Gruppendynamik
Gestern habe ich den Sportteil wieder gestartet. Hauptsächlich geschuldet war das den Umständen, dass ich erstens hier bei hellojed. immer häufiger über Fußball bloggen wollte und zweitens die Jahresrechnung für die Domain kam. Zeit also, dass ich mir mal Gedanken machte, warum der erste Anlauf gescheitert ist.
Geplant war, eigentlich schon seit Sommer 2006, eine Seite über Fußball. Wo ich schon etwas Erfahrung mit Onlinemusikmagazinen hatte, dachte ich mir, dass so etwas auf die Beine zu stellen eigentlich ganz spannend sein könnte. Meinem Schweinehund geschuldet war es, dass die ganze Sause erst zum Saisonstart 2006/07 wirklich anfing. Damals scharte ich so um die zehn Leute aus meinem mehr oder weniger persönlichen Umfeld um mich, die “die Redaktion” bilden sollten. Ehrlich wie sie alle waren, traute sich im Vorfeld kaum einer zu mit einer echten Regelmäßigkeit zum Blog beizutragen, und so geriet schon die erste Rubrik “Wo landet mein Verein” mit einer Saisonvorschau zum Wettlauf mit der Zeit, möglichst vor den ersten Spielen der Clubs online zu gehen.
Dennoch ging alles seinen guten Gang. In den ersten Wochen hatten wir fast täglich Artikel, wenn auch meist von mir, online zu stellen, zwischendurch aber immer wieder ganz hervorragende Beiträge von Anderen, wohingegen sich einige schon nach dem ersten Beitrag wieder passiv verabschiedet hatten.
Ab Anfang November dann war ich alleine, und mir entglitt jegliche Motivation. Artikel stellten sich fast nur noch im Zweiwochentakt ein, was vielleicht auch mit dem damaligen sportlichen Abschneiden des 1. FC Köln zu tun hatte. Am 2. Februar gab es noch ein halbgares Bilderlink-Posting, und dann war Ende. Ich hatte keine Lust mehr, offensichtlich auch kein anderer so richtig, und ich hatte keine Lust mehr anderen Leuten hinterherzulaufen, die natürlich auch nicht sonderlich viel Zeit hatten.
Das klingt jetzt einigermaßen verbittert, soll es aber gar nicht. Es war eine gute Erfahrung, so ein Scheitern mal mitgekriegt zu haben, und mit etwas zeitlichem Abstand kann man auch einige Gründe herausarbeiten
1. Ein Onlinemusikmagazin funktioniert aufgrund der Möglichkeit Gratis-CDs zu bekommen, auf Gästelisten zu landen seine Lieblingsbands zu interviewen. Wenn es schon kein Geld gibt, dann doch eine anders geartete Entlohnung. Mit einem Fußballblog ist das nicht zu machen, weil die Grenze zwischen Spitzenfußball (akkreditiert keine Blogs wegen begrenzter Reichweite und Relevanz) und niederklassigem Fußball (akkreditiert keine Blogs wegen nichtexistenter regionaler Relevanz und sowieso begrenztem Budget) ziemlich abrupt verläuft.
2. Ein Onlinemagazin nur mit Freunden zu organisieren funktioniert zumindest für mich nicht sonderlich gut, weil ich nicht fähig bin, auch mal laut dazwischenzuhauen, wenn es nicht läuft.
3. Ein meinungsbasiertes Blog funktioniert schwer, weil es keine “natürlichen” Deadlines wie Veröffentlichungsdaten gibt.
Was bleibt mir also übrig? Sportteil.net hat ein neues, simples Template bekommen, es gibt Beiträge, ein Impressum, eine Blogroll und Kategorien, und das war es. Keine Redaktion, kein Team, keine als Rubriken angekündigten Rubriken, sondern nur Beiträge, erstmal von mir, aber dann auch gerne von jedem, der sich bei mir meldet. Alles frei, keiner wird auf irgendetwas festgenagelt. Und dann würde ich mich freuen, wenn abseits von den ganzen deutschen Fußballblogs mit der Zeit etwas entstehen würde, in dem man sachlich diskutieren kann und wo es nicht nur um YouTube-Links zu den lustigsten Eigentoren geht oder wo man Montag mittags die Spieltagsergebnisse postet. Wir werden sehen, ich bin gespannt.
