Eine heikle Abwägungsfrage

Vorbemerkung: Dieser Beitrag liegt in Grundzügen schon seit einigen Tagen herum. Ich hoffe dass er nicht den Eindruck erweckt dass ich irgendetwas von dem, was Sebastian Edathy angelastet wird, gutheiße oder gleichgültig beobachte, oder dass ich irgendein Verständnis für pädophile Handlungen aller Art habe.

Twitter-User @DasDaz will, dass ich in den Knast gehe. Und mit dieser Meinung ist er nicht allein. Tatsächlich dürfte dieses Statement in Deutschland absolut mehrheitsfähig sein. Es wäre meiner Meinung nach an der Zeit, mit etwas weniger Aufregung auf den Fall Edathy zu blicken und zu überlegen, in was für einer Gesellschaft und in welcher Beziehung zu Kindern wir überhaupt leben wollen.

Die erste Frage danach, warum Nacktfotos von Kindern zu besitzen überhaupt erlaubt ist, beantwortet sich leicht. Mein Sohn ist nun knapp über vier Monate alt, auf meinem Handy und in meiner Dropbox befinden sich gut und gerne einhundert Nacktfotos von ihm Fotos von ihm, auf denen er nackt ist. Diese habe ich teilweise weitergeleitet, per Mail und What’s App, an Familie und Freunde, welche diese Bilder teilweise (mit meinem Einverständnis) wiederum weitergeleitet haben. Unter den Empfängern sind damit Menschen, die ich seit Jahren nicht gesehen habe.

Die Entgegnung der Strafgesetzverschärfungsbefürworter liegt auf der Hand: Eigene Kinder sind davon natürlich auszunehmen, und die Verbreitung an Familienmitglieder und Freunde selbstverständlich auch. Das allein ist rechtlich schon nahezu unmöglich zu fassen – wie definiert man Freundschaften? Und wären nicht die schrecklichen Fälle von Eltern, die Fotos mit voller Absicht an Pädophile weiterleiten (ein Beispiel für eine solche soziale Situation sei dabei der Sänger der lostprophets) damit überhaupt nicht zu fassen?

Der nächste Vorschlag der Verschärfer wäre daher die gewerbliche Verbreitung solcher Fotos. Wohlgemerkt, hier geht es ausschließlich um Nacktaufnahmen ohne irgendeine sexuelle Handlung. Kinderpornographie ist völlig zu Recht und umissverständlich verboten, nicht nur die Herstellung und Verbreitung sondern auch Bezug, Speicherung, sogar reines Ansehen. Das zu legalisieren fordert niemand ernsthaft und vor allem öffentlich.

Doch auch die gewerbliche Verbreitung würde bestehende, harmlose Handlungen illegalisieren. Ein erstes Beispiel hierfür wären Verfilmungen von Büchern der rundum beliebten Schriftstellerin Astrid Lindgren. In „Madita“ sind desöfteren zwei Mädchen unter zehn Jahren splitterfasernackt zu sehen, sie hüpfen durchs Haus und toben auf ihren Betten – also Dinge, die Kinder nun mal tun. Wir besitzen diese DVD. Würde das Gesetz nach den aktuellen Forderungen verschärft, müssten wir die Aufnahme vernichten oder bei der Polizei abgeben. Ein medialer Bestandteil meiner Kindheit würde für immer vernichtet.

Sicher, die Vorstellung dass Pädophile diesen Film als Erregungsmaterial benutzen ekelt mich auch, sie ist widerlich. Aber müssen wir der Sexualisierung von Kindern durch Pädophile eine eigene Sexualisierung entgegensetzen? Wir würden damit eine Vielzahl von guten, begründeten Rechten einschränken. Wie sollten denn Historiker noch Bilder in Büchern über Hippiekultur und Hippiefamilien unterbringen?

