Innenpfostenschuss von Klose in der ersten Halbzeit größtenteils vor sich hin, weil die Bayern absolut keine Wege fanden, hinter diese zwei FC-Viererketten plus Antar zu kommen, die sich schnell vor dem eigenen Strafraum massierten, sobald sie den Ball verloren hatten.

In der zweiten Halbzeit wurde es dann merklich besser, die Spieler wurden auf beiden Seiten müder und angesichts des Regens wohl auch lustloser, was Räume eröffnete. So konnte sich Brecko offensiv gegen den eingewechselten Jansen deutlich öfter durchsetzen, auch weil Kroos von links oft nach innen zog und sich dort vier zentralen Abwehrspielern gegenübersah und er ansonsten auf dem Flügel vom gegenüber der letzten Saison nicht mehr wiederzuerkennenden Ümit Özat, teils recht ruppig, gestoppt wurde. In der FC-Offensive wurde dann einmal durchgewechselt, auf Linksaußen durfte Neuzugang Sanou ran, für Antar kam Broich auf die 10, die er sich mit Nachwuchstalent Taner Yalcin teilen durfte, der nominell für Fabrice Ehret eingewechselt wurde, sich aber mit Broich in Offensiv- und Defensivarbeit abwechselte. Broich gehörte somit auch zu den besseren Akteuren der letzten halben Stunde und leitete das ein, was mit einem echten Zentralstürmer das 1:0 geworden wäre: Kurz nach den Wechseln flankte Broich vom linken Strafraumeck so sauber und intelligent, wie das in Köln im vergangenen Jahr nur er hin bekam auf den für Novakovic gekommenen Chihi, der völlig frei vor Rensing zum Kopfball kam und diese Vorlage nicht verwerten konnte – wie auch, als eigentlich eher trickreicher Flügelstürmer. Ansonsten gab es nur noch recht wenig zu sehen, einen schönen Distanzvolleyschuss von Brecko, der offenbar auch mit dem linken Fuß etwas anfangen kann und einen kleinen Wackler von Rensing, den man allerdings auch dem nassen Ball ankreiden kann.

Ansonsten bleibt noch anzumerken, dass Geromel ganz offenbar schon recht gut mit Mohamad harmoniert, Womé bei entsprechender Fitness endlich die klaffende Lücke links hinten schließen könnte, Matip als defensiver Mittelfeldspieler nur dann taugt, wenn er als Sonderbewacher eingeteilt wird, ihm aber verboten werden sollte, sich im Spielaufbau zu versuchen – am besten bleibt er mit dem gewonnenen Ball stehen und wartet bis sich Antar ebenjenen abholt. Novakovic ist als begnadeter Konterstürmer noch nicht richtig ins Spiel eingebunden, Fabrice Ehret in Normalform nicht geeignet, auf dem linken Flügel für Gefahr zu sorgen. Und Mondragon, entgegen Jürgen Kohlers merkbefreiten Gemunkel, die sicherste FC-Nummer 1 der letzten Jahre. Das Spiel war nicht attraktiv, aber nur selten schwamm die Kölner Mannschaft. Das macht Mut, und ansonsten: Mit 34 torlosen Unentschieden wäre man in den letzten Jahren auch nie abgestiegen.

Videozusammenfassung des Spiels

Vorbereitungsendspurt

Morgen betritt der FC endlich wieder die Bühne nationaler Aufmerksamkeit und spielt, live von Sat 1 übertragen, ein Testspiel gegen den FC Bayern München beziehungsweise wohl dessen Zweit- bis Drittgarde aus. Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

1. Die Testspiele lassen keinerlei Schluss auf das tatsächliche Potenzial der Mannschaft zu – Topeinkäufe wie Ishiaku waren dauerverletzt, beim überragenden Nemanja Vucicevic ist man nach einer mehr als verkorksten Debütsaison misstrauisch, zudem ging es auch in den Ergebnissen auf und ab, was Christoph Daum mit wirren Erklärungen zum Konditionstraining begründete.