Vorbereitungsendspurt
Morgen betritt der FC endlich wieder die Bühne nationaler Aufmerksamkeit und spielt, live von Sat 1 übertragen, ein Testspiel gegen den FC Bayern München beziehungsweise wohl dessen Zweit- bis Drittgarde aus. Zeit für ein kleines Zwischenfazit.
1. Die Testspiele lassen keinerlei Schluss auf das tatsächliche Potenzial der Mannschaft zu – Topeinkäufe wie Ishiaku waren dauerverletzt, beim überragenden Nemanja Vucicevic ist man nach einer mehr als verkorksten Debütsaison misstrauisch, zudem ging es auch in den Ergebnissen auf und ab, was Christoph Daum mit wirren Erklärungen zum Konditionstraining begründete.
2. Es läuft offenbar auf zwei variable Systeme hinaus, ein klassisches 4-4-2 mit Doppelsechs und ein 4-2-3-1, je nachdem wieviele unserer zwei klassischen Stürmer verletzt sind. Definitiv fehlt noch ein defensiver Mittelfeldspieler, auch wenn diese Rolle in den Testspielen durchaus erfolgreich von Brecko, Geromel und sogar Tarnbrasilianer André ausgefüllt wurde – für Erstligaansprüche genügt das dennoch nicht.
3. Vorne hakt es nicht zuletzt aufgrund der verletzungs- und disziplininduzierten Ausfälle von Novakovic, Ishiaku und Antar gewaltig, dafür wurde die Defensive ordentlich verstärkt, auch wenn Womé sogar in Verlautbarungen seitens des Vereins noch als weit hintenliegend beschrieben wird. Ist ja auch kein Wunder, der hat letzte Saison kein einziges Ligaspiel gemacht.
4. Von überall her wird gekrittelt, dass der Kader nur noch aus Ausländern bestünde. In der ersten Elf sieht es außer Broich auch tatsächlich mau aus, aber: Die meisten Spieler können Deutsch oder lernen es wie Ümit (der mein heißester Tipp für die Überraschung der Saison ist) fleißig, und von hinten rückt mittlerweile eine gute Riege an Nachwuchsspielern heran, die im Wiederabstiegsfall schnell ein Gerüst der neuen Mannschaft bilden könnten, und sich ansonsten in den nächsten Jahren definitiv in den Fokus spielen können: Der in der Vorbereitung überzeugend, aus Karlsruhe gekommene U20-Nationalspieler Brosinski, der auf beiden Flügeln einen guten Zug nach vorne besitzt, der mit reichlich “Neuer-Podolski-aber-auf-der-10″-Vorschusslorbeeren aus der U19 hochgezogene Taner Yalcin, der erst 17-jährige Rechtsaußendribbler und Sinkiewicz-Cousin Gardawski und der schon im letzten halben Jahr durchaus überzeugende Kevin Pezzoni. Hinzu kommt mit Thomas Kessler einer, der in spätestens zwei Jahren die Mondragonnachfolge antreten kann.
5. Die Transferpolitik ist noch nicht abgeschlossen, weist aber immer wieder nette Überraschungen auf – heute berichtete der Express, der FC habe bei Gilberto Silva vorgefühlt, der Arsenal mittlerweile Richtung Athen verlassen hat – das spricht für Chuzpe und ein mutiges Verständnis dafür, was man jetzt braucht – Schindzielorze hatten wir genug. In Sachen Nummer 6 noch einmal: der Kicker berichtet von einem Nationalspieler mit Champions League-Erfahrung, der in den nächsten Tagen verpflichtet werden soll. Wir dürfen gespannt sein.
Ebenso gespannt bin ich auf das morgige Spiel. Nächste Woche dann noch ein echter Härtetest gegen den MSV Duisburg, so Gott will bin ich da im Stadion. Ansonsten: Im DFB-Pokal spätestens in der zweiten Runde raus, und dann wird alles gut.
