#digigw2013 – was von Braunschweig übrig blieb

Gestern war ich mit einer überraschend großen Anzahl anderer Historikerinnen und Historiker am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig zur Eröffnungstagung der Arbeitsgruppe “Digitale Geschichtswissenschaft” des Historikerverbandes. Mein Eindruck, der sich offenbar mit dem vieler anderer Teilnehmer deckt, ist zwiespältig: Ich habe mich gefreut, zahlreiche Twitterbekanntschaften und gern gelesene BloggerInnen kennenzulernen, ich freue mich über die schiere, wenn auch späte Existenz der AG, aber kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir schon zur ersten Veranstaltung der Musik hinterherrennen, die in anderen Ländern und anderen Fächern schon längst gespielt wird.

Das fing bei der demonstrativen Abgrenzung von “den Nerds” gleich zu Beginn an, die uns Parallel-Twitter-Usern sauer aufstieß. Über vieles wurde an oben stehenden Orten schon geschrieben, das ich oft unterschreiben und nicht wiederholen muss. Was mir persönlich aber auf fast jeder Ebene und in jeder Diskussion fehlte, war ein Element, das auch so recht zu keiner der Domänen passen will, mir aber wichtig ist: Das Digitale als Mittel des Kontaktes des Historikers zur Öffentlichkeit. Nun gibt es auch eine AG “Angewandte Geschichtswissenschaft”, aber die hat genug andere, ganz eigene Arbeitsgebiete. Daher formulierte ich gestern die Forderung:

Die Domäne, die dem am nächsten kommt, ist die von Rüdiger Hohls betreute “Digitale Fachkommunikation, Publikationen und Vernetzung”, die aber dennoch vollkommen am Thema vorbei geht: Sie sperrt die digitalen Möglichkeiten im Elfenbeinturm ein, der nur jetzt per Glasfaser mit anderen Elfenbeintürmen vernetzt ist, während das Fußvolk außen vor bleibt. Dabei bieten Blogs, Twitter, Wikis, Foren und, schon fast antiquiert, Homepages gute Möglichkeiten, unsere Erkenntnisse zu popularisieren und nicht zuletzt unsere Tätigkeit zu begründen, ohne unmittelbaren privatwirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt zu sein. Dieses Thema wurde nur kurz angesprochen, muss aber meines Erachtens in der AG dringend seinen Platz finden, und sei es in Kooperation mit der AG AG, die ja auch noch sehr jung ist. Dabei haben die wenigen (ausdrücklich in Anführungszeichen) “digital natives” unter uns HistorikerInnen einen Vorsprung gegenüber denjenigen, die auf der asphaltierten Hierarchieautobahn der Wissenschaft in allen anderen Aspekten weit vor uns fahren. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass das Thema weitgehend ignoriert wurde und sich lediglich Mareike König daran wagte, es in der Diskussion einmal kurz anzustoßen.

Es bleibt also viel zu tun, ich werde versuchen meinen Teil beizutragen. Mein Feedreader ist seit gestern genau so angewachsen wie meine Twitter-Timeline, ich hoffe auf weitere Diskussionen, ob im Netz oder in Göttingen.

2 Kommentare zu “#digigw2013 – was von Braunschweig übrig blieb

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