2. Es läuft offenbar auf zwei variable Systeme hinaus, ein klassisches 4-4-2 mit Doppelsechs und ein 4-2-3-1, je nachdem wieviele unserer zwei klassischen Stürmer verletzt sind. Definitiv fehlt noch ein defensiver Mittelfeldspieler, auch wenn diese Rolle in den Testspielen durchaus erfolgreich von Brecko, Geromel und sogar Tarnbrasilianer André ausgefüllt wurde – für Erstligaansprüche genügt das dennoch nicht.

3. Vorne hakt es nicht zuletzt aufgrund der verletzungs- und disziplininduzierten Ausfälle von Novakovic, Ishiaku und Antar gewaltig, dafür wurde die Defensive ordentlich verstärkt, auch wenn Womé sogar in Verlautbarungen seitens des Vereins noch als weit hintenliegend beschrieben wird. Ist ja auch kein Wunder, der hat letzte Saison kein einziges Ligaspiel gemacht.

4. Von überall her wird gekrittelt, dass der Kader nur noch aus Ausländern bestünde. In der ersten Elf sieht es außer Broich auch tatsächlich mau aus, aber: Die meisten Spieler können Deutsch oder lernen es wie Ümit (der mein heißester Tipp für die Überraschung der Saison ist) fleißig, und von hinten rückt mittlerweile eine gute Riege an Nachwuchsspielern heran, die im Wiederabstiegsfall schnell ein Gerüst der neuen Mannschaft bilden könnten, und sich ansonsten in den nächsten Jahren definitiv in den Fokus spielen können: Der in der Vorbereitung überzeugend, aus Karlsruhe gekommene U20-Nationalspieler Brosinski, der auf beiden Flügeln einen guten Zug nach vorne besitzt, der mit reichlich “Neuer-Podolski-aber-auf-der-10″-Vorschusslorbeeren aus der U19 hochgezogene Taner Yalcin, der erst 17-jährige Rechtsaußendribbler und Sinkiewicz-Cousin Gardawski und der schon im letzten halben Jahr durchaus überzeugende Kevin Pezzoni. Hinzu kommt mit Thomas Kessler einer, der in spätestens zwei Jahren die Mondragonnachfolge antreten kann.

5. Die Transferpolitik ist noch nicht abgeschlossen, weist aber immer wieder nette Überraschungen auf – heute berichtete der Express, der FC habe bei Gilberto Silva vorgefühlt, der Arsenal mittlerweile Richtung Athen verlassen hat – das spricht für Chuzpe und ein mutiges Verständnis dafür, was man jetzt braucht – Schindzielorze hatten wir genug. In Sachen Nummer 6 noch einmal: der Kicker berichtet von einem Nationalspieler mit Champions League-Erfahrung, der in den nächsten Tagen verpflichtet werden soll. Wir dürfen gespannt sein.

Ebenso gespannt bin ich auf das morgige Spiel. Nächste Woche dann noch ein echter Härtetest gegen den MSV Duisburg, so Gott will bin ich da im Stadion. Ansonsten: Im DFB-Pokal spätestens in der zweiten Runde raus, und dann wird alles gut.

Die Testspiele in der Videozusammenfassung

Gegen Standard Lüttich (3:3):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1980
Gegen West Bromwich Albion (4:1):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1968
Gegen Fortuna Düsseldorf (0:0)
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1922
Gegen Wuppertal (1:1):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1919
Gegen Zilina (1:2):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1865
Gegen Austria Kärnten (2:2):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1849
Gegen Rapid Wien (3:2):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1789
Gegen eine Regionalauswahl (5:0):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1625

Experten bei der Arbeit

Für die Sportbild läuft es im Moment nicht sonderlich gut. Zuerst machte sie zwei mal auf dem Titel mit exklusiven Knallerthemen auf, die noch im Laufe des Mittwochvormittags dementiert wurden und sich als offenbare Erfindungen herausstellten (”Poldi darf für 15 Mio zum FC zurück” und “Geheimplan: Kahn wird Bayern-Berater”), und heute morgen kommt mir die Bundesligaprognose für meinen 1. FC Köln unter die Augen. Und auch wenn es alles Lappalien sind: So richtig vertrauenserweckend macht es die sog. Experten nicht. Fangen wir an mit

Es war kurz nach 23 Uhr, als Christoph Daum an jenem 21. Mai im Kölner Villen-Vorort Hahnwald vor seine Haustür trat und den wartenden Journalisten Großes verkündete.

