Ohne dass die Russen kommen

Das Wort “Kampagnenjournalismus” wird für gewöhnlich nicht als Kompliment aufgefasst, im Axel-Springer-Verlag hingegen versucht man derzeit mit aller Macht den “Petitionsjournalismus” zu etablieren: Die Panzer des Sowjetischen Ehrenmals am Berliner Tiergarten sollen entfernt werden. Kurioserweise scheinen sich die Petenten nicht an den ebenfalls dort aufgestellten Kanonen zu stören, jedenfalls werden diese nirgendwo erwähnt. Vielleicht, weil man sie von der Straße aus nicht so gut sieht und Springers Schreiber selten so weit weg vom Brandenburger Tor ihr Taxi verlassen.

Tatsächlich sind Springer-Journalisten begnadete Kampagnenfahrer, und so meldet sich mittlerweile immerhin die C- bis D-Klasse der deutschen Politik, Kunst und sonstiger Öffentlichkeit und unterstützt das Vorhaben. Rhetorisch und argumentativ bewegen sich dabei viele Vertreter eines panzerfreien Tiergartens unterhalb der Nachweisgrenze. (Link auf bild.de)So lässt sich der Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, wie folgt zitieren:

Ich habe noch nie verstanden, warum man ausgerechnet mit Panzern der Opfer eines Krieges gedenkt.

Gerade als Leiter einer Berliner Gedenkstätte sollte Knabe allerdings wissen, dass dies überhaupt kein Denkmal für die Opfer des Krieges ist, sondern eines für die im Kampf gegen das Dritte Reich gefallenen Soldaten der Roten Armee. Das ist ein gewichtiger Unterschied, denn er entscheidet zwischen einer diffusen Ausrichtung (denn Opfer des Krieges können tatsächlich auch überzeugte Pazifisten geworden sein) und einer klar umrissenen Gruppe von Menschen, von denen einige tausend sogar an genau dem Platz des nun kritisierten Mahnmals begraben sind. Wir sprechen hier also nicht nur nicht von einem “Gedenken an die Opfer des Krieges”, sondern von einem Soldatenfriedhof, auf dem über 2.000 Menschen liegen, die ihr Leben für den Kampf gegen Nazideutschland gegeben haben.

Erika Steinbach, die ich eigentlich zur Rettung meines Blutdrucks aus meinen Gedanken verbannen wollte hingegen sieht endlich ihre Zeit gekommen:

Ich habe mich immer schon sehr über die beiden Panzer in der Nähe des Brandenburger Tors geärgert. Es spricht kein Friedenswille daraus. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Zeichen eines grausamen Krieges zu beseitigen.

Tatsächlich sind diese Panzer unfreiwilligerweise ein Symbol des Friedens. Wie sonst wäre es möglich gewesen dass sie, obwohl im britischen Sektor (West-)Berlins stehend, noch bis nach dem Mauerfall von sowjetischen Soldaten bewacht wurden? Und darüber hinaus: Warum sollte es ausgerechnet an der Sowjetunion gewesen sein, Friedenswillen zu bekunden? Nur dadurch, dass die Sowjetunion, England, die USA und viele andere Nationen letzten Endes keinen Friedenswillen mehr hatten, wurden der deutsche Vernichtungs- und Territorialkrieg wie auch der Holocaust gestoppt. Denn Erika Steinbach sagt ganz richtig, dass dies ein “grausamer Krieg” war, doch sie verschweigt, wer Schuld an dieser Grausamkeit und diesem Krieg trug, ganz so wie sie gerne verschweigt was ursächlich für die Vertreibung der Deutschen nach dem Krieg war.

Zu Charly Körbel ist tatsächlich kaum noch etwas zu sagen. Hat dem armen Mann jemand gesagt, dass die T-34 nicht mehr fahr- und kampftüchtig sind, bevor er sich so zitieren ließ?