Ich würde mir auch wünschen, dass Pädophile überhaupt kein Material mehr bekommen. Ich würde mir wünschen, dass es überhaupt keine Kinderpornographie mehr gibt und auch keine Lücken im Recht, wie sie mutmaßlich Sebastian Edathy genutzt hat. Aber wir müssen wohl oder übel akzeptieren, dass der Rechtsstaat nicht alles fassen kann, was moralisch geboten ist. Mir fallen selbst nach langem Überlegen, und dieser Beitrag ruht schon einige Tage, keine juristisch formulierbaren Kriterien ein, nach denen man die anscheinend bestellten Bilder verbieten könnte, ohne die oben genannten Beispiele mit zu illegalisieren. Wir haben es hier mit einer mehrfachen Abwägungsfrage zu tun: Möchten wir zugunsten der Opfer von Posingfoto-Produzenten1 auf Kunst-, Wissenschafts- und Pressefreiheit verzichten? Und möchten wir, weil es Menschen gibt, die sich daran sexuell erregen, die Natürlichkeit und Unsexualität eines nackten Kindes aufgeben, um uns im negativierten Sinne der Sexualisierung dieses Kindes anzuschließen?

Der meiner Meinung nach richtige Weg wäre nicht, bei den Bildern selbst anzusetzen, sondern bei den Produzenten und den Produktionsumständen. Wer Kinder zu solchen Aufnahmen zwingt, drängt oder ihre Schutzlosigkeit ausnutzt, der gehört ins Gefängnis. Wer solche Aufnahmen heimlich, so am vielzitierten FKK-Strand, anfertigt, muss mit Strafverfolgung rechnen müssen. Wer als Eltern seine Kinder für solche Dinge zur Verfügung stellt ebenfalls. Ich bin kein Jurist, aber ich glaube das all dies schon jetzt geltendes Recht ist. Und das sollten wir mit aller Unnachgiebigkeit anwenden. Dann wäre allen mehr geholfen.

  1. Ich finde dieses Wort übrigens ganz schrecklich. Posing hat nichts mit Nacktheit oder (Soft-)Pornographie zu tun. Außerdem klingt es harmloser, als es tatsächlich ist. []

9 Kommentare zu “Eine heikle Abwägungsfrage

  1. Das Problem in diesem Fall ist, dass praktisch alles eine sexuelle Stimulanz sein kann. Das kann man sich wohl am Besten vorstellen, wenn man einfach mal die normale, heterosexuelle Erwachsenensexualität ansieht. Da gibt es zum einen die eindeutig erotisch gedachten Sachen:

    * Pornographie
    * Nacktbilder
    * erotische Nichtnacktbilder (FHM, Maxim, etc)

    Gleichzeitig gibt es natürlich auch einen Haufen Sachen, die eigentlich nicht per se als erotische Stimulanz gedacht sind, aber gerne genutzt werden. Beispiele sind etwa

    * Die Unterwäscheabteilung des Quelle-Kataloges
    * Der heimliche Blick auf Hintern oder in den Ausschnitt

    Dies führt u.a. aus der feministischen Ecke zu der Feststellung, dass man auch genre mal einen kurzen Rock tragen will ohne gleich überall angegafft zu werden. In Saudi-Arabien führte die gleiche Erkenntnis zum umgekehrten Schluss – nicht die Männer sollen sich ändern, sondern die Frauen werden verhüllt, um die Männer nicht sexuell zu reizen.

    Ein Pädophiler ist aber nunmal jemand, der sich entsprechend von Kindern gereizt fühlt. Um ihm keine sexuellen Stimulanzen zu bieten, müsste man alle Kinder vollverschleiern und sämtliche Bilder von Kindern aus dem Internet zensieren – denn er wird ja nicht nur von nackten Kindern, sondern generell von Kindern erregt.

  2. Ich halte es für richtig, auch folgende Motive zu verbieten: Kinder, deren Mund mit Marmelade verschmiert ist; Kinder, die auf Pferden reiten; Kinder mit Zöpfen. Solche Fotos sollten an niemanden weitergegeben werden dürfen, denn auch mit ihnen kann Missbrauch betrieben werden!!!