Wie jedermann im Express-Ticker verfolgen konnte, befand sich Daum zu diesem Zeitpunkt am Geißbockheim und nicht in seiner Villa. Da versuchte Gattin Angelica sicher noch, streunenden Journalisten Hanutas anzudrehen.

Eine Mannschaft zusammenstellen, die Perspektive hat und die einen Rekordetat von 64 Millionen Euro rechtfertigt. Die schließlich Daum bis zum Ende seines Vertrages am 30. Juni 2010 Spaß machen soll.

Eine Quelle nennt die Sportbild für diese Zahlen nicht, sie sind aber zumindest anzuzweifeln – der Verein selbst veröffentlicht keine Etatzahlen mehr, da diese in den letzten Jahren immer wieder sensationsheischend in missverständlichem Kontext gebraucht wurden. Der Express jedenfalls spricht vom schweren Versuch des seriösen Geschäftsführers Claus Horstmann, den Gesamtetat über die 50 Millionen-Marke zu hieven.

Zehn neue Spieler sind da, sechs weg und die Umbaumaßnahmen noch gar nicht beendet.

Zahlen, die ich nicht nachvollziehen kann. Abgänge: Helmes (Leverkusen), Gambino (Koblenz), Alpay (unbekannt) und Suazo (Antalyaspor, war ausgeliehen). Alle mit auslaufenden Verträgen. Angekommen sind: Sanou (Freiburg), Brecko (Hamburg), Womé (Bremen), Geromel (Guimaraes), Ishiaku (Duisburg) sowie der Nachwuchsspieler Brosinski (Karlsruhe), zudem wurden Taner Yalcin und Michael Gardawski von der eigenen U19-Juniorenmannschaft hochgezogen, werden aber wohl hauptsächlich in der U23-Mannschaft zum Einsatz kommen. Wo da jetzt zehn bzw. sechs Spieler sind, kann ich nun wirklich nicht erkennen.

Miso Brecko kämpft noch um seinen Platz. Der Neuzugang vom HSV, in Hamburg meist Ersatzspieler, muss sich gegen Youssef Mohamad und Kevin McKenna durchsetzen.

Der bemitleidenswerte Brecko durfte in der Vorbereitung schon auf vielen Positionen spielen, links, rechts, im defensiven Mittelfeld und machte dabei vor allem durch nahezu perfekte Flanken auf sich aufmerksam. Aber Innenverteidiger? Das ist nun wirklich äußerst unwahrscheinlich. Zumal die Zentrale Mohamad/Geromel erst einmal gesetzt sein dürfte.

Die Abgänge von Patrick Helmes (Leverkusen) und Alpay (Ziel unbekannt) wurden gut kompensiert.

Ob man den Abgang von Patrick Helmes überhaupt kompensieren kann, außer Abermillionen auszugeben, wage ich zu bezweifeln, aber gut. Viel wichtiger: Wäre der Abgang von Alpay jetzt kompensiert worden, hätte Michael Meier so einiges falsch gemacht. Alpay stand zwar noch bis zum 30.6. in Köln unter Vertrag, sein letztes Spiel aber machte er am 20. Mai 2007. Danach durfte er sich bei den Junioren fit halten, wurde aber nicht mehr eingesetzt – ein Wechsel zur Winterpause scheiterte an seiner Einberufung zur türkischen Armee.

Grund zur Sorge bereiten die Positionen im defensiven Mittelfeld. [...] U-20-Nationalspieler Daniel Brosinski aus Karlsruhe ist bislang nur eine Ergänzung

Natürlich kann sich das gerade in seinem Alter noch ändern, aber: Brosinski ist wiederum alles, nur kein Sechser. Und wenn man schon nicht, wie das eigentlich Standard sein sollte, Experte für den Verein ist, über den man schreibt, und sich auch mal ein Testspiel anguckt (geht oft sogar im Internet bei center.tv!), dann könnte man doch wenigstens mal bei transfermarkt.de nachschauen. Und da steht ziemlich wahrheitsgemäß: Mittelfeld Außenbahn. Aber gut, was kümmert das die Sportbild.