Ich unterschreibe, weil ich solche Aktionen mit Panzern in Deutschland nicht sehen will

Militaristische Töne ähnlicher Art schlägt CSU-Bundestagshinterbänkler Hans Michelbach an:

„Ich unterstütze die Petition , denn Panzer aus der Zeit der Sowjetunion haben vor dem Brandenburger Tor nichts zu suchen. Das zeigt das russische Verhalten in der Ukraine.“

Michelbach verlässt an dieser Stelle mit voller Kraft das Raum-Zeit-Kontinuum: Weder erklärt er, was Panzer der Sowjetunion mit Russland zu tun haben, noch was Brandenburger Tor und Ukraine verbindet. Tatsächlich versucht er hier eine politisch-historische Kontinuität zwischen Sowjetunion und Russland herzustellen, die er, auf Deutschland angewendet, sicherlich empört zurückweisen würde. Denn wenn Handlungen der Gegenwart ein Urteil über die Vergangenheit ermöglichen, dann müsste dies andersherum auch funktionieren, und dann dürften wir keinen deutschen Soldaten mit irgendwelchen Ehren begraben. Das kann Michelbach sicher nicht wollen.

Mike Mohring, CDU-Fraktionsvorsitzender aus Thüringen versucht sich an einer zukunftsorientierten Geschichtsdeutung:

Panzer sind Symbole von Krieg, Gewalt und Leid. Im 21. Jahrhundert löst man Probleme nicht mit Waffengewalt und militärischer Macht. Das Brandenburger Tor in unmittelbarer Nähe erinnert an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung Europas in Frieden zugleich. Panzer haben da nichts mehr zu suchen

Es ist nicht verständlich, wie Mohring die sowjetischen Panzer des Zweiten Weltkriegs mit den internationalen Beziehungen des 21. Jahrhunderts zusammenbringt. Tatsächlich bringt er mit der Symbolkraft des Brandenburger Tores einen guten Gedanken ein, er denkt ihn nur nicht zu Ende. Denn wenn wir das Gedenken an den Krieg völlig entkernen und nationalisieren, dann werden wir vergessen, warum Europa als friedliches Projekt überhaupt angegangen wurde: Damit ein solcher Krieg und die Toten der Roten Armee überhaupt nicht mehr notwendig würden.

Michael Fischer, Leipziger Künstler, formuliert hingegen knackig:

Die Botschaft des Blutvergießens brauchen wir nicht.

Auch hier werden Ursache und Wirkung verwechselt: Die sowjetischen Panzer sind nicht das Symbol des Blutvergießens, sie sind Symbol von dessen Ende. Die Botschaft dieser Panzer hat nichts mit Angriffskrieg oder Landgewinnung zu tun, sie steht für den Sieg der Welt gegen den Faschismus.

Am Ausgewogensten ist tatsächlich die Stimme des Münchner Stadtrats Marian Offman:

Als jüdischer Deutscher bin ich dankbar für die Befreiung von der Nazi-Diktatur, doch sind Panzer am Ehrenmal heutzutage nicht mehr zeitgemäß.

Natürlich sind Panzer nicht besonders zeitgemäß. Das ganze Denkmal wirkt wie aus der Zeit gefallen, aber tatsächlich ist es das ja auch, und es ist ja auch der Sinn eines Denkmals. Wenn wir Denkmäler alle zwanzig Jahre turnusmäßig auf ihre Zeitmäßigkeit prüfen würden, dann hätten wir längst die Sieges-Quadriga auf dem Brandenburger Tor einschmelzen lassen, wir hätten das verschwendungssüchtige Sanssouci in einen Parkplatz umgewandelt und das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald gesprengt.

Doch es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Die inszenierte Empörung, die die aktuelle russische Außenpolitik mit der Roten Armee verknüpft, spielt ihr Instrument in einem neuen Narrativ der guten Deutschen, das aus unserer Gegenwart versucht wie Efeu in die Vergangenheit zu wuchern, sich festzusetzen und aus Geschichte Geschichtspolitik zu machen. Tatsache ist: Das Sowjetische Ehrenmal wurde nach dem Sieg der Welt über das faschistische Deutschland gebaut, unter den Bedingungen der Sieger, und es steht nur für diesen Sieg und die Opfer, die für diesen Sieg erbracht wurden. Es steht damit nicht im Kontext der realsozialistischen Unterdrückung in der DDR, und es steht erst Recht nicht im Kontext einer nichtsowjetischen Außenpolitik Wladimir Putins. Es steht einzig und allein dafür, dass über 80.000 Rotarmisten im Kampf um Berlin starben. Es soll hier nicht um die Aufrechnung von Opferzahlen gehen, aber die ausbleibende Empörung, obwohl es um mehr als drei Mal so viele Tote wie bei der Bombardierung Dresdens geht, ist bezeichnend.