  3. Ich bin für die Einführung der Kinderburka! Kinder dürfen nur im Eigenheim ohne diese Ganzkörperverhüllung existieren. Außerhalb dieses Ortes ist bei Strafe mit bis zu 5 Jahren Haft dem Kind bis zum 21. Lebensjahr die Burka vorgeschrieben.
    Problem gelöst.

    Ach ja:

  4. Blogverfasser moritz hat sie nicht mehr alle: Was in der Welt bewegt ihn nur, dass er _nackte_ Fotos seines Nachwuchses macht und dann erst noch herumreicht?
    .
    Bevor Schlimmeres passiert sollte er doch dringendst mal einen Psychiater besuchen!!!

  5. Wenn man den Handel mit Bildern von nackten Kindern unter Strafe stellt, dann wird diese Strafbarkeit ja wiederum durch andere Gesetze eingeschränkt: Den Schutz der Kunst, Wissenschaft etc. Ich denke nicht, dass eine solche Änderung die angesprochenen Filmszenen oder Buchpublikationen betreffen müssen.
    Allerdings werden dann eben ganz klar auch genau diese Lücken ausgenutzt. Ich trinke auch gern in der Kneipe, die als Galerie angemeldet ist: Die können die Getränke billiger verkaufen.
    An diesem Punkt muss dann auch einfach ordentlich ermittelt werden – das kostet Geld. Wie immer.

    Und dann greift für mich das Argument, dass ich es ganz schrecklich finde, wenn Nacktheit (von Kindern) so problematisiert und zu etwas Gefährlichem gemacht wird. Als Frau weiß ich auch aus eigener Erfahrung, wie sehr es einen verunsichert, wenn man sich plötzlich nicht mehr so frei bewegen soll („der Rock ist zu kurz“, „setz dich ordentlich hin“), ganz einfach, weil die Eltern einen beschützen wollen. Eine schreckliche Vorstellung, sich immer weiter verbiegen zu müssen!

    Und was ich auch schrecklich finde: Wenn ich mir vorstelle, ich sei pädophil. Von diesen Menschen verlangen wir ein Maximum an „Verbiegen“ – eine größere Isolation kann ich mir kaum vorstellen. Die Therapieangebote, die es gibt (nicht überall!) werden noch nicht mal von der Krankenkasse bezahlt. Die Frage ist doch auch: Was tun wir eigentlich dafür, dass diese Menschen nicht zum Täter werden?

    Dieses Angebot fand ich in dem Zusammenhang ganz spannend: https://www.kein-taeter-werden.de/

  6. Danke für diesen Blogbeitrag.
    Mit Grausen verfolge ich die aktuelle (04/2014) Debatte und die Ansätze von Maas und Schwesig (beide SPD). Sicher nur gut gemeint, aber ……

    Wir müssen aufpassen, das unsere Gesellschaft nicht in eine sexualfeindlich Schiefebene – bei aller guten Absicht – gerät.
    Ich beobachte derzeit, dass fast alles von den „Guten“ sexualisiert wird, weil jemand anders ( meist Männer ), ja was schlimmes denken könnte. Wer was dagegen sagt ist schon sehr dicht dran, selbst als Tätero.ä. angesehen zu werden
    So eine Gesellschaft will ich auch nicht.

  7. kipo bilder 60 jahre alt , kipo gemalt , kipo roman —–kipo video mit älteren,die jünger aussehen,–computergenerierter kipo verboten. hier wird gesinnung bestraft , nicht der reale kindsmißbrauch. ——vermutlich wird durch so methoden kaum ein kind weniger mißbraucht. bei dem wort kipo setzt bei vielen verstand aus. es wird auch behauptet, durch internet kipo weniger kindsmißbrauch,was weiß ich. kleiner teil der leute hat pädophilie geerbt-es gibt auch berichte von so leuten: wie ich so und so alt war, entdeckte ich , das ich pädophil war ( oder auch homosexuell) kindesmißhandling dagegen viel weniger auf dem radar wie kipo.

  8. google: schnüffeln im sexualleben der bundesbürger anklick karlweiss…. google: oracle -neue sex -gesetzgebung anklicke oraclesyndicate.twoday.net

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