Zur Freiheit der Meinungsäußerung (2)

Nachdem Lukas alles nochmal schön zusammengefasst hat und der entsprechende Thread im FC-Brett zum jetztigen Zeitpunkt schon 14 Seiten hat, hat sich der Express dem Thema angenommen und eine Reaktion von Christoph Daum bekommen:

Grundsätzlich bin ich ein toleranter und liberaler Mensch. Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Einige, die gleichgeschlechtliche Beziehungen leben.
Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden. Deswegen arbeite ich auch aktiv bei der Organisation Power-Child.

Das besänftigt die, die schon vorher klammheimliche Zustimmung signalisierten – macht die Sache aber nicht besser. Daum vermengt hier Homosexualität und Pädophilie auf eine Art und Weise, dass es für mich unerträglich ist. So nicht, Christoph.

Nachtrag: Die Daum-Verteidigungslinie in Foren und Blogs scheint zu sein, auf die Meinungsfreiheit im Grundgesetz zu verweisen. Die kennt aber Einschränkungen, zum Beispiel im Recht der persönlichen Ehre. Ich möchte den sehen, der sich nicht als ehrgekränkt bezeichnet, wenn er ohne Anlass in die Pädophilie-Ecke gesteckt wird.

Nachtrag 2: Wenn jetzt Stern online titelt “Daum macht gegen Schwule mobil“, finde ich das allerdings schon wieder reichlich dämlich und der Sache nicht angemessen.

Zur Freiheit der Meinungsäußerung

Kaum ist der Trainerkrimi vorbei, gibt es neue Unruhe beim 1. FC Köln. Bei Queer.de ist unter Bezugnahme auf fussball-kultur.org zu lesen, wie sich in einer am 28. Mai auszustrahlenden DSF-Doku zum Thema “Fußball und Homosexualität” Trainer Christoph Daum äußert:

„Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegen treten, dass gerade die, die sich um diese Kinder kümmern, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen. Und ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen.“

So weit, so schlimm. Daum sieht von Homosexuellen ausgehend eine Gefahr für die Jugend – rückt also den Schwulen per se in die pädophile Ecke. Ich bin gespannt, was da demnächst noch an Dementi, Relativierungen und Rücktrittsforderungen kommt.

Was mich aber ebenso erschüttert sind die Reaktionen im offiziellen Vereinsforum – dort wird der der Fußballagitation nun sicher unverdächtigen Queer-Seite unterstellt, Unruhe in den Verein bringen zu wollen, es wird von normaler Meinungsäußerung geredet, davon dass Toleranz auch die Toleranz gegenüber den Andersdenkenden ist, und ab und an platzt richtige Homophobie heraus.

So schreibt “fcfan44″, 60 Postings:

warum versuchen hier einige schmutz auf CD zu werfen.
der mann ist wegen seiner geschichte geläutert und verdient nicht von einigen lederhosen verunglimpft zu werden.

ich mag übrigens auch keine tucken!

Palmeser, 324 Beiträge:

Ich glaube es geht ,darum,dass Schwule ihre Sexualität in der Öffentlichkeit zeigen.
Würden die Heteros einen CSD machen ,was wäre da los.Alle würden sich empören.Hier geht es sich um den Verfall der Werte und das verkörpern Homos über den Ausdruck der Sexualität.
Steht auf jeden Fall in einer Liga mit Drogen und Gewalt.Und hat auch nix mit Diskrinination zu tun ,worauf Homos gerne aufspringen.

Mettbrötchen, 798 Beiträge:

Political Correctness ist auch eine Form von Faschismus.

Manager78, 2876 Beiträge:

Daum spricht das aus, was Millionen in Deutschland und weltweit Milliarden denken und fühlen.

Barmer Jong, 24 Beiträge:

Es kann ja nicht jeder ein Freund der Homosexualität sein. Ein Fan bin ich auch nicht gerade.

und nochmal:

Es ist doch wohl mein Recht zu sagen, dass ich mit Homosexualität nichts anfangen kann!?

Ein Anekdötchen:

An einer Ampel stehen 2 Schwule, eine Grundschulklasse samt Lehrerinnen, meine Freundin und ich. Die beiden hatten nichts anderes zu tun, als sich mit Zungenküsse zu liebkosen. Kann man das nicht zu Hause machen? Als die Lehrerin sagte, dass sie das nicht toll findet, dies vor den Kindern zu praktizieren, wurde sie von den beiden auch noch beschimpft. Zum Glück wurde es Grün.

Für Homosexualität kann man nichts, aber die Mehrheit der Männer finden es nunmal ekelhaft. Was man privat macht, geht mich nichts an und ist mir auch egal, auch bei Schwulen, aber in der Öffentlichkeit muss das nicht sein.

und nochmal:

Männer finden lesbische Frauen immer erotisch, wenn sie nicht zu burschikos sind. Ist zwar im Prinzip das gleiche, aber da Männer nunmal Männer sind und Homosexualität unter Männern nicht normal ist, assozieren Männer nunmal Abscheu. Ich hab noch nie nen Hetero sagen hören: Schwulenpornos sind geil. Bei Lesbenpornos ist die Sachlage anders

Ich würde das gerne abtun als Idioten. Aber das sind die Leute, mit denen ich vor fast zwei Wochen jubelnd über die Zülpicher Straße gezogen bin. Verdammt.

Sternstunden des Journalismus (1)

Christoph Daum hat für heute seine Entscheidung über den Verbleib beim 1. FC Köln angekündigt. Was ist da also für den Express am Naheliegendsten? Genau! Ein Liveticker von Daums Villa!

Das Problem: Es passiert so gut wie nichts. Deswegen gibt es Soon-to-be-legendary-Tickereinträge:

14:31 10:15 Uhr Daums Ehefrau Angelica bringt den wartenden Journalisten Kaffee und Hanuta

14:45 11:00 Uhr Eine genervte Nachbarin entfernt das Plakat des FC-Fan-Klubs “Wilde Horde” mit den Worten: “Meine Hecke geht kaputt.” und stopft das Plakat in die Mülltonne

14:47 14:40 Uhr Stille im Hahnwald

15:05 Ein weißer Golf fährt vor. Es ist der Zusteller eines Kölner Anzeigenblattes.

15:06 Er legt die neueste Ausgabe vor den Bronzelöwen an der Haustür.

15:48 Die Haushälterin verlässt die Villa erneut.

15:52 “Ich bin´s nur”, sagt Daums Ehefrau Angelica, steigt ins Auto und braust davon. Es war also nicht die Haushälterin.

16:24 Ein Schatten zeigt sich an der Zwischentür aus Milchglas…

16:24 …kommt jemand heraus?

16:25 Nein! Der Schatten verschwindet wieder.

16:30 Ehefrau Angelica kommt zurück und geht, Sonnenbrille tragend, wieder ins Haus.

16:42 Die zweite Kaffee-Lieferung für die Journalisten…

16:52 Grüße an das EXPRESS.DE-Forum!

17:08 Weiterhin tut sich nichts an der Tür. Das Warten geht weiter.

17:10 Der Daum-Thriller dauert jetzt schon siebeneinhalb Stunden.

Hallo Endorphin

Schön dich mal wieder zu sehen.

Hallo?

Am 3. Mai 2005 habe ich in mein vorletztes Blog einen kurzen Eintrag hinterlassen, der heute nicht mehr funktioniert, weil das Bild von Huub Stevens mit soeben aufgestiegenen FC-Spielern aus dem Internet verschwand.

Heute schließt sich der Kreis hoffentlich. Um 14 Uhr ist Anpfiff, um 15:48 Uhr möchte ich bitte ausrasten. Eine Niederlage wäre eine Katastrophe, ein Unentschieden würde diese unerträgliche Spannung noch eine Woche ausdehnen – das macht mein Herz doch nicht mehr mit.

Bitte, Faryd, Marvin, Youssef, Kevin, Ümit, Kevin, Roda, Thomas, Maynor, Milivoje und Patrick, macht mich glücklich, wie ihr noch nie eine Frau glücklich gemacht habt.

Liebes RTL-Text-Team

Auch wenn es schon spät ist: Lasst doch bitte nochmal jemanden über eure Meldungen gucken, bevor sie ins Fernsehen kommen:

Screenshot: rtl.de

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