Man kann das Denkmal ästhetisch abstoßend finden, und tatsächlich funktioniert es am besten, wenn man aus der Ansicht von Panzern und Kanonen eine Abscheu gegenüber Krieg entwickelt. Doch auch wenn wir mittlerweile die vierte und fünfte Nachkriegsgeneration erleben, steht es uns nicht zu, den Alliierten des Zweiten Weltkrieges Vorschriften über die Ehrung ihrer Toten und die Gestaltung ihrer Friedhöfe zu machen.

14 Kommentare zu “Ohne dass die Russen kommen

  1. Ich finde den letzten Satz schwierig. Tatsächlich macht niemand den Alliierten Vorschriften über die Ehrung von Toten, die Alliierten können ihren Toten gedenken, wie sie möchten. Sie haben aber kein Anspruch darauf (explizit: Auch keinen moralischen) dass die Bundesrepublik Deutschland oder das Land Berlin die Toten in einer bestimmten Weise ehrt oder bestimmte Gedenkweisen unterstützt. Zudem müssen auch Denkmäler zeitlich immer wieder darauf überprüft werden, ob der Staat die Aussage, die sie treffen oder das Ereignis, für das sie stehen fördern sollte. Es gibt sicher viele Bereiche, in denen darüber diskutiert werden kann, wie maßgeblich die Perspektive der Zeit ist, zu der sie errichtet wurden. Ein Bismarck-Denkmal muss vermutlich eher nicht abgerissen werden, obwohl Bismarck eine problematische Persönlichkeit war.
    Anders sieht es aus, wenn es um Denkmäler für NS-Größen geht: Eine Person kann ebensowenig losgelöst von heutigen Moralvorstellungen betrachtet werden wie ein Ereignis.

    Insofern ist die Diskussion über die Panzer am Ehrenmal an sich gut und richtig, auch wenn ich der Ansicht bin: Die Panzer haben einen sinnvollen Bezug zum Denkmal und sollten dort stehen bleiben, zumal man die Sowjets im Falle des zweiten Weltkriegs schwerlich beschuldigen kann, als Aggressoren aufgetreten zu sein.

  2. Sehr kluge Gedanken. Auch wenn ich kein Befürworter der aktuellen russischen Außenpolitik bin, so hat dieses Denkmal nichts damit zu tun. Da haben Sie ganz recht. Aus den Begründungen für die Petition spricht sehr viel Angst und Hilflosigkeit gegenüber eines aktuellen Weltgeschehens, welches man zwar gern beeinflussen würde, aber nicht kann. Mir fällt in diesem Zusammenhang das Wort Aktionismus ein.

  3. Noch ein Nachtrag im Zusammenhang mit Kriegsfriedhöfen in anderen Ländern. Ich verfolge ab und zu die Arbeiten der Kriegsgräberfürsorge (www.volksbund.de), die die deutschen Soldatenfriedhöfe in anderen Ländern pflegt, nach wie vor Kriegstote birgt und Angehörigen Möglichkeiten bietet, die Gefallenen zu ehren. Insofern möchte ich es auch anderen Ländern zugestehen, in unserem Land ihrer Toten zu gedenken, auch wenn die Gestaltung des Friedhofes nicht unbedingt den Geschmack der Mehrheit treffen dürfte.

  4. Derartige Forderungen und die Gleichsetzung Rußlands mit der SU, Putins mit Stalin (oder dem Zaren) offenbaren den tief sitzenden Wunsch, endlich mit Rußland abzurechnen und die Schmach der Niederlage im 2. WK auszulöschen, indem man zum einen den damaligen Gegner und Sieger mit Hilfe aktueller (unterstellter ?) Aggressionshandlungen nachträglich quasi zum Aggressor umdefiniert und das Recht abspricht, seiner Opfer zu gedenken und zum anderen mit Hilfe vergangener Verbrechen (Stalin) das heutige Rußland zu diffamieren und zum „Reich des Bösen“ abzustempeln. Macht vor allem Sinn im Zuge der Vorbereitung eines Krieges (genau wie die Bilder von NATO-Kampfflugzeugen und anderem militärischen Gerassel, das wir uns schon jetzt täglich in den Nachrichten ansehen dürfen, damit wir uns schon mal dran gewöhnen)…

  5. @ schwertlilie

    Es gibt im Anhang zu den 2+4-Verträgen zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Alliierten einen Passus, in dem sich die Bundesrepublik Deutschland dazu gegenüber der Sowjetunion verpflichtet, die sowjetischen Kriegsdenkmäler besonders zu schützen und zu bewahren. Das gilt zB auch für das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park zu Berlin.