Die Testspiele in der Videozusammenfassung
Gegen Standard Lüttich (3:3):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1980
Gegen West Bromwich Albion (4:1):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1968
Gegen Fortuna Düsseldorf (0:0)
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1922
Gegen Wuppertal (1:1):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1919
Gegen Zilina (1:2):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1865
Gegen Austria Kärnten (2:2):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1849
Gegen Rapid Wien (3:2):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1789
Gegen eine Regionalauswahl (5:0):
http://www.fc-koeln.de/index.php?id=1625
Experten bei der Arbeit
Für die Sportbild läuft es im Moment nicht sonderlich gut. Zuerst machte sie zwei mal auf dem Titel mit exklusiven Knallerthemen auf, die noch im Laufe des Mittwochvormittags dementiert wurden und sich als offenbare Erfindungen herausstellten (”Poldi darf für 15 Mio zum FC zurück” und “Geheimplan: Kahn wird Bayern-Berater”), und heute morgen kommt mir die Bundesligaprognose für meinen 1. FC Köln unter die Augen. Und auch wenn es alles Lappalien sind: So richtig vertrauenserweckend macht es die sog. Experten nicht. Fangen wir an mit
Es war kurz nach 23 Uhr, als Christoph Daum an jenem 21. Mai im Kölner Villen-Vorort Hahnwald vor seine Haustür trat und den wartenden Journalisten Großes verkündete.
Wie jedermann im Express-Ticker verfolgen konnte, befand sich Daum zu diesem Zeitpunkt am Geißbockheim und nicht in seiner Villa. Da versuchte Gattin Angelica sicher noch, streunenden Journalisten Hanutas anzudrehen.
Eine Mannschaft zusammenstellen, die Perspektive hat und die einen Rekordetat von 64 Millionen Euro rechtfertigt. Die schließlich Daum bis zum Ende seines Vertrages am 30. Juni 2010 Spaß machen soll.
Eine Quelle nennt die Sportbild für diese Zahlen nicht, sie sind aber zumindest anzuzweifeln – der Verein selbst veröffentlicht keine Etatzahlen mehr, da diese in den letzten Jahren immer wieder sensationsheischend in missverständlichem Kontext gebraucht wurden. Der Express jedenfalls spricht vom schweren Versuch des seriösen Geschäftsführers Claus Horstmann, den Gesamtetat über die 50 Millionen-Marke zu hieven.
Zehn neue Spieler sind da, sechs weg und die Umbaumaßnahmen noch gar nicht beendet.
Zahlen, die ich nicht nachvollziehen kann. Abgänge: Helmes (Leverkusen), Gambino (Koblenz), Alpay (unbekannt) und Suazo (Antalyaspor, war ausgeliehen). Alle mit auslaufenden Verträgen. Angekommen sind: Sanou (Freiburg), Brecko (Hamburg), Womé (Bremen), Geromel (Guimaraes), Ishiaku (Duisburg) sowie der Nachwuchsspieler Brosinski (Karlsruhe), zudem wurden Taner Yalcin und Michael Gardawski von der eigenen U19-Juniorenmannschaft hochgezogen, werden aber wohl hauptsächlich in der U23-Mannschaft zum Einsatz kommen. Wo da jetzt zehn bzw. sechs Spieler sind, kann ich nun wirklich nicht erkennen.
Miso Brecko kämpft noch um seinen Platz. Der Neuzugang vom HSV, in Hamburg meist Ersatzspieler, muss sich gegen Youssef Mohamad und Kevin McKenna durchsetzen.
Der bemitleidenswerte Brecko durfte in der Vorbereitung schon auf vielen Positionen spielen, links, rechts, im defensiven Mittelfeld und machte dabei vor allem durch nahezu perfekte Flanken auf sich aufmerksam. Aber Innenverteidiger? Das ist nun wirklich äußerst unwahrscheinlich. Zumal die Zentrale Mohamad/Geromel erst einmal gesetzt sein dürfte.
Die Abgänge von Patrick Helmes (Leverkusen) und Alpay (Ziel unbekannt) wurden gut kompensiert.
Ob man den Abgang von Patrick Helmes überhaupt kompensieren kann, außer Abermillionen auszugeben, wage ich zu bezweifeln, aber gut. Viel wichtiger: Wäre der Abgang von Alpay jetzt kompensiert worden, hätte Michael Meier so einiges falsch gemacht. Alpay stand zwar noch bis zum 30.6. in Köln unter Vertrag, sein letztes Spiel aber machte er am 20. Mai 2007. Danach durfte er sich bei den Junioren fit halten, wurde aber nicht mehr eingesetzt – ein Wechsel zur Winterpause scheiterte an seiner Einberufung zur türkischen Armee.
