Kurze Popkulturbeobachtungen
Roger Cicero ist ja eh ein Fall für sich und ein zuverlässiges Kriterium, um soeben kennengelernte Menschen schnell als freundschaftsuntauglich zu kategorisieren. Wenn man aber nun SWR4 im Auto als einzigen Radiosender in der schwiegerelterlichen Pampa empfängt und Cicero einem den Swing-Mario Barth macht, ist man froh um elektrische Fensterheber – mit Kurbeln hätte man die ganze Kotze hinterher von der Innenscheibe abkratzen müssen.
Wie komm’ ich raus aus der Boutique – ohne Krieg?
Wie komm’ ich raus aus diesem Laden – ohne Schaden?
Wie komm’ ich raus aus der Boutique – ohne Krieg?
Wie komm’ ich bloß aus diesem Kaufhaus – ohne Zoff raus?
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Eine größere Zeitverschwendung ist der im öffentlich-rechtlichen Fernsehen angepriesene Kinofilm “Julie & Julia”. Nicht alleine die Tatsache, dass 126 Minuten (was heutzutage schon einen Überlängenzuschlag evoziert) mit so wenig Handlung angefüllt werden können: Die Verschränkung der Jahresgeschichte einer kochbuchnachkochenden Bloggerin mit der Köchin-der-Nation-Genese einer (allerdings glänzend) von Meryl Streep gespielten nervigen Botschafter-Tipppse hätte man so wunderbar inszenieren können, dass die lieb- und ideenlosen Übergänge beider Zeitebenen allenfalls dazu taugen, Resteeintopf draus zu machen.
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Wären subjektive Musikcharts John Lennon, wäre ich Mark David Chapman. Die von Jan angestoßene Idee einer Auflistung der Platten des nun tatsächlich schon endenden ersten Jahrzehnts des Jahrtausends hat mich in tiefe Verzweiflung gestürzt. Am Ende habe ich bislang 103 Platten. Und häte das nicht gereicht, bastle ich nun auch noch eine Samplerreihe mit 20 Songs pro Jahr. Man merkt: Die Woche Urlaub tut mir nicht gut. Ich brauche wieder was sinnvolles zu arbeiten.
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Gestern habe ich Teile der MTV Video Music Awards vom Wochenende gesehen. Eigentlich dachte ich immer, Kanye Wests nahezu regelmäßige Ausfälle auf Awardbühnen seien Teil eines inszenierten Images (zum Image im Hip Hop ein Lesetipp: Die derzeit in Prüfung befindliche Bachelorarbeit eines meiner Freunde in Bonn. Bei seinem Einverständnis demnächst hier), mittlerweile glaube ich aber, dass der Typ wirklich so jenseits von Gut, Böse oder sonstigen normalsterblichen Kategorien zu stehen gedenkt.
Dazu auch: So sehr ich einige Songs von Beyoncé auch schätze (”Crazy in Love” wäre auf dem entsprechenden Sampler zum Jahr 2002 [oder so]), ich würde niemals ein Konzert von ihr besuchen. Was sie da live aufbietet rollt mir regelmäßig den gesamten Fuß auf. Hardcore-Gymnastik mit strammen Schenkeln, in die Unkenntlichkeit verschandelten Ex-Hits undabstrusen Dance-Moves. Übrigens: Ganz schön clever von Frau Knowles, erst Destiny’s Child aufzulösen und dann solo so erfolgreich zu werden, dass sie die beiden Ex-Bandkolleginnen als Backgroundsängerinnen engagiert.
Laien leihen
Gerade bekam ich von Amazon.de eine eMail über die Änderungen in ihrem Partnerprogramm. Am Wichtigsten dabei:
– Mit Wirkung vom 11.07.2008 wird keine Werbekostenerstattung mehr für den Amazon.de DVD-Verleih gezahlt, da der Verleihservice eingestellt wird.
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht absehbar war. Zwei Mal habe ich selbst den Versuch gewagt, mir für knapp 10€ monatlich drei DVDs aus dem Amazon-Sortiment schicken zu lassen. Beide Male habe ich es schnell wieder eingestellt. Ein paar gute Filme habe ich gesehen, aber grundsätzlich fehlt mir bei diesem Modell der große Vorteil der Videotheken: Die Spontaneität. Wenn ich montags Lust auf einen Film habe und der frühestens Donnerstag bei mir ist, ist die Lust vielleicht schon wieder vorbei, vielleicht habe ich was anderes vor, vielleicht kommt was Gutes im normalen Fernsehen. Es kam durchaus vor dass wir Filme nach sechs Wochen wieder zurückgeschickt haben, ohne sie gesehen zu haben, nur um mal was Neues als Option zu haben. Filme auf Vorrat zu bestellen um sie Tage später zu sehen, so weit reicht mein Planungswille der Freizeit nicht.
Hoffnung indes setze ich in die digitalen Filmverleiher. Ich freue mich sehr auf den ersten seiner Art, der sich “Indie” nennt, der weit gefasste Nutzungsbedingungen hat und gute Filme im Angebot. Bis dahin muss ich mir doch eine Videothek hier in der Umgebung suchen.
Englische Seifenblasen
Man kann viel über Woody Allen sagen, aber nicht dass er ein proletarischer Filmemacher ist. Umso weniger nachvollziehbar ist, warum er mit seinem nun in Deutschland angelaufenen Film “Cassandra’s Dream” genau in dieses Milieu englischer Arbeiterklasse abtauchte.
Oberflächlich geht es um zwei Brüder, gespielt von Colin Farrell und Ewan McGregor, die von ihrem Onkel beauftragt werden, einen ihm missliebigen Mitarbeiter umzubringen. So weit, so gut. Das Problem: Woody Allen hat in letzter Zeit sehr viele Filme gemacht, mit Match Point sogar einen sehr sehr ähnlichen. Und: Cassandras Dream dauert 108 Minuten, was mindestens 20 zu viel sind – eigentlich hätte man die Story auch gut in einem Kurzfilm unterbringen können.
Interessant am Film sind eigentlich nur zwei Dinge: McGregors wahnsinnig gute Leistung in diesem Film und en Detail, wie sich Woody Allen Arbeiterklasse vorstellt – Nicht nur die auf die Rente zugehenden Eltern haben Tapeten aus den 70ern, auch die Jungs in ihren Häusern, wo jeder immer raucht, Whiskey trinkt und Codein aus dubiosen Quellen kauft, wo Hände ständig Schwielen haben und ein Hemd ohne Ölfleck nicht getragen werden kann. Man merkt vielen Einstellungen an, dass Allen eine unterhaltsame Milieustudie vortragen wollte, letzten Endes verharrt er aber im Klischee.
Zudem braucht der Film lang. Sehr lang. Man könnte ihn in fünf klassische Akte unterteilen, und jeder dieser Akte ist zu lang. Verharrt in längst ausgespielten, abgefilmten Szenen, baut Füllmaterial ein, schweift ab und verwirrt. Dazu kommt die völlig aus- und aufgereizte Rolle der Schauspielerin Angela, gespielt von Hayley Atwell, der man in jeder Faser anmerkt, dass eigentlich Scarlett Johansson für die Rolle vorgesehen war, mit vollen Lippen, viel Brust und dieser unnachahmlichen Distanz, die sie derzeit für Hollywood so überhypet macht.
Der Film hat weder Atmosphäre noch Witz – der einzige echte Moment emotionaler Rührung ist die schon fast slapstickhafte Minute gegen Mitte des Films, in der in jeder einzelnen Einstellung von oben das Mikrofon ins Bild ragt. Reichen tut das nicht – wenn Allen jedoch weiterhin solche Filme macht, sollte er sich überlegen, dieses Stilmittel in sein dauerhaftes Repertoire aufzunehmen.
Aliens-in-Duisburg-Blair-Witch 2.0
Mag sein, dass ich mich jetzt promotechnisch in etwas hereinziehen lasse, das ich gar nicht unterstützen will. Allerdings hat mir die Recherche zuviel Freude gemacht, um davon abzulassen.
Über das gulli:board wurde ich aufmerksam auf die sogenannten Eylandt-Briefe und den dazugehörigen Film, dessen Trailer man bei YouTube ansehen kann.
Eine ganz kurze Zusammenfassung: Ein Anwalt namens William Singer aus New York bekommt Briefe seiner Tante Josefine Eylandt in die Hände, in denen diese behauptet, nach der Bombardierung Duisburgs im zweiten Weltkrieg drei Gestalten die “nicht von unserer Welt stammen”über 60 Jahre in ihrem Keller versteckt zu haben, die dann für den großen Stromausfall in weiten Teilen Europas 2006 verantwortlich gewesen sein sollen.
Ganz ehrlich: Allein diese, bis jetzt bekannte, Handlung und der Trailer lassen schon keine andere Vermutung zu, als dass sich hier auch mal deutsche Filmemacher an virales Web-Marketing a la Lost, Heroes und Cloverfield herangewagt haben. Aber jetzt war ich schon einmal dran, also konnte ich auch weitersuchen.
Also: Grundsätzlich gibt es fünf Internetquellen zum “Fall Eylandt”, wie ich das jetzt einfach mal nennen möchte.
eylandt.de: Die offizielle Seite zum Film
eylandt.info: Eine Weiterleitung auf die Amazon-Seite des Buches zum Fall von Werner Szymczak
karsten-vuellings.de: Die Seite eines Duisburger Lokalreporters und FDP-Ortspolitikers, der sich mit dem Fall beschäftigt
frederickfordfoundation.org: Abschrift der drei Briefe von Josefine Eylandt
eylandtbriefe.blog.de: Blog einer Charlotte Niedermayer aus Kempen zum Thema
Auf der offiziellen Seite des Films ist der Trailer zu sehen, zudem gibt es ein faktenmäßig ziemlich knapp gehaltenes Produktionstagebuch, in dem aber eine “Bloggerin” erwähnt wird, ziemlich sicher jene Charlotte Niedermayer, zu der ich später kommen werde.
Kernstück des Falls sind die drei Briefe, in denen Josefine Eylandt an ihren Cousin Artur Singer schreibt und ihm gesteht, diese Gestalten in ihren Keller gebracht zu haben. Einer unglücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass a) die Briefe nicht vollständig erhalten sind, weil das Haus in dem sie lagerten abbrannte und b) die Veröffentlichung der Originale und auch des Inhalts des letzten Briefes von 1994 angeblich von einem New Yorker Gericht verboten wurde. Jedenfalls lagern die Abschriften auf dem Server der Frederick Ford-Foundation, die, so es der Zufall will, auf ihrer Hauptseite nur einen mageren Verweis auf “Reconstruction” zeigt – zudem gibt es zur Frederick-Ford-Foundation bei Google ganze fünf Treffer, die alle mit dem Eylandt-Fall zu tun haben – irgendwie unrealistisch.
Kommen wir nun zu Karsten Vüllings. Der ist offenbar eine ganz echte Person, ein Duisburger Lokalpolitiker und Redakteur der “Heimatzeitung Echo West“. Dieser berichtet in drei kurzen Beiträgen über den Fall Eylandt und seine Mitarbeit an dem Film.
Bei Vüllings wie auch auf der offiziellen Filmhomepage wird, eher beiläufig, unter dem Eindruck, dass es sich um nichts dem Filmprojekt Zugehöriges handeln würde, das Buch “Die Briefe der Josefine Eylandt” von Werner Szymczak erwähnt. Dieses ist im BOD-Verlag erschienen, also ein Book on demand, das immer dann nachgedruckt wird, wenn es bestellt wurde. Laut Selbstbeschreibung ist der Autor ein in Santa Monica lebender “Autor und Geschichtsforscher” und ein “ausgewiesener Kenner des 2. Weltkriegs”. Blöd nur: Von dem Herrn gibt es in der Deutschen Nationalbibliothek nur ein einziges Buch, und das ist besagte Eylandt-Untersuchung. Zudem fungiert als Herausgeber (und als Eigner der Domain eylandt.info) der Produzent des Films, Michael Driesch.
Die ausführlichste Quelle ist der Blog von Charlotte Niedermayer aus Kempen, überflüssig zu erwähnen, dass telefonbuch.de niemanden dieses Namens in Kempen kennt. Doch es wird noch merkwürdiger:
In einem ausführlichen Beitrag schreibt “CharlieN” alles, was sie bisher herausgefunden haben möchte, aus einem scheinbar unparteiischen Standpunkt heraus – sie will recherchiert haben. Und doch kann man Punkt für Punkt anhand der Fakten zerfleddern.
Auch der im Trailer zu dem Film erwähnte Luftangriff auf Duisburg am 14. Oktober 1944 hat stattgefunden.
Ja, hat er. Aber was soll das beweisen?
Auch der erwähnte Stromausfall am 4. November 2006 ist wahr
Ja natürlich. Wir waren doch alle dabei. Aber auch hier: Was soll das beweisen? Ein Kommentar aus dem Onlineangebot der Zeit bezweifelt die offiziellen Gründe, will aber weniger auf Aliens oder was auch immer heraus, sondern eher in Richtung eines mangelhaften Netzaufbaus.
Einen Anwalt namens William Singer gibt es in New York ebenfalls, und zwar bei der Anwaltskanzlei Stark & Stark.
Nein. Es gibt einen Bill Singer bei Stark&Stark. Kein William würde sich auf der offiziellen Seite seiner Anwaltskanzlei “Bill” nennen lassen.
Eine amerikanische Kommilitonin von mir, Jane Bostman, mit der ich mich über die Briefe unterhalten habe, sagte mir, dass sie meine, sich erinnern zu können, vor einigen Jahren in einer Zeitung in Hoboken (das liegt direkt neben Manhattan, dort wohnt sie) etwas über eine verschwundene ältere Deutsche gelesen hat – sie kann sich aber nicht mehr erinnern, ob die Frau Josefine Eylandt hieß. Sie ist ab März wieder zuhause und will dann dort im Archiv mal nachschauen. Ich bin gespannt. UPDATE (25.3.08): Es gibt einen, allerdings aus dem Jahr 1995, in der tatsächlich eine Meldung über das Verschwinden von Josefine Eylandt zu finden ist. Ein kleiner, einspaltiger Bericht, den Jane netterweise hier als scan online gestellt hat!
Natürlich findet sich kein fallfremder Googletreffer zu einer Jane Bostman. Natürlich führt der Link zu dem Scan auf eine 404-Fehlerseite der Boston University. Und wie realistisch ist es, dass jemand sich nach 13 Jahren an einen kleinen Artikel über eine vermisste alte Dame erinnert?
Den dort benannten Verantwortlichen Doug Canterfield findet man im örtlichen Telefonbuch.
Nein. Es gibt keinen Doug Canterfield in den amerikanischen White Pages.
Und warum sollte der Produzent einer Fakedokumentation sagen, dass es ein Fake ist, wenn das ganze blairwitschmäßig vermarktet werden soll??
Ja, warum wohl??
Dazu möchte Frau Niedermayer demnächst mal nach Duisburg fahren, um herauszufinden, wo Frau Eylandt ihren Friseursalon hatte. Allerdings kann sie das erst, wenn sie beruflich nach Düsseldorf fährt und dann sowieso in der Nähe ist. Merkwürdig: Sie wohnt laut Eigenprofil in Kempen. Ich habe das hier mal von OpenStreetMap genommen:

Ein Link zu einer angeblichen Homepage des angeblichen Autors Werner Szymczak führt – natürlich – wieder ins Nichts, über die Fotos der Eylandt-Briefe kann ich dann irgendwie auch nur noch lachen.
Mein Fazit: Michael Driesch und co haben sich Mühe gegeben, ein stimmiges Bild ins Netz zu setzen, aber noch eine Menge Anfängerfehler gemacht. Immerhin habe ich mich jetzt zwei Stunden mit dem Film beschäftigt, keine Lust ihn mir jemals anzugucken, aber immerhin bei der Recherche etwas Spaß gehabt.
Nur eine einzige Anmerkung
Das ARD-Nachtmagazin schafft es ja tatsächlich mitunter, gut zu informieren. Allerdings erliegen die Verantwortlichen offenbar auch gerne der Versuchung, etwas senderinterne Cross-Promotion zu platzieren. So auch gestern, als der Aufhänger “50 Jahre Contergan” für einen zweieinhalbminütigen Trailer des ARD-Zweiteilers “Eine einzige Tablette” herhalten musste. Das wäre allein schon zynisch genug (mit der Gedenkveranstaltung der echten Opfer hielt man sich fünf Sekunden vor dem Bericht auf), der Bericht strotzt aber noch so vor unpräziser Beschreibung. Die Kernaussagen:
Der Spielfilm zeigt nichts, was nicht ohnehin schon jeder wusste. Trotzdem wehrt sich die Firma Grünenthal, die Contergan für 50 Jahren auf den Markt brachte heftig gegen die Ausstrahlung. Über den Grund kann der Produzent des Films nur spekulieren.
Michael Souvignier: “Es ist ein emotionaler Film, es ist keine Dokumentation sondern ein Spielfilm, und ich glaube Grünenthal hat Angst dass den viele Menschen sehen”
Menschen, die vielleicht schon vergessen hatten dass sich hinter dem Wort Contergan noch weit mehr verbirgt als persönliche Schicksale
Was die ARD vollkommen unterschlägt: Nicht nur Grünenthal wollte die Ausstrahlung des Films verhindern, der Anwalt Karl-Hermann Schulte-Hillen wollte das auch. Der vertrat in früheren Prozessen die Contergan-Opfer gegen Grünenthal, er selbst hat einen geschädigten Sohn. Und seine Person war ganz offenbar Vorlage für die Hauptfigur des ARD-Films, mit leicht abgewandelten Zügen natürlich. Auch wenn Heinrich Wefing von der FAZ sich angesichts der positiven Darstellung des Anwalts fragt, wieso dieser prozessiere (”Wenn man je das eigene Leben im Fernsehen nacherzählt sehen möchte, dann so”), der Kläger sah seine Persönlichkeitsrechte offenbar durch das Drehbuch angetastet – kritische Passagen wurden offenbar in den im November auszustrahlenden Film nicht übernommen.
Schulte-Hillens Problem mit dem Film war die Vermengung exakter Tatsachen (sogar die kleine Narbe im Gesicht der Hauptfigur wurde übernommen) mit frei erfundenen Passagen der Inszenierung. Grünenthals Problem war, auch richterlich und rechtswirksam bestätigt, dass zum Teil “infame und skrupellose Methoden” der Firma zu Unrecht beschrieben wurden. Kein Wort im Nachtmagazin. Lediglich schöne, tragische und aufwühlende Szenen aus dem Film, der nun langsam ins Programm muss um nicht veraltet zu sein, und ein wunderbar betroffener Blick des Moderators Ingo Zamperoni. Nunja.
Szenekundig
Es hat gedauert, ich habe ca 20 Programme installieren müssen, aber ich habs geschafft.
Die Abschlussszene der dritten Episode der vierten Staffel von Six Feet Under gehört für mich zu den besten Minuten die jemals im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Vielleicht braucht man das Rückwissen über die Charaktere, eigentlich glaube ich aber dass die Szene auch für sich selbst spricht. Dennoch: Da ist das Setting, da ist der Song, da sind die fantastischen Schauspieler, da sind die Fragen und keine Antworten.
Da ist Nate, der gerade seine Frau verloren hat, die er eigentlich nur aus Pflichtbewusstsein seiner Tochter gegenüber geheiratet hat.
Da ist Claire, die gerne Künstlerin werden möchte aber lange nichts mehr geschaffen hat, was sie selbst zufriedenstellt.
Da ist Ruth, die sich Sorgen um ihren offenbar dementen neuen Ehemann macht.
Da sind die kleinen Feinheiten, die Regisseur Jeremy Podeswa perfekt umgesetzt hat; Claires tänzelnde Bewegungen nachdem sie die Musik anschaltet, die Blicke von Anita, die immer schon eine gewisse sexuelle Faszination für Nate hat, die leeren Augen von Ruth.
Dazu die sich fortspinnende Geschichte des beginnenden Abschieds von der toten Lisa.
Ich weiß gar nicht was ich dazu noch schreiben soll. Die vielleicht großartigste Szene der großartigsten Serie der Welt. Bitte angucken.
Johannes Elias Alder
Johannes Elias Alder, nach dem dieser Blog benannt ist, ist die Hauptfigur des Buches Schlafes Bruder. In diesem Buch geht es, arg grob gesagt, um einen in einem Alpeninzestdorf aufgewachsenen Jungen, der ein absolutes Gehör besitzt und seine unerwiderte Liebe. Das Buch ist großartig und sollte von jedem gelesen werden; Wer es schneller mag, kann auch gerne den Film sehen, er steht dem Buch bis auf Ben Becker in wenig nach.