  6. @Emmi: Ich habe kein Interesse daran, die aktuellen politischen Ereignisse in und um die Ukraine zu diskutieren. Ich sehe auch nirgendwo Belege dafür dass wir auf einen Krieg gegen Russland vorbereitet werden sollen.

  7. @schnorri: Danke für den Hinweis. Habe etwas recherchiert und denke, dass du dich auf Art.18 des Vertrags über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken beziehst, den ich bisher nicht kannte. Daraus ließe sich ggf tatsächlich ein Recht herleiten (sofern man – wie überwiegend wohl angenommen – Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion zumindest im Hinblick auf die völkerrechtlichen Rechte und Pflichten akzeptiert). Es stellt sich dann aber natürlich die Frage, inwieweit eine Lösung vom Vertrag möglich wäre bzw. inwiefern eine Entfernung bestimmter Teile oder eine Umgestaltung von Kriegsdenkmälern überhaupt diesem Vertrag zuwider laufen würde.

  8. Ich sach mal so:
    Wenn Janukowitsch vergangenes Jahr das EU-Assoziierungsabkommen unterzeichnet hätte, dann würde von denen keiner die Verschrottung der Panzer fordern.
    Aber die haben ja Recht: Mit Panzern kämpft man im 21. Jahrhundert nicht mehr. Sondern mit Drohnen. Vielleicht sollte man die Panzer durch selbige ersetzen.

  9. 1. Der vertraglich zugesicherte Erhalt der Denkmäler umfasst nicht zwingend, dass keine Änderungen möglich sind.
    2. Die Denkmäler ehren nur an zweiter Stelle die Toten. An erster Stelle werden die UdSSR und Stalin verherrlicht. Besonders deutlich wird das am Ehrenmal in Treptow, wo die Inschriften vorwiegend der Verherrlichung des Massenmörders Stalin dienen. Jeder Rotarmist der hier begraben ist hat ein Recht auf ein würdevolles Grab. Aber die UdSSR hat kein Recht auf Glorifizierung (Stichworte: Hitler-Stalin Pakt, Sowjetischer Überfall auf Polen, Estland, Lettland, Litauen, Finnland, Iran und Japan, millionenfache Kriegsverbrechen, 50 Jahre Besetzung Osteuropas).

  10. @Berliner: Nach dem „Abkommen vom 16. Dezember 1992 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über Kriegsgräberfürsorge“ sind die Kriegsgräberstätten der Russischen Föderation überlassen. Das bedeutet meines Erachtens, (IANAL) dass keine Änderung ohne russische Zustimmung daran durchgeführt werden kann, ohne dass Hoheitsrechte verletzt würden. Es darf ja auch nicht einfach so ein Botschaftsgebäude zerstört oder verändert werden. (In einigen Fällen würde dass einer Kriegserklärung gleichkommen!)
    Und was es auch bedeutet ist, dass es eben nicht „wir“ sind die den gefallenen Soldaten gedenken, sondern Russland. Die Deutschen, haben weder in der losen Form einer Boulevard-Kampagne, noch als durch die Regierung politisch handelndes, souveränes Volk das Recht die Art des Gedenkens zu bestimmen.
    Moralisch haben die Deutschen in Sachen des Zweiten Weltkriegs sowieso alle außer den grundlegendsten und unveräußerlichen Ansprüchen gegenüber der Sowjetunion und ihren Erben verwirkt, da Sie im Osten einen Vernichtungskrieg geführt haben, der auch ohne den industriell organisierten Massenmord des Holocausts als eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu gelten hätte.

    @Schwertlilie: Es gilt hier zwei Dinge auseinander zu halten: Einerseits die Bewertung, ob ein Ereignis oder eine Person überhaupt des Gedenkens würdig ist, und anderseits wie dieses stattfindet. Es ist legitim zu entscheiden, dass ein bestimmtes Denkmal keinen erinnerungswürdigen Inhalt hat und daher geschleift werden sollte, aber es läuft der Idee des Denkmals zuwider, es nach tagespolitischen Befindlichkeiten zu verändern. Die Kraft des Denkmals liegt ja gerade darin, dass in ihm dem Fremden, Vergangenen begegnet werden kann, aus dem das Eigene sich schöpft und an dem es sich formt.

  11. Pingback: Unzeitgemäße Denkmäler | Schmalenstroer.net

  12. @Milan: Natürlich ist das „ob“ und das „wie“ des Gedenkens auseinanderzuhalten. Auf beiden Ebenen kann das Gedenken aber falsch sein. Nehmen wir als Beispiel diejenigen, die aufgrund der Bombardements der Alliierten zum Ende des Kriegs gestorben sind, die aus ehemaligen Gebieten des Deutschen Reichs nach dem Krieg vertrieben wurden oder die als Kriegsgefangene in sowjetischen Gulags endeten. Es ist legitim, diesen Personen und Ereignissen zu Gedenken (also das „ob“ zu bejahen). Allerdings sind alle diese Ereignisse in einem bestimmten geschichtlichen Zusammenhang zu sehen. Ein Mahnmal ohne eine entsprechende Einordnung der Ereignisse wäre also zumindest problematisch. Auch auf der Ebene des „wie“ kann sich also Bedarf nach einer Neubeurteilung ergeben. Dass dabei nicht jede Änderung des Moralverständnisses zu einer Schleifung von Denkmälern führen kann, ist denke ich klar. Letztendlich muss also eine Abwägung zwischen dem unveränderten Erhalt eines Denkmals und dessen Aussage getroffen werden, die möglicherweise nach jahrzehnten so nicht mehr zum Moralempfinden eines Großteils der Bevölkerung passt. Denkbar sind nach dieser Abwägung entweder die Umgestaltung oder Beseitigung des Denkmals oder eben der Erhalt.

    Übrigens habe ich starke Zweifel daran, dass das “Abkommen vom 16. Dezember 1992 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über Kriegsgräberfürsorge” eine Umgestaltung des Denkmals verbietet. Auch hier sind nämlich zwei Ebenen zu unterscheiden: Zum einen die Kriegsgräber, zum anderen die Monumente und Denkmäler, die regelmäßig in unmittelbarer Umgebung von Kriegsgräberstätten stehen.

  13. Ich bin dennoch der Ansicht, dass die Veränderungen an einem Denkmal minimal sein sollte, da es der Funktion eines Denkmals, Verbindung zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit herzustellen, zuwiderläuft Das heißt aber natürlich nicht, dass die erinnerungskulturellen Zusammenhänge, in die ein Denkmal eingefasst ist, nicht verändert werden können. So ist es meines Erachtens sinnvoll, etwa Mahnmale für deutsche Opfer des zweiten Weltkriegs, oder Bismarck-Denkmäler durch kritische Erklärungstafeln und Ausstellungsräume zu ergänzen oder gar durch ein oder mehrere Gegendenkmäler zu kontrastieren, wie dies in Hamburg mit dem Kriegerdenkmal am Dammtor (einem auch „Kriegsklotz“ genannten NS-Denkmal), dem Mahnmal gegen den Krieg und einem geplanten Deserteursdenkmal geschehen ist. Nicht legitim ist es dagegen, ein Denkmal selbst zu verändern. Sehr problematisch wird es etwa wenn aus in der NS-Zeit errichteten oder ausgebauten Mahnmalen für die Gefallenen des 1. Weltkriegs nur Hakenkreuze und Reichsadler entfernt wurden, und sie ansonsten ihre bisherige Funktion weiter erfüllen sollen.
    Im Falle von Kriegsgräber kollidiert dabei aber durchaus die Funktion der Grabstätte mit der das Denkmals, sodass eine Veränderung sich rechtfertigen ließe, wenn die derzeitige Gestaltung unvereinbar mit dem Recht der Toten auf würdiges Ruhen wäre.

  14. Wir sind immer noch besetzt…und nur, weil die GUS-Streitkräft 1994 abgezogen sind, heisst das noch lange nicht, dass wir irgendwie besonders souverän sind. Deutschland zahlt irre Summen für die Stationierung der Gaststreitkräfte der USA und von GB, alles vertraglich geregelt. Man möge einmal mit einem von einem deutschen Gericht ausgefertigten Durchsuchungsbeschluss in Ramstein Einlaß erbitten…

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