Grund zur Sorge bereiten die Positionen im defensiven Mittelfeld. [...] U-20-Nationalspieler Daniel Brosinski aus Karlsruhe ist bislang nur eine Ergänzung
Natürlich kann sich das gerade in seinem Alter noch ändern, aber: Brosinski ist wiederum alles, nur kein Sechser. Und wenn man schon nicht, wie das eigentlich Standard sein sollte, Experte für den Verein ist, über den man schreibt, und sich auch mal ein Testspiel anguckt (geht oft sogar im Internet bei center.tv!), dann könnte man doch wenigstens mal bei transfermarkt.de nachschauen. Und da steht ziemlich wahrheitsgemäß: Mittelfeld Außenbahn. Aber gut, was kümmert das die Sportbild.
The Fiction We Live
Nachdem ich heute erfreulicherweise lesen durfte, dass es im kommenden FIFA 09 einen echten 10vs10-Multiplayermodus geben wird, freute ich mich erstmal – auf so etwas, gut umgesetzt, habe ich lange gewartet. Endlich echte Taktik und echtes Fußballgefühl, weil man nicht an jedem Spielzug beteiligt ist, sondern als Innenverteidiger halt auch durchaus mal nur in der eigenen Hälfte unterwegs ist – ich stelle es mir jetzt schon spannend vor zu sehen, wie das Feature im Pro Gaming-Bereich ankommen wird – jetzt zählen ja auch die individuellen Fähigkeiten der Computerspieler zusätzlich zu denen der virtuellen Fußballer.
Meine Assoziationskette ging dann noch weiter – hin zu einem fiktiven, aber wünschenswerten Spielmodus im Park oder auf Ascheplatz, mit erstellbaren Spielertypen der eigenen Freunde. Man mag jetzt einwenden wie pervers das ist, an der Konsole statt draußen etc pp, aber so what. Überhaupt frage ich mich ständig, warum so wenige Computerspiele reale Schauplätze nutzen. Ein Teil des Thrills am Pripyat-Level in Call of Duty 4 ist doch daraus gezogen, dass es eine realitätsnahe Nachbildung der echten Geisterstadt bei Tschernobyl ist, inklusive Riesenrad und Kongresszentrum. Die furchtbare Rennspielserie Autobahn Raser hatte nur deshalb Erfolg, weil man auf deutschen Autobahnen mit authentischen Schildern, Ausfahrten und Sehenswürdigkeiten vorbei kam. Ganz zu schweigen von GTA4, auch wenn die Echtweltkonnotation da zumindest offiziell verschleiert wird.
Als Half-Life 1 und dazu Counter-Strike herauskamen, versuchten wir alle, unsere Schulen als Deathmatchlevel nachzubauen, und das nicht etwa, weil wir den Massenmord an unseren Lehrern trainieren wollten, sondern weil es einer der Orte war, die wir am besten kannten – Kai aus meiner Stufe hat damals sein Elternhaus nachgebaut, das war allerdings für kaum einen sonst interessant, weil es keiner so genau kannte. Wenn ich ein Fußballspiel spiele, dann freue ich mich, wenn ich in einem Stadion spielen kann, in dem ich schon war, genauso wie ich in früheren Call of Duty-Teilen lieber den Reichstag stürme als in der “Berlin” genannten Battlefield1942-Karte durch anonyme Häuserblocks zu laufen.
Ich kann nicht genau erklären, warum das so ist, aber es hat jedenfalls nichts mit einer blutigen Vermengung von Fiktion und Realität zu tun. Man liest ja auch gerne Bücher über Dinge, die mit dem eigenen Leben zu tun haben (siehe den abstrusen Erfolg des Buches ‘Sänk ju vor träveling‘), und viele hören sich gerne neueste NeulichbeiIKEA-Geschichten von Barth und co an. Also bitte, ich hätte gerne Fußball auf der Hofgartenwiese zu Bonn. Und mit entsprechendem Cheatcode darf ich Lukas Podolski in meine Mannschaft wählen.
Gedanken zum EM-Finale 1996
Das EM-Finale läuft gerade in voller Länge auf EinsFestival, gleich wird Oliver Bierhoff das 2:1 schießen. Aber: Wie schön ist es, dass Bela Rethy nebenbei erwähnt, dass Fortuna Düsseldorf am tschechischen Jungspund Pavel Nedved interessiert ist? Und wie geil ist es, dass René Schneider mit 52 Bundesliga- und einem Länderspiel Europameister, Champions League- und Weltpokalsieger ist?
Englisch für Mediokre
Schöner als die BBC kann man es nicht ausdrücken:
Who’s the guilty dutch bench warmer?
Anlass:
Die emanzipierte Emotionsfalle
Es gibt derzeit kaum jemanden, der mich so mit Fremdscham erfüllt wie Cathrin Gilbert (23), Sportjournalistin von Spiegel Online und derzeit in Tenoro und sonst überall, wo die deutsche Nationalmannschaft am Start ist.
Diese Frau ist von der Bild-Zeitung, wo sie schon zeigte, was sie von journalistischer Sorgfalt hält, zu SpOn gewechselt, und hat nun im Laufe der EM schon einiges an Grütze erzählt.
Da wäre zum einen der völlig punkt- und pointenlose Artikel über Lukas Podolski, in dem nicht einmal seine bei Bayern nun wirklich pomadigen Leistungen erwähnt werden – letzten Endes geht es dort nur darum, dass er nicht an Ribery und Toni vorbeikommt – obwohl er genauso viel Ablöse wie letzterer gekostet hat.
Dann erschien ein Artikel zum Thema Teambuilding, in dem Gilbert offenbart, wie sie sich guten Teamgeist vorstellt: Ein bisschen Bogenschießen und viel Konkurrenzkampf – dabei beweint sie das erste Mal die Nichtnominierung von Marko Marin und erzählt allen Ernstes, dass kein Spieler außer denen im offensiven Mittelfeld um seinen Stammplatz hätte fürchten müssen. Sie ist doch schon vor Ort, warum fragt sie nicht mal Löw-Dauerspieler Thomas Hitzlsperger, den bisher nicht zum Zug gekommenen Oliver Neuville, den so hochgelobten Arne Friedrich?
Was sie zum Thema “Nationalelf ohne Ballack” zu sagen hat – geschenkt. Keine einzige Erwähnung der dennoch guten deutschen Leistungen während der langen Verletzung des Kapitäns.
Und jetzt sieht Gilbert “Löw in der Angstfalle“. Ja, wenns weiter nichts ist. Heute mittag in der DFB-Pressekonferenz konnte man jedenfalls live miterleben, wie unsicher und ungezielt sie im Fußball der Großen herumstochert. Ob Löw nicht jetzt doch Marko Marin nachtrauere, der gestern bestimmt besser gespielt hätte als David Odonkor? Von allen Suggestivfragen dieses Tages, und es gab viele, war dies die bei weitem Irrelevanteste. Und was backt man sich dann daraus für die Onlineausgabe des Spiegels?
Aber wäre der Dribble-Künstler Marin nicht der richtige Mann gewesen, dem Spiel gegen Kroatien den geforderten Stempel aufzusetzen? “Wir müssen jetzt mit den 23 Spielern planen, die wir mitgenommen haben”, sagt Löw.
Löw hat noch einiges mehr zu diesem Thema, wie auch zu allen anderen Fragen, gesagt. Sehr viel Kluges. Das würde aber nicht zur Angstfalle passen.
Regelschmerzen
Mal ehrlich: Wenn diese Regel, die gestern zum 1:0 gegen Italien führte, nicht da wäre, dann hätte Otto Rehhagel doch längst einen spielfeldfreien Libero eingeführt, der hinter der Torauslinie wartet und, wenn doch mal ein Spieler in den Rücken der griechischen Abwehr kommt, aufs Feld sprintet und den Stürmer stellt. Wozu die Aufregung?
EM-Splitter (1)
Lieber Johannes B.,
in den letzten beiden Tagen hast du mehrfach betont, gar nicht über die “geschmacklose Hetze” der Polen reden zu wollen, aber du hast es trotzdem getan. Zu viele Worte wurden darauf verschwendet, das Wichtigste hast du aber vergessen: Ausgangspunkt dieser Posse war das polnische Axel-Springer-Blatt FAKT, aufgenommen wurde der Spielball gerne vom Axel-Springer-Blatt BILD. Aber wer weiß, vielleicht hätte dein ZDF eine solche Anmerkung nicht so gut gefunden.
Liebes RTL-Text-Team
Auch wenn es schon spät ist: Lasst doch bitte nochmal jemanden über eure Meldungen gucken, bevor sie ins Fernsehen kommen:

Screenshot: